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87         150406     Zur Steinbruchgeschichte in Assuan und die Datierung
                                              der Keilspalttaschen   
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82        120104        Abbau und Verarbeitung von Assuan-Granit im
                                     Alten Ägypten mit der Keilspalttechnik

83 
       121231       Die Chronologie der Keilspalttechnik im Assuan-
                                  Steinbruch und in der näheren Umgebun ---------------------------------------------------------------------------------------------


Neu eingestellt am 14.01.2016
Geringfügige Korrekturen sowie kleinere Ergänzungen folgen in Kürze!



150406   #87         Zur Steinbruchgeschichte in Assuan und die
                                         Datierung der Keilspalttechnik  



Abstrakt

Unter Verwendung von Publikationen über den Assuan Steinbruch, sowie den römischen Granitarbeiten in Germanien mit Schwerpunkt zur Keilspalttechnik, konnten gegenüber der herkömmlichen Auffassung neue Erkenntnisse gewonnen werden. Im direkten Vergleich der Technologien und insbesondere bei der Auswertung aller archäologischen Fundkontexte, kann mit aller Wahrscheinlichkeit die römische Anwesenheit im Steinbruch des Unvollendeten Obelisken ausgeschlossen werden. Das Ergebnis dieser Recherche deutet darauf hin, dass der Steinbruch bereits zum Ende des Neuen Reiches mit Sand und Schutt vor fremden Zugriff verschüttet wurde.    


Einleitung

Aus den Inschriften des Neuen Reich wissen wir von einem ergiebigen Granitsteinbruch in Assuan, der Rohmaterial für Skulpturen, Pyramidenbausteine und Obelisken lieferte. Ab dieser Zeit, und mit dem Beginn von Fremdherrschaften findet der Abbau von Rosengranit kaum noch Beachtung . Das Rohmaterial wird an zahlreichen kleinen Abbaustellen im Großraum von Assuan abgebaut; es wurden auch altägyptische Tempelbausteine umgearbeitet. Das Fehlen von Kolossalstatuen und großen Obelisken lässt darauf schließen, dass der Steinbruch beim Niedergang des Neuen Reiches auf Befehl des letzten Pharaos oder seiner Priester mit Sand und Schutt vor Ausbeutung zugeschüttet, und somit unzugänglich gemacht wurde. Alle in dieser Studie aufgeführten Belege weisen auf diesen Umstand hin.

Obwohl Assuan und Elephantine seit der Antike aufmerksam von Reisenden und Schriftgelehrten erkundet wurde, wird der Unvollendete Obelisk nirgends erwähnt. Im Zuge der Expedition durch Ägypten von Napoleon (1798), beschreibt der Wissenschaftler und Archäologe Vivant Denon zwar die auffälligen Keilspaltspuren an Gesteinsblöcken in der Umgebung von Syene, der altägyptische Steinbruch bleibt ihm aber verborgen.(99)
Erst als am Ende des 19. Jahrhunderts der Stein- und Geröllhügel in einer Sandmulde eine scharfe Kante zeigte, die nach weiterer Freilegung die Oberfläche eines ca. 42 Meter langen Obelisken zum Vorschein brachte, wurde der Ägyptischen Altertümer Verwaltung bewusst, diese Sensation wissenschaftlich untersuchen zu lassen.      



1.0.        Forscher, die sich wissenschaftlich mit dem Assuan Steinbruch
              beschäftigten  

1922   erhielt Reginald Engelbach den Auftrag dieses Phänomen wissenschaftlich zu untersuchen und die Ausgrabung zu leiten. Er beschreibt in seinen zwei Werken (1)(2) die Spaltung des Granits mit Keiltaschen und Keilen als altägyptisch. Als weitere Belege werden Keilspaltlöcher in Steinbrüchen von Ramses IV genannt (2, S. 87). Seiner Meinung nach seien die Spaltkeile zumindest aus Eisen, wahrscheinlicher jedoch aus Stahl gewesen. Mangels Beweise dieser Theorie verweist er auf zukünftige Forschungen (3).    

1962   wurde der Archäologe Josef Röder (4) vom Deutschen Archäologischen Institut zur Begehung und Beschreibung des Steinbruchgebietes beauftragt.
1965 wird die Zusammenfassung mit dem Titel “Zur Steinbruchgeschichte des Rosengranits von Assuan“ im Archäologischen Anzeiger veröffentlicht.
Die Frage zur Datierung der Keilspalttaschen war leider schon im Vorfeld, durch die Vorgabe von A. Lucas und J. R. Harris (5) theoretisch geklärt.

Zitat: “Eiserne Arbeitsgeräte, im Sinne ausgedehnter alltäglicher Verwendung war erst um die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts in Ägypten der Fall“ (6).

Somit bleibt Röder nur ein schmales Zeitfenster für seine Befunde, die er den zögerlichen Anfängen der Steinspaltung mittels Meißeln den Ptolemäern, die professionelle Keilspaltung mit Eisenkeilen den Römern zuschreibt. Bereits in der Einleitung stellt er mit Beklagen fest: “Die starke Beschränkung auf technologische Fragen entspricht der hauptsächlichen Blickrichtung der Feldarbeit“.
Bei seiner viermaligen Anwesenheit, auch während der erweiterten Freilegung des Steinbruchs konnten weder Inschriften noch archäologische Hinweise auf eine römische Präsenz identifiziert werden.
In seiner Abhandlung verweist er des Öfteren auf weitere zukünftige Forschungen und auf einen nochmaligen Schlussbericht, der jedoch nicht mehr geschrieben wurde. Seitdem wird die antike Keilspalttechnik in Ägypten in die Spätzeit verlegt. In allen Aufsätzen der jüngeren Zeit, werden alle Keilspaltspuren unter Hinweis auf Röder als römisch bezeichnet.     

1968, also drei Jahre nach Röders Veröffentlichung, erscheint im gleichen Anzeiger eine Abhandlung mit scharfer Kritik von Carl Nylander (7). Unter dem Titel “Bemerkungen zur Steinbruchgeschichte von Assuan“ wird mit Beispielen argumentiert, dass die Keilspaltung bereits 500 Jahre vor Röders Datierung nachweisbar ist. Nylander nennt Keillöcher an Granitblöcken der Mykerinos Pyramide und von Flinders Petrie gefundene Eisenkeile aus dem 9. Jh. v. Chr.. Röders typologische Aufstellung könnte nur mit Vorsicht für chronologische und weitere geschichtliche Schlüsse benutzt werden.  

2007 – 2010 verfasste Adel Kelany mehrere Publikationen über Inschriften, Skizzen und Funde von Tonscherben im inzwischen vollständig freigelegten Assuan Steinbruch. Fast ausnahmslos konnten alle Belege in das Neue Reich datiert werden. Archäologische Indizien aus vor- oder nachrömischer Zeit fehlen
durchwegs (8).
Engelbach, Röder und Kelany lassen für die Keilspalttechnik nur eiserne Keile gelten.    



2.0.      Zur Freilegung des Unvollendeten Obelisken im Assuan Steinbruch  

Etwa um 1904 hatten Interessierte den Unvollendeten Obelisk oberflächlich freigeschaufelt und besenrein gesäubert.
Unter der Leitung Engelbachs wurden 1922 die Schrotgräben sowie eine ca. 5 Meter Breite Arbeitsfläche um die Begrenzungskanten des Monolithen freigelegt und untersucht.
Zu diesem Zeitpunkt bestand das Gebiet aus einem riesigen Sandhügel, die Steinbruchsohle war mit einer 3 – 7 Meter Hohen Schicht aus Sand, Geröll und Gesteinsschutt bedeckt. Lediglich die höchstgelegenen Felsformationen im Westen, Norden und Nordosten ragten geringfügig über die Dünenlandschaft hinaus. Engelbachs Einblick auf die antiken Arbeitsspuren beschränkte sich auf etwa 5 % der tatsächlichen Steinbruchfläche, die wahre Größe blieb ihm verborgen.  

In den Jahren 1962 -1964 wurde das Geröllniveau am Unvollendeten Obelisken um ca. 6 Meter Tiefe, Richtung Nord-West abgesenkt, und als Zugangsplateau für Touristen genutzt. Der heute bekannte Steinbruchhorizont mit den letzten altägyptischen Arbeitsspuren war damals mit ca. 1 Meter Schutt bedeckt, und konnte noch nicht eingesehen werden.
Die Bereiche oberhalb des Obelisken von Nord über Ost, Süd bis West waren lediglich partiell  freigelegt. Sichtbar war nur die Oberkante der senkrechten Steinbruchwand des südlichen Kessels mit Keilspaltlöchern, und altägyptischer Steinklopftechnik (Dolerithammer) an den Randzonen, die Kesselsohle war noch nicht freigelegt.
Röder erhielt mehr Einblick in die annähernd senkrechte Steinbruchwand im Nordosten, und am südlichen Grad des Bergrückens, von der tatsächlichen Grundfläche des Steinbruchniveaus mit den letzten altägyptischen Arbeitsspuren konnte er nur einige Kleinflächen mehr in Augenschein nehmen als Engelbach.  

2002 wurde der Granitstock des Assuaner Steinbruchs vollständig freigelegt, so wie er von den letzten Steinbrucharbeitern verlassen wurde, und wie wir ihn heute erleben dürfen. Erst ab diesem Zeitpunkt wäre eine erneute Bestandsaufnahme von Fachkundigen Personal durchzuführen, da alle Arbeitsspuren ohne geistreiche Interpretation und ohne Missverständnisse nachprüfbar sind. Auf Grund neuerer Erkenntnisse konnten in letzter Zeit konkrete Fakten und Datierungen veröffentlicht werden.      



3.0.        Die vorgefundenen Arbeitsspuren im Steinbruch

Maßgebend für unsere Betrachtung und Beurteilung sind ausschließlich die Arbeitsspuren innerhalb des Steinbruchs. Wir können davon ausgehen, dass diese unverfälscht einer bestimmten Zeit zugeordnet werden können. Der Steinbruch war seit Jahrtausenden mit Sand und Schutt verhüllt. Alle Befunde außerhalb des Steinbruchs konnten zu jeder beliebigen Zeit erfolgen.  



3.1.       Die Dolerithammer Steinklopftechnik

Engelbach fand muldenartige Vertiefungen als Oberflächenbearbeitung und wellig gearbeitete Flächen von Schrotgräben, mit rundlich ausgearbeiteten Außenecken am Unvollendeten Obelisken, “Alles sei verrundet ausgearbeitet“. Vielfach im Untersuchungsgebiet aufgefundene Doleritkugeln hätten sich geeignet, solche Strukturen zu erzeugen.  

Dem könnte man entgegnen, dass die Ecken des Obelisken rechtwinkelig sind, die nachgearbeiteten Risse auf dem Obelisken als schmale Nuten ausgearbeitet sind, dass mit einer Picke (Spitzhacke) das rechtwinkelige Ausarbeiten der äußeren Schrotgrabenecken sinnlos wäre, und dass der Steinhauer im Sitzen mit einer Picke ebenso eine Mulde vor seinen Knien ausarbeiten würde.  
Da aber auch Röder die Steinklopftechnik befürwortet, wird das seine Richtigkeit haben. Anwendung fand dieses Verfahren vom Alten bis zum Neuen Reich. Die nächsten 1000 Jahre bis zu den Römern, die mit Hammer und Meißel anreisten, bleibt der Steinbruch unberührt – soweit die Quellen.

Die Steinklopftechnik ist überall im Steinbruch anzutreffen, wo gesundes Kerngestein aus dem Massiv freigelegt wurde, ebenso bei Prüfschächten, die man mit Steinkugeln senkrecht in die Tiefe “bohrte“.  
Unsicher, ob dies dem Dolerithammer aus eigener Kraft gelingt, erwägen zeitgenössische Autoren zusätzlich das Feuersetzen, welches das Vorgehen erleichtern sollte. Zu jener Zeit aber, war man sich einer solchen Energieverschwendung bewusst. An den Wänden der bis zu neun Meter tiefen Kontrollschächte müssten nach hundertfacher Feuersetzungen die Wandungen durch den Rauch schwarz gefärbt, bzw.zumindest leicht verkohlt sein. Dies ist nirgends feststellbar.       



3.2.     Der Granitabbau mittels Steinspaltung, Keilspaltlöcher, Keilspalttaschen  

Kleinere Gesteinsmassen mit natürlichen Rissen, Klüften und Lagern konnten mit Brechstangen oder durch Eintreiben von Meißeln oder schmalen Keilen zerlegt werden. Soweit fünf Flächen Spannungsfrei waren, lies sich der Block sehr ebenflächig mit der Keilspalttechnik vom Massiv lösen. Ebenso erfolgte die Teilung oder Begradigung von Granitblöcken.
Die ausufernden Debatten und Diskussionen haben sich in der Fachwelt gelegt, man ist sich über das einzig mögliche Werkzeug, dem Eisenkeil, einig.

Nur das nördlich vom Obelisken gelegene Gebiet mit dem Abbauschacht, dem tiefsten Punkt des Steinbruchs, auf dem die Zeichnungen von Tieren, Straußen, Delphinen und Schiffen zu sehen sind, und der dahinter liegende Steinbruchkessel ist keiltaschenfrei – und somit altägyptisch.
Außerhalb dieses Gebietes ist der gesamte Steinbruch von Keiltaschen geprägt, womit nach Röders Recherche alles römischer Natur sei.      



3.3.   Das gemeinsame Auftreten der Dolerithammer-Klopftechnik und der                 Keilspalttechnik – altägyptische und römische Spuren zur selben Zeit?    

Beide Methoden haben eine grundsätzlich verschiedene Zielsetzung, und werden jeweils nur bei bestimmten tektonischen Bruchverhältnissen angewandt. Keine kann die Andere ersetzen, sie können sich lediglich ergänzen. Aus technologischer Sicht besteht daher kein Grund, diese unterschiedlichen Verfahren Entwicklungsgeschichtlich abzugrenzen, oder Datierungen davon abzuleiten.  

Engelbach beschreibt und Kartiert zwei sich schräg gegenüberliegende Abbaustellen, etwa 1 Meter über der Oberkante des Unvollendeten Obelisken, mit Keilspalttaschen. Was bedeutet, dass die Keilspalttechnik bereits vor dem Erreichen des oberen Niveaus des großen Obelisken bekannt war (9).

Er zeichnet im Vertikalschnitt Nr.5 des Prüfschachtes (Section through Y-Z) eine horizontale Ausbuchtung, die etwa im Winkel von 45 Grad spitz zulaufend,  ausgeführt wurde. Mit Dolerithämmern wäre ein solch spitzwinkeliger Unterschnitt nicht ausführbar gewesen.    

Röder definiert obligatorisch alle Abbaustellen mit Keiltaschen in die Römische Zeit. Im Plan des Abbaugebietes Stelle 55 (Schrittskizze Abb.15, S. 491-492) werden die ihm zugänglichen Abbaustellen detailliert aufgeführt. In der dazugehörigen Beschreibung, bemerkt er jedoch auf gleichem Abbauhorizont die Spuren des Neuen Reiches und die der selbst definierten “Spätzeit“ nebeneinander.

Zitat Seite 497,498: „Die Fundstellen enthalten einerseits die hier sich in grandiosem Ausmaß häufenden Spuren der altägyptischen Zeit (Klopftechnik) sowie die durch die römische Zeit herbeigeführten großen Veränderungen. Zwischen den römischen Abbauen liegen mit römischen Abraum bedeckte Geländestreifen, die auch flächenhaften Abbau altägyptischer Zeit (Klopftechnik) tragen (x1).
Überreste großer altägyptischer Tätigkeit haben sich auch innerhalb bzw. am Rande der römischen Ausbeutezonen erhalten (mit Buchstaben d bis n bezeichnet). Ein nicht unerheblicher Teil liegt im Westen unter späterem Schutt (teilweise Sand) begraben (x1).
Sichtbar – bzw. durch Freilegung sichtbar gemacht – sind nur die östlichen Teile der altägyptischen Bruchbahnen e und d, sowie g bis i“. Dem Anschein nach ist Röder der Meinung, dass die Keilspalttechnik die Schrotklopftechnik ablöste. Weil die Techniken aber auf die tektonischen Verhältnisse des Vorkommens ausgerichtet sind, können sie nur nebeneinander existieren.       

x1) Die beschriebenen altägyptischen Abbauzonen liegen oben auf dem Granitrücken, entlang des nach Westen abfallenden Geländes. Haben wirklich die Römer ihren Talschutt auf des Berges Höhen geschafft, und haben sie noch hunderttausende Tonnen Sand auf die höchsten Stellen des Steinbruchs transportiert um ihn aufzufüllen, und um sich dort den Zugriff auf das qualitativ hochwertige Kerngestein zu verbauen?     


Im Nachfolgenden wollen wir die von Röder beschriebenen Abbaustellen näher beleuchten:  

Unterhalb der Steilwand der Stelle 5-7 mit Keiltaschen (römisch) befindet sich die altägyptische Abbaustelle “n“.
Da die untersten Spuren die letzten sind, ist insgesamt die Abbaustelle als altägyptisch anzusehen. Als Alternative besteht die Möglichkeit, dass wenn der Steinbruch seit dem Neuen Reich aufgefüllt war, und dieser kleine Höhenzug herausragte, hätten die Römer dort abbauen können. Die Fehlspaltungen an der Wand und auf der Anhöhe schalten das Massiv derart ab, dass ein weiterer Abbau unmöglich wurde. Abgesprengt wurden nur Scherben oder Keilstücke, was auf die römische Unerfahrenheit schließen lässt.   Entlang der Steilwand an der höchsten Stelle des Steinbruchs, die nach Süden nahezu senkrecht abfällt, als römischer Steinbruch “B“ bezeichnet, werden auf der oberen Terrasse drei – nur partiell freigelegte altägyptische Abbaustellen “l“, “k“ und “i“ skizziert, die aber nicht näher beschrieben werden.  

Zur Abbaustelle “l“, die Befunde nach der kompletten Freilegung:
Aus dem mit der Steinklopftechnik abgearbeiteten Massivgestein wurde ein etwa 2*2*0,7 Meter großes Podest stehen gelassen. An diesen Flächen sind jedoch auch Keiltaschen vorhanden, die ebenso für die Abarbeitung Anwendung fanden. Auf dem Plateau befinden sich in nächster Nähe Keiltaschenreihen neben flachen Rinnen, die mit dem Dolerithammer ausgearbeitet sind. Diese Bereiche werden von Röder als altägyptisch beschrieben.
Nur die Kante des oberen Grades der Steilwand ist mit Keiltaschen versehen, deshalb sei der südliche Bereich römisch.  
Da der “römische“ Steinbruch “B“ aber noch nicht bis auf die Sohle freigelegt war, konnte Röder nicht sehen, was wir heute wissen. Dort findet sich nämlich wieder senkrecht darunter die altägyptische Dolerithammertechnik. Wenn also in einem Steinbruch, ähnlich einer archäologischen Grabung, der obere Befund dem Unteren gleicht, sind sie aus derselben Zeit. Die Keiltaschen sind demnach altägyptisch.  

Die Abbaustelle “k“ bezeugt Steinabklopfungen zur Qualitätsprüfung und Sondierungsmulden mit der Steinklopftechnik.   Die Abbaustelle “i“ wird von Röder als altägyptisch beschrieben: Heute wissen wir, dass es sich um die Abbaustelle eines Obelisken aus der Zeit Thutmosis III handelt. Aus der gemeißelten Inschrift in der Kopfseite geht hervor, dass er Zwei Obelisken für den Tempel des Amun in Karnak hat herstellen lassen. An der Oberkante der Schrotwände befinden sich Keiltaschen, die zum Absprengen des seitlichen sowie des darüber liegenden Gesteins benötigt wurden. Das bedeutet, dass man die Spaltung bereits vor dem Beginn der eigentlichen Arbeiten ausgeführte, und sind deswegen in die Zeit von Thutmosis oder früher zu datieren.    

Die Abbaustelle “g-h“ wird als altägyptisch beschrieben:
Auch hierzu gibt es von Röder keine detaillierten Angaben. Dass hier der kleinere, südliche Obelisk unter Schutt begraben liegt konnte er nicht erahnen. Die Schrotwände wurden mit der Steinklopftechnik ausgearbeitet. Das östliche Gestein und das bis zur westlichen Oberkante wurden mit dem Keilspaltverfahren abgetragen. Das weist darauf hin, dass der Zugang als auch das über dem Obelisken vorhandene Gestein vor dem Erreichen der Obeliskenoberfläche, und vor dem Beginn der Schrotgrabenherstellung mittels Keilspaltung abgetragen wurde, und somit aus dem Neuen Reich stammen.  

Die altägyptischen Abbaustellen c bis f und m liegen, so Röder, am Rande und innerhalb der römischen Abbaugebiete (mit Keilspalttechnik).
Er sieht also beide Abbausysteme nebeneinander, und trennt sie wie gewohnt in unterschiedliche Epochen, weil das gleichzeitige vorkommen mit seinem Konzept nicht  vereinbar ist.
Erklärbar wird das Nebeneinander bei näherer Betrachtung der Gesteinsformationen. Das Spezialgebiet der Klopftechnik ist das Freilegen von Schrotgräben, das Abarbeiten des Gesteins zur Qualitätsprüfung und zur Einebnung bzw. dem Herstellen von Flächen. Angewendet wurden diese Techniken, wo massive Gesteinsmassen zu bearbeiten waren.  

Bei dem hier besprochenen Gebiet handelt es sich um teilweise tektonisch zerklüftetes Gestein mit Horizontalschichtungen, weshalb man hier mit der Keilspaltung ohne Vorarbeiten Blöcke ablösen konnte.  


Es könnten hier noch mehrere Beispiele angeführt werden, wir wollen es aber bei einem Letzten mit unzweifelhaften Indizien belassen:  

Etwa 1 Meter unterhalb des ca. 1964 abgesenkten Schuttniveaus (s. o. Pt. 2.0.) liegt die Spaltfläche eines ca. 28 Meter langen Obelisken. Weder Engelbach noch Röder konnten diese einsehen. Der bergseitige Schrotgraben wurde mit dem Dolerithammer (Steinklopftechnik) ausgearbeitet. Von der Talseite her wurde der Monolith mit einer – auf der ganzen Länge – eingearbeiteten Keiltaschenreihe vom Massiv makellos abgetrennt. Auffallend sind die mit einem Spitzeisen oder einem beidhändig geführten Spitzhammer hergestellten Meißelspuren am flachen Keilschrot, ebenso sehr feine Spitzhiebe an den Keiltaschen. 
Weil uns nur Obelisken dieser Größe aus dem Neuen Reich bekannt sind, müssen auch die Keiltaschen und Spitzmeißelspuren aus dieser Zeit sein. Die Römer haben zwar 8 pharaonische Obelisken nach Rom gebracht, aber selbst keinen hergestellt.      

Im Zuge der Freilegung des Steinbruchs nach dem Jahr 2002, konnte auch A. Kelany das gemeinsame Auftreten der Steinklopftechnik mit der Keilspaltmethode bestätigen. Er beschreibt, dass das einmeißeln der Keiltaschen mit Eisenmeißeln, und die Spaltung mittels Eisenkeilen ausgeführt wurde. Seinen Erkenntnissen nach, und in Anlehnung an Röder sei dies eine römische Arbeit.
Zur akuten Problemlösung, wieso in der Spätzeit nun wieder die Dolerithammertechnik eingeführt wurde, wird wie folgt erklärt:
“Infolge der Langzeiterfahrung und der Effizienz dieser  Werkzeuge, sowie der günstigen Kostensituation, waren die Dolerithämmer eine Alternative zu den inzwischen bekannten Eisenwerkzeugen“ (10).  

Ob die Römer die Steinklopftechnik kannten, ist jedoch sehr zweifelhaft, da ihre Wissenschaftler und Philosophen den Pyramidenbau mit Eisenwerkzeugen beschrieben. Im Text der Hungersnotstele aus griechisch-römischer Zeit wird für die Zeit des Pharao Djoser aus der 3. Dynastie, der Abbau von Mineralien am Qubbet el-Hawa zur Herstellung von Werkzeugen berichtet. Die dort heute noch vorhandenen Eisenminen, lassen nur die Verhüttung von Eisen zu.
Die Steinklopftechnik erlangte erst mit Engelbach Bedeutung, was die Römer damals noch nicht wissen konnten.      

Kelany untersuchte im Großraum von Assuan 17 Abbaustellen von Rosenranit (19), die markant mit altägyptischen Spuren und auch mit Keiltaschen geprägt sind. Wenn jedoch die Römer an diesen eng begrenzten Ressourcen mit der Keilspaltung abgebaut hätten, wären die altägyptischen Spuren nicht mehr auffindbar.    



4.0.    Archäologische Funde und Befunde  

Engelbach findet bei den Ausgrabungen am Unvollendeten Obelisken einen Topf mit roten Farbresten,  dessen Inhalt mit den Linien und Markierungen an den Schrotwänden identisch ist. Des Weiteren eine Tonscherbe mit einem fragmentierten Schriftzug, dessen Entzifferung die Tätigkeit des Schlagens, Hauens, Steinhauer o. ä. erkennen lässt. Zugeordnet werden diese Befunde dem Arbeitsprozess am Obelisken, zur Zeit des Neuen Reiches (11).  
Röder kann mit keinem einzigen Hinweis auf die römische Anwesenheit im Steinbruch aufwarten.   

 A. Kelany katalogisiert ca. 1419 Dolerithämmer, wobei etwa 57 Stück davon mit Hieroglyphen oder hieratischen Schriftzeichen, aus dem Neuen Reich und vielleicht auch älter, signiert sind (12).  
Weitere Befunde waren Arbeitstechnische Linien, Skizzen von Tieren wie z.B. Straußen oder Delphinen, sowie Darstellungen von Schiffen und Obelisken, teils in roter oder schwarzer Farbe, die den Steinbrucharbeitern des Neuen Reiches zugeordnet wurden. Aufschluss gaben auch Bodenfunde wie z. B. verbrannte Erde, Asche und Tonscherben, ebenfalls aus derselben Zeit.
Daneben wurden auch Holzkohlenreste lokalisiert, die auf Schmiedefeuer hinweisen könnten. Die unversehrte Inschrift, die auf Tätigkeiten von Thutmosis hinweist fand man im süd-westlichen Steinbruchgebiet, sie entstammt seiner Zeit.
Von den Steinbrucharbeitern oder von den Aufsehern aufgepinselte Datumsangaben dokumentieren den Fortschritt der Arbeitsleistung im Neuen Reich.
Eine Darstellung des altägyptischen Gottes Bes auf einem Block mit Keiltaschen außerhalb des zentralen Steinbruchs (13) beweist ebenfalls den pharaonischen Zeitgeist.    

Man fand nord-westlich, außerhalb des zentralen Steinbruchgebietes sieben ägyptische Vornamen, die in griechischer Schrift geschrieben sind. Kelany datiert sie auf das 1. Jahrhundert vor-, bzw. dem 1. Jh. nach Christus. Die Höhe der Inschriften von 3,20 Meter über dem Steinbruchniveau, weist lediglich darauf hin, dass der Steinbruch an dieser Stelle zur Zeit der Anbringung bereits mit Schutt aufgefüllt war. Insgesamt gesehen scheinen die fraglichen Namenszeichnungen rezenteren Ursprungs zu sein.    

Es wurden im süd-östlichen Bereich demotische Markierungen gefunden, die in einer späteren Veröffentlichung diskutiert werden sollen. Auch diese sind für unsere Recherche nicht relevant, da sie in einem immer frei zugänglichen Gebiet, außerhalb des zentralen Steinbruchs liegen.  

Obwohl A. Kelany und seine sechs Kollegen den Steinbruch peinlichst genau erforschten, konnten sie keine Hinweise auf römische Hinterlassenschaften oder Signaturen finden.        



5.0.  Die römische Keilspalttechnik im alten Germanien (Germania Inferior),
        im Vergleich mit den Spuren im Steinbruch des Unvollendeten
        Obelisken in Assuan.  

Zwei anspruchsvolle Untersuchungen geben uns wertvolle Hinweise zu römischen Abbaumethoden während der Kaiserzeit.  

Josef Röder veröffentlichte 1974, also ca. 10 Jahre nach der Untersuchung in Assuan, eine Expertise über die römische Steinbruchtätigkeit am Drachenfels (14). Bei dem dort abgebauten Bauwerkstein “Trachyt“ handelt es sich um ein Hartgestein, dass in etwa die Eigenschaften des Granits aufweist. Das Zentrum des Abbaugebietes liegt zwischen Köln und Koblenz.  

Im Jahr 1985, erscheint ein weiterer Beitrag von J. Röder mit Schwerpunkt zur Technik der römischen Granitindustrie am Felsberg im Odenwald, südlich von Darmstadt (15).  

Untersucht wurden in beiden Abhandlungen die römischen Spuren der Keilspalttechnik, die Steinbearbeitung von Rohblöcken am Werkplatz (im Steinbruch), sowie Inschriften und Signaturen der Steinbrucharbeiter.  
Die zeitgleiche Ausführung der römischen Steinbearbeitung nördlich des Limes sollte mit der ägyptischen – annähernd Spiegelbildlich – im Einklang stehen.

Ergänzend sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich die Untersuchung von Röder in Ägypten auf den Großraum von Assuan inklusive Elephantine und den etwa 3 Km entfernten südlichen Abbaugebieten, Einzelstellen der Ostwüste, den Mons Claudianus und den Mons Porphyrites Steinbrüchen ersteckte. Insgesamt wurde dort eine zeitliche Abfolge der Verfahrensweisen erkannt, dessen Keiltaschenformen und Anordnungen als neun aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen skizziert wurden (16).
Speziell im Großraum von Assuan sind jedoch noch zwei weitere primitive Keiltaschenformen anzutreffen. Der, in der Erfindung ursprünglichste Typ, in Form von sehr einfachen Keillöchern der Probierphase, sowie eine Erweiterung des Systems durch gezielte Anordnung der Keillöcher, die einer ersichtlichen Lernphase zuzuordnen sind.
Wieso Röder dies nicht zur Kenntnis nahm, ist fraglich. Die Keilspalttechnik wurde also im Verlauf von 11 Entwicklungsphasen in Ägypten perfektioniert.  

Bei der zeitgleichen römischen Keilspalttechnik am Drachenfels und im Odenwald wurden je nach Größe des zu spaltenden Rohstückes entweder der größere oder der kleinere Keil verwendet.
Der größere Keiltyp entspricht der älteren Version, und hebt sich durch seine Steilheit von allen bekannten Keiltypen ab. Die Keiltaschen hierfür messen eine Tiefe von ca. 17 bis 20 cm, eine Breite von ca. 15 cm, und eine Höhe von ca. 6 cm. Sie sind auch im Mons Claudianus nachweisbar, nicht aber im Assuan Steinbruch.

Der kleinere Keiltyp ist die jüngere Version und wurde für kleinere Spaltungen bevorzugt. Auch er ist, gemessen an den altägyptischen Typen von steilerer Form und etwa doppelt so Breit als die Tiefe von etwa 9 cm. Die dafür benötigten Keiltaschen sind auch an den zerteilten Restblöcken der Mykerinos Pyramide nachweisbar, jedoch nicht im Assuan Steinbruch.  

Diese Typen entsprechen etwa der Röderschen Verfahrensweise 7a und 7b nach Assuaner Kriterien (16). Es sind bei den römischen Abbaustellen in Germanien keine Entwicklungsstufen erkennbar. Die Römer hatten nördlich der Alpen und auch im Mons Claudianus Steinbruch ein bereits etabliertes und funktionierendes Keilspaltsystem mit einheitlichen Keiltypen.
Das deutet darauf hin, dass die Entwicklungsstufen 1 bis 7 (pers. Anmerkung: nach Erweiterung der Skala von Röder, dann entsprechend Stufe 1 bis 9) einer früheren Zeit angehören, und dass sie nicht von römischen Steinmetzen zu vertreten sind. Die Römer können laut Befund an der Entwicklung der Keiltechnik nicht beteiligt gewesen sein.

Das römische Militärhandwerk hatte eng begrenzte und auf Normierung bedachte Aufgaben zu übernehmen. Eine serienmäßige Herstellung von identischen Produkten bedingte die fortdauernde Wiederholung gleicher Arbeitsvorgänge. Dementsprechend wurden zur Rationalisierung der Arbeitsprozesse die Werkzeuge genormt. Veranschaulicht wird dies an den annähernd gleichförmig vorhandenen Keiltaschen in den Steinbrüchen vom Drachenfels, im Odenwald und im Mons Claudianus. Dort finden sich vor allem großkalibrige Keiltaschen zur Aufnahme von Keilen mit großem Spreizwinkel. Diese typisch römische Keilspalttechnik ist im Assuan-Steinbruch an keiner Stelle ablesbar. 




5.1.     Römische Arbeitsspuren in germanischen Steinbrüchen im Vergleich

  5.1.1.    Das römische Keilspaltverfahren im Vergleich zum Assuan Steinbruch.

Das typische Merkmal der römischen Keilspalttechnik ist der etwa 10 cm breite Keilschrot, mit selten rundlich, meistens rechteckig eingearbeitet mit flachem Grund, in dem anschließend die Keiltaschen gemeißelt wurden. Hierbei wird augenfällig, dass diese in Größe und Form, innerhalb einer Keilreihe, stark variieren und oft aus der Flucht laufen. Die Folge waren deshalb oftmals Fehlspaltungen. Die Steinbearbeitung wird durch Hammer und Meißel oder mit einem beidhändig geführten Spitzhammer oder Zweispitz erledigt.  

Die Keilspaltspuren im Assuan-Steinbruch sind sehr präzise ausgeführt.
Die Keiltaschen sind in exakten Abständen, Formen und Größen auf einer geraden Linie eingemeißelt. Der Keilschrot ist gelegentlich Spitznutförmig, war aber dem Anschein nach nicht zwingend erforderlich, da er oftmals fehlt. Es wurden Keile mit flacher Steigung verwendet.  

Beim Vergleich der beiden Modelle stellt sich heraus, dass die römischen Arbeiten nördlich der Alpen mit groben Werkzeugen und ohne Liebe zum Detail hergestellt wurden.       
Dem gegenüber stehen die Arbeiten im Assuan Steinbruch. Dort erkennt man den Einsatz von feinen Werkzeugen, sowie ein feinfühliges Ausarbeiten von fast exakt gleichen Keiltaschen mit sorgfältiger Ausrichtung und Anordnung. Die empirische Ausführung zeugt vom Respekt zum Material und zu der Zielsetzung.      


5.1.2.      Spitzspuren durch Hammer und Meißel, bzw. mit dem
               Spitzhammer oder dem Zweispitz:  

In den römischen Steinbrüchen nördlich der Alpen finden sich zahllose Felswände und zurückgelassene, unbrauchbare Werkstücke (Rohlinge) mit länglicher Strichspitzung (Strichgespitzt), als auch mit bogenförmigen Spitzmustern.  

Im gesamten Zentralsteinbruch von Assuan findet sich nur eine kleine Abbaustelle von ca. 30 Quadratmetern auf der höchsten Stelle, nordnordöstlich des unvollendeten Obelisken, mit ähnlichen Mustern, die nicht mit Schutt bedeckt war (siehe oben, bereits bei Punkt 3.3., Abbaustelle 5-7 besprochen), und somit für die Römer einen Angriffspunkt gegeben haben könnte.
Aufgrund der serienweise hinterlassenen Fehlspaltungen dürfte dort die Ausbeute eher erbärmlich gewesen sein.  

Obwohl in drei Ausgrabungsperioden dutzende Blöcke zu Tage traten, bezeugte keiner diese typisch römischen Spitzspuren. Auch an den Fels- und Schrotwänden sind sie nicht auszumachen.     


5.1.3.         Sägespuren

Römische anschnitte im Massivgestein und zur Trennung von Blöcken, in die letztendlich die Keile getrieben wurden sind keine Seltenheit. J. Röder beschreibt diese Technik für den Drachenfels und den Felsberg ausführlich.  
Im Großraum von Assuan fehlt diese Technologie vollständig, was darauf hinweist, das die Römer, wenn überhaupt, keinen industriellen Granitabbau betrieben. Römische Gebäude in Assuan bestehen aus Sandstein, meist auch aus Lehmziegeln, nur selten wurde Granit als Eingangsschwelle oder Treppenstufe verbaut. In den meisten Fällen wurden solche Bauteile aus bereits vorhandenen älteren Elementen umgearbeitet.              


5.2.      Römische Inschriften und Skizzen in germanischen Steinbrüchen

Zitat von J. Röder :
“Wie wir aus einer ganzen Reihe antiker Steinbrüche wissen, gehörte es zum römischen Ordnungssinn, die einzelnen Arbeitsplätze und die dort Arbeitenden durch Inschriften und Einritzungen kenntlichzumachen“ (17).

Als Belege können hierfür Inschriften und Weiheinschriften, sowie Initialen, Skizzen und Graffitis von römischen Beamten und Arbeitern genannt werden.
Gleiches gilt für den Mons Claudianus Steinbruch, bei dem Inschriften und beschriebene Tonscherben (Ostraka) die römische Anwesenheit belegen.    

In Assuan jedoch, konnten weder von Engelbach, noch bei Freilegungsarbeiten von Röder und auch nicht  bei späteren Untersuchungen anderer Forscher Inschriftliche Nachweise der römischen Existenz belegt werden.  

Wir wissen nur von Datumsangaben, Skizzen, Linien und Vorzeichnungen von den Steinbrucharbeitern aus dem Neuen Reich, wie bereits oben zu Punkt 4.0 beschrieben.      



5.3.           Römische Eisenfunde in germanischen Steinbrüchen

In den römischen Steinbrüchen vom Kriemhildenstuhl bei Bad Dürkheim, in den Basalt-Steinbrüchen von Mayen und im Gebiet des Felsberges wurden römische Doppelspitzhauen, trapezförmige Plättchen aus Eisen (22), Hämmer zum Eintreiben der Keile, Beilhämmer und einige Eisenkeile gefunden (23).

Hier zeigt sich, dass massive Eisenwerkzeuge wie etwa 2 kg schwere Keile oder ein ca. 4 kg gewichtiger Fasshammer im römischen Kaiserreich keinen nennenswerten Wert mehr darstellten.
Im gesamten Assuaner Gebiet und insbesondere im Steinbruch des unvollendeten Obelisken, der seit unbekannter Zeit mit Schutt verfüllt war, und der nach Röders Meinung ausschließlich mit Spuren römischer Steinbruchtätigkeit geprägt ist, fehlen jegliche römische Eisenfunde.  

Die Vermutung jedoch, dass mit eisernen Keilen und Spitzeisen im pharaonischen Syene gearbeitet wurde, erhärtet sich durch die Annalen von Thutmosis III, die ihm die Lieferung von eisernen Gegenständen aus dem Sinai (“Tinay“) testieren (24). Gestützt wird diese Überlieferung durch die Eisenfunde aus dem Fundament des Hathor-Tempels in Timna, die aktuell ins 14. bis 12. Jahrhundert vor Christus datiert werden (25). Auch in neuesten Forschungsstudien wird offen dargelegt, dass der Gebrauch des Eisens während dem ausgehenden 2. Jahrtausend v. Chr. offensichtlich zunahm.      

Eisenfunde in Steinbrüchen aus dieser Zeit sind deshalb nicht zu erwarten, weil die Wertigkeit von Eisenwerkzeugen im Gegensatz zur römischen Zeit eine andere Dimension hatte. Zudem kann man davon ausgehen, dass Werkzeuge zur Herstellung von Obelisken als bedeutender angesehen wurden, als eiserne Grabbeigaben, die die Zeit nicht überdauerten.  

A. Kelany bemerkte bei Ausgrabungen immer wieder Holzkohle führende Schichten, die auf Schmiedefeuer und auf die Verhüttung von Eisenerz hindeuten könnten. Die Dolerite-Pounders konnten zum Schmieden der Werkzeuge und zum Mörsern von Erz benutzt worden sein.    



5.4.        Die Römer und der Dolerithammer   (Dolerite Pounders)  

A. Kelany beobachtet an Abbaustellen die gleichzeitige Verwendung der altägyptischen Steinklopftechnik (Dolerite Pounders) und der Keilspalttechnik. Aufgrund der Keiltaschen sei dies ein Beleg für römische Tätigkeiten.  

Die Renaissance der Steinklopftechnik wird damit begründet, dass sich der Dolerithammer durch seine Effizienz seit Jahrtausenden bewährt hätte, billiger in der Herstellung gewesen sei, und dass er in den ersten Jahren der Keilspalttechnik eine Alternative zum teuren und knappen Eisen gewesen wäre (26).  

Obwohl die Basalt-Steinbrüche (Dolerit) von Mayen unweit der römischen Granitsteinbrüche liegen, konnte J. Röder diese Technik (mit einem Stein gegen massiven Granit schlagen) nicht feststellen.

Von daher kann die Effizienz des Dolerithammers wird in Frage gestellt werden. Auch wenn das Eisen teuer war, gingen doch die Legionen teilweise sehr verschwenderisch damit um.  

Woher hätten die Römer wissen sollen, dass man im alten Ägypten mit der Steinhammermethode arbeitete, wenn doch ihre Gelehrten und Philosophen davon sprachen, dass bereits die Pyramiden mit Eisenwerkzeugen erbaut wurden?     

Im Assuan-Steinbruch wurden insgesamt 1419 Stück  “Dolerite Pounders“ lokalisiert, darunter ca. 57 Stück mit Graffitis und Hieroglyphen aus dem Neuen Reich, es konnte aber kein einziger mit römischen Signaturen belegt werden.

Auch Rosemarie und Dietrich Klemm weisen darauf hin, dass der Dolerithammer in römischer Zeit nicht mehr benutzt wurde (33).

Die römische Steinklopftechnik ist weder plausibel erklärbar, noch aus archäologischer Sicht nachweisbar.  

Obwohl dieser Befund grundlegende Zweifel aufwirft, wird er ohne zu hinterfragen mit subjektiver Meinung gestützt.        



6.0.       Die Römer in Ägypten

  6.1.    Weitere Indizien, wieso die Römer den Steinbruch nicht kannten  

Kelany beschreibt zwei unvollendete römische Badewannen, etwa 3 Kilometer südlich des Assuan-Steinbruchs. Obwohl die Objekte, mit erheblichem Aufwand zu ca. 80% fertig waren, mussten sie wegen schlechter Gesteinsqualität aufgegeben werden (19), ((siehe auch Röder (18)).

Hierbei stellt sich die Frage, wieso die Römer in einer Wüstenlandschaft versuchten, hochwertige Produkte aus minderwertigem Oberflächengestein herzustellen, wenn sie doch Zugang zum Steinbruch mit hochwertigem Kerngestein gehabt hätten.    

Während der Freilegungsarbeiten des zentralen Steinbruchs fand man viele Blöcke und Rohlinge mit altägyptischer Bearbeitung, die zum Teil noch immer vor Ort lagern. Ein riesiger altägyptischer Monolith mit ca. 20 Metern Länge lagert heute noch am Verschiffungsort im Steinbruch, am “Kanal“.  Auch die zwei unvollendeten Obelisken und die altägyptischen Vorleistungen im Steinbruch, die den weiteren Abbau von hochwertigem Granit begünstigten, blieben unberührt.
Dem Anschein nach, kannten die Römer den Steinbruch nicht, weil er zu dieser Zeit verschüttet war.      



6.2.        Die altägyptischen Steinbrüche, und die Römer  

A. Kelany (19) bemerkt, dass sich bei unzähligen altägyptischen Abbaustellen, die teils mit zeitgenössischen Inschriften aus dem Neuen Reich belegt sind,  parallel zu der Steinklopftechnik auch gleichzeitig “römische“ Keilspaltlöcher zeigen. Die Römer hätten demzufolge in ihrer 300-jährigen Herrschaft an jeder noch so kleinen altägyptischen Abbaustelle im Assuaner Gebiet, mit der Keilspaltung weiteres Steinmaterial entnommen, ohne die altägyptischen Spuren zu beseitigen! 
Röder errechnet die im Alten Ägypten abgebaute Granitmenge mit ca. 220 Tausend Kubikmeter. Für die römische Zeit etwa 1,5 bis 2 Millionen Kubikmeter bewegtem Gestein, was in etwa 1 Million Kubikmeter fertig verbauter Werksteine entspricht (20). 

Die erstere Berechnung ist an den Restbeständen von pharaonischen Tempeln und Pyramiden nachvollziehbar. Von den 1 Million Kubikmetern Assuangranit römischer Bauart fehlt jede Spur. Auch Röder kann die rechnerisch ermittelte abgebaute Granitmenge der Römer nicht bestätigen, er schreibt:
“Ohne eingehendes Studium der römischen Bauwerke, ist der Nachweis völlig unmöglich“.
Was darauf hindeutet, dass er seine eigene These nicht belegen kann.  

Weder im Großraum von Assuan, noch auf Philae oder Elephantine und auch in ganz Ägypten fehlen jegliche Belege auf eine kaiserzeitliche Verarbeitung von Assuangranit. Es lassen sich keine römischen Gebäude aus Rosengranit belegen. Verbaut wurde im großen Stil Sandstein und gelegentlich auch Kalkstein.  

Der Steinbruch des Unvollendeten Obelisken zeugt heute noch von ausnahmslos altägyptischer Tätigkeit. Nachweisbar sind altägyptische Arbeitsspuren, Werkzeuge, Zeichnungen und Inschriften. Bei Ausgrabungen fand man Tonscherben sowie Gegenstände aus dem Neuen Reich. Hätten die Römer dort 2 Millionen Kubikmeter Granit abgebaut, so wären diese Referenzen verloren, was nicht der Fall ist.    



7.0.        Die Bedeutung der Obelisken im Neuen Reich  


Um die Wertschätzung der Obelisken im Neuen Reich zu verdeutlichen, geben uns zwei Weiheinschriften nähere Auskunft.

Die erstere entstammt von Amenophis II aus dem Chnum-Tempel von Elephantine:

Horus starker Stier mit großer Kraft, König von Ober- und Unterägypten, Sohn des Re, Amenophis, Gott und Herrscher Thebens. Er schuf als sein Denkmal für seinen Vater Chnum-Re, ein Errichten für ihn zweier Obelisken für den Altar des Re. Er handelt, um mit Leben beschenkt zu sein“.

Diese Weiheinschrift hat eine Parallele zu der Inschrift eines Obelisken von Thutmosis IV, ebenfalls aus Elephantine.  

Das zweite Beispiel entstammt einer Stele des Perystilhofes des Tempels Amenophis III in Theben:
Komm doch, Amun-Re und besieh dir dein Haus, das ich dir gemacht habe auf der Westseite von Theben, ich habe dir Obelisken errichtet an diesem Ort“ (21).  

Nach der Glaubenslehre des Neuen Reichs konnte der Pharao durch den Obelisken Kontakt zu Amun-Re herstellen, zudem konnte die Seele beim Tod des Gottkönigs durch den Obelisken zum ewigen Herrschaftssitz zu den Göttern aufsteigen.
Den Weiheinschriften nach, waren die Obelisken auch die irdischen Wohnsitze der Götter.  
Angesichts dieser Glaubenshaltung wird man in der Annahme wohl nicht fehlgehen, dass die Priesterschaft beim Niedergang des Neuen Reiches versucht hat, dieses Machtsymbol vor Missbrauch durch eingedrungene Fremdherrscher zu schützen.

Der Granitsteinbruch, mit noch gewaltigen Vorräten zur Herstellung von heiligen Obelisken sollte verschwiegen werden, weshalb er durch Schutt- und Sandaufschüttung vor fremden Zugriff gesichert wurde.      

Nur die alten Ägypter konnten ein Interesse daran haben, und nur sie konnten den Ehrgeiz entwickeln den Steinbruch mit hunderttausenden Tonnen Schutt zu verfüllen.          




8.0.             Die Dolerithammer-Steinklopftechnik    


Im Assuan Steinbruch finden sich an mehreren Stellen ausgelegte Granitblöcke aus schlechtem, durchgehend geschädigten Oberflächengestein mit bereitgestellten Doleritkugeln, an denen zehntausende Touristen die Steinklopftechnik erproben können. Anfänglich konnte die durch Erosion zermürbte Oberfläche leicht abgeschlagen werden. Gelangt man jedoch in die Strukturell besser erhaltene innere Gesteinsrinde, oder an das Kerngestein, so geht der Granitabtrag mit dem Dolerithammer gegen null. Es wird bei dauerhaftem Einschlagen nur noch Staub erzeugt, ohne dass die Oberfläche merklich an Substanz verliert.

Dies bereits von Fachautoren erkannt, dass die Steinklopftechnik so nicht funktioniert, verweist man darauf, dass die Alten Ägypter den Assuangranit im Wechsel mit Feuer zermürbt hätten.
Auch diese Vorgehensweise findet keinen Wissenschaftlichen halt, da weder die vorgefundenen Schrotgräben, noch die bis zu zehn Meter tiefen Kontrollschächte Rauch- oder Branntspuren aufweisen.  

Auch an dem unterschroteten unvollendeten Obelisken (Naos, Sitzfigur?), südwestlich des Unvollendeten Obelisken, sind Doleritkugeln zur Erprobung der Tauglichkeit  – unter fachmännischer Anleitung eines Touristenführers – ausgelegt. An dieser Stelle konnten bislang viele Tausende Besucher keine erkennbare Zurückarbeitung bewirken. Es zeigt sich lediglich eine Glättung der hier beschlagenen Oberfläche, die die ursprüngliche Punktgespitzte Struktur an den höher gelegenen Stellen leicht einebnet. Bewiesen wird hier eindrucksvoll, dass der Dolerithammer nicht in der Lage ist, die überlieferten Oberflächenmuster zu erzeugen.

Das Gegenteil ist der Fall, diese Demonstration zerstört 3500 Jahre alte Dokumente.       

Engelbach beschrieb als erster die Theorie der Steinklopftechnik aufgrund von zwei Fakten. Erstens, weil er bei den Freilegungsarbeiten der Schrotgräben des Unvollendeten Obelisken sogenannte Dolerithämmer fand, und zweitens, weil die Formen der Ausarbeitungen gerundet sind. Er bezieht sich dabei auf muldenartige Vertiefungen, wellige Oberflächen der Schrotwände und rund ausgearbeitete Innenecken, die das Produkt von kugeligen Werkzeugen sein müssten. Angenommen wurde, dass sich  ursprünglich scharfkantige Doleritsteine durch Abnutzung in gerundete, abgeflachte kugelige Gebilde verformten.

Betrachten wir jedoch die Feinstrukturen in den Schrotgräben des Unvollendeten Obelisken, so stellen wir fest, dass die Oberflächen eine grobkörnige Struktur aufweisen (32). Ein solches Muster erfordert ein  punktuelles einschlagen eines spitzen Werkzeuges mit immer gleichbleibender Beschaffenheit. Die Kanten eines Doleritsteines verlieren nach wenigen Schlägen ihre Schärfe und verrunden sehr schnell bis zu dem Punkt, an dem die Schlagenergie auf eine entsprechend große Fläche verteilt wird. Dies zeigt, dass der Dolerithammer vorwiegend in verrundeter Form Anwendung fand, und dass er deshalb die grob gespitzten Strukturen nicht erzeugen kann.  

Hunderte Quadratmeter Schrotwände und muldenartige Oberflächen weisen auf ein punktuelles aneinanderfügen immer gleicher Einschläge hin, was nur durch ein ständig erneuerbares spitzes Werkzeug mit immer gleichen Eigenschaften erfolgt sein kann.  

Die 1419 Stück gefundenen Dolerite Pounders geben ein Zeugnis davon, dass sie bis zur vollständig verrundeter Form verwendet wurden. Abgeflachte oder geglättete Werkzeuge können auch nur flache oder geglättete Werkzeugspuren erzeugen. Somit ist es offensichtlich, dass die Dolerithämmer nicht für die körnigen, grobporigen Oberflächen verantwortlich sind.

Kein einziger ist dabei, der punktgespitzte Oberflächen erzeugen könnte.  

Die Nutzung der Dolerithämmer als schlagendes Werkzeug im Steinbruch:
a) Zum Abschlagen von Erosionskrusten und mürben Gesteins.
b) Zum Mörsern von Granit um Schleifkörnungen herzustellen.
c) Zum Einebnen und Egalisieren der gespitzten Oberflächen als Vorstufe vor dem ersten Schleifen.
d) Als Kugellager zum Verschieben, Transportieren und Drehen der Blöcke und der Obelisken.
e) Als Schlagwerkzeuge für Spitzeisen und zum Eintreiben der Keile (Engelbach wies auf Eisenoxid-Verfärbungen (Rost) auf den Oberflächen der Dolerithämmer hin (31)) .
f) Zum Schmieden von Spitzeisen, Spitzhämmern und Eisenkeilen (Kelany fand bei Ausgrabungen immer wieder Reste und Schichten von Holzkohle)      

Wie weiter oben dargelegt, deuten alle Fakten und archäologischen Befunde darauf hin, dass die Römer zu keiner Zeit im Assuan-Steinbruch tätig waren. Bekräftigt werden dadurch die Studien von Engelbach, De Morgan und Platt (28), die bereits die Keilspalttechnik als altägyptisch deuteten.

Weiterhin gewinnt auch die Überlegung  Engelbachs weiter an Gewicht, wenn er davon spricht, dass die Steinmetzen im Neuen Reich etwas Härteres als Eisen kannten, er meinte damit Stahl (29).  

Wenn man sich an letzter Stelle unserer Überlegungen die Ausführung der Keiltaschen vor Augen hält, die eindeutig mit feinen Spitzeisen herausgearbeitet sind, so gibt es keinen Zweifel, dass nur gehärtetes Eisen zum Erfolg führen konnte.  
Mittlerweile belegen Stahlfunde des 12. Jahrhunderts v. Chr. aus der Levante, aus der Umgebung von Megiddo und aus Nubien die bewußte Aufkohlung von Eisen (30).  Dies weist darauf hin, dass die  Stahlherstellung bereits vielerorts geläufig war, und dass Stahl gezielt hergestellt wurde.  Aus dieser Tatsache geht weiterhin hervor, dass die Eisenherstellung sowie das Härten des Eisens von einzelnen Metallhandwerkern einer weitaus früheren Zeit zugemutet werden kann. Angesichts der genialen Steinbearbeitung bereits im Alten Reich, ist dort wohl der Ursprung des Stahls anzunehmen.  

Im Zeitfenster von ca. 700 Jahren, zwischen dem Fund von geschmiedeten Eisenperlen und dem Bau der Pyramiden, wurden Technologien und Werkzeuge erfunden, die sich bis heute erhalten haben.   


Das seit dem Jahr 2002 unter realen Bedingungen andauernde Experiment am südlichen Obelisken (Naos) zeigt eindrucksvoll, dass die Klopftechnik von hunderttausenden Touristen keinerlei Veränderung auf die altägyptischen Vorlagen bewirkt hat.  
Durch die Vorgabe von Hatschepsut, einen Obelisken innerhalb eines Jahres fertiggestellt zu haben, hatten manche Autoren auch gleich die Berechnungsgrundlagen für den zu ermittelnden Wert der Abtragsleistung des Dolerithammers. Bei den mutmaßlichen Versuchen wurde im Minutentakt der Granitabtrag gewogen und auf Stunden- und Tagesleistung hochgerechnet. Letztendlich hatte man so gearbeitet und dieselbe Arbeitsleistung erzielt, wie die Steinmetzen in der 18. Dynastie, so die Autoren in ihren Schriften.
Demgegenüber steht das nun seit ca. 14 Jahren andauernde Experiment, bei dem auf einer Klopfstelle von ca. 40x40 cm kein ersichtlicher Abtrag erfolgte.       

Die Annahme, der Mensch hätte jemals Statuen, Säulen und Pyramidensteine aus Granit durch Bearbeitung (Hämmern) mit Steinkugeln erschaffen, erübrigt sich.  


Um Verwirrungen zu vermeiden wurde im gesamten Dokument der Begriff “Dolerithammer Steinklopftechnik“ oder ähnlich gleichlautende Ausdrücke, wie von den zitierten Autoren propagiert, beibehalten. Zukünftig sollte diese Oberflächenbearbeitung als grob gespitzt bezeichnet werden, was von einschlägigen Fachleuten uneingeschränkt Zustimmung finden wird.         



9.0.            Zusammenfassung  

Lediglich auf Grund der damals umstrittenen Aussage von Lucas und Harris, dass das Eisen erst in der letzten Hälfte des 1. Jahrtausends vor Christus in Ägypten eingeführt wurde, datiert Josef Röder die in Ägypten vorgefundene Keilspalttechnik in die römische Zeit.

Obwohl R. Engelbach ernstzunehmende Hinweise für das Auftreten der Keilspaltung  seit dem Neuen Reich belegt, und ungeachtet der fundierten Kritik von C. Nylander an Röders Auffassung, wird bis in die heutige Zeit lediglich Röder zitiert. Die Keilspalttechnik wird demnach als römische Erfindung angesehen, was als Datierungskriterium in der Ägyptologie weitreichende Fehler mit sich bringt.  

Auch die von Röder vermuteten neun Entwicklungsphasen der Keiltechnologie kann nicht während der Römerzeit stattgefunden haben, da bei den nachweislich römischen Abbaugebieten wie z.B. am Mons Claudianus, Mons Porphyrites und in den germanischen Steinbrüchen annähernd identische Spaltmethoden angewendet wurden.
Dies sind zum einen für großkalibrige Spaltungen ein massiger Keil mit großem Winkel, der Keiltaschen bis zu 20 cm Tiefe benötigte. Für kleinere Spaltungen wurde ein kleinerer Keil mit ebenso stumpfen Winkel verwendet, der wesentlich breiter war als seine Tiefe von etwa 9 cm. Die in Assuan vorgefundenen 11 Entwicklungsstufen (erweiterte Skala) sind daher einer weit früher vorausgegangenen Probier- und Lernphase zuzuordnen.
Die Verwendung von Präzisionskeilen zum Abspalten von Obelisken bis 25 m Länge, wie sie aus dem Neuen Reich ablesbar sind, mit flachem Winkel und Keiltaschengrößen von ca. 12 cm Tiefe und etwa 14 cm Breite, wurde von den Römern nie kopiert, weil diese Technik im verschütteten Steinbruch unentdeckt blieb .  

Im Großraum von Assuan wurden römische Werkstücke trotz erheblichen Aufwandes wegen Materialfehler im Nachhinein aufgegeben. Was darauf hinweist, dass die Römer keinen Zugang zum Steinbruch mit bestem Kerngestein hatten. Die zwei bereits freigelegten Obelisken blieben unberührt.  

Alle Archäologischen Befunde im Steinbruch des Unvollendeten Obelisken stammen aus altägyptischer Zeit. Nachträgliche Arbeiten anderer Völker hätten diese Spuren für immer beseitigt, und sie hätten ihre eigenen “Fingerabdrücke“ hinterlassen.  

Führt man sich die Symbolkraft der Obelisken vor Augen, so wird erklärbar, dass beim Niedergang des Neuen Reiches das verfügbare Rohmaterial vor Invasoren geschützt und somit versteckt wurde.    


        bjA

Aus den oben gewonnenen Erkenntnissen, dass man im Neuen Reich bereits Stahl kannte, geht hervor, dass das seit dem Alten Reich – sogar seit der 1. Dynastie - bekannte Metall bjA den Werkstoff Eisen bezeichnete. Im Neuen Reich wurde die Bezeichnung mit dem Ausdruck bjA-n.pt erweitert, womit man die Eigenschaft “So fest wie der Himmel“ als Qualitätsstandard hervorhob, gemeint war damit Stahl.  

Obwohl man bereits im Alten Reich gestähltes Eisen herstellen konnte, war es aufgrund des überregionalen Metallhandels erst im Neuen Reich erforderlich, insbesondere gegenüber der zu importierenden Bronze, mit dem jetzt höherwertig verfügbarem Metall konkurrieren zu können.  

Wenn man nun bjA für den Zeitraum von 1500 Jahren als Kupfer übersetzt, und ab dem Neuen Reich bjA-n.pt als Meteoreisen, weil es Eisen vom Himmel sei, müsste man bjA-n.pt konsequenter Weise als Kupfer vom Himmel übersetzen.
Weil es aber keine Kupfermeteoriten gibt, und dieselben bjA-Hieroglyphen aus der ersten Dynastie und bis in die Spätzeit das Eisen bezeichnen (Gräfe, Wortfamilie bjA), besteht in den Übersetzungen erheblicher Aufklärungsbedarf.
(Zu den Eisenfunden siehe u.a. Punkt 5.3.)     

Die Erkenntnisse der obigen Recherchen lassen den Schluss zu, dass der Archäologe Josef Röder mit falschen Informationen nach Assuan geschickt wurde, die seine Feldarbeit hinsichtlich technologischer Fragen stark beschränkten. Dank seiner späteren Untersuchungen zu den römischen Granitarbeiten im alten Germanien ließen sich fundierte Erkenntnisse ableiten, die im Zusammenhang mit den Dokumentationen der Freilegungsarbeiten im Assuan Steinbruch neue Einblicke in die Technologie und den Arbeitsweisen der damaligen Welt aufzeigen.  

Alle Indizien des Assuan Steinbruchs sind authentisch für das Neue Reich, was darauf hinweist, dass er damals verfüllt und konserviert wurde.
Nur so konnte der Topf mit roten Farbresten die 3000 Jahre überdauern.
Die Römer betraten zu keiner Zeit den Steinbruch.                       







 








150406   Quellen
   
1)   Engelbach Reginald, The Aswan Obelisk, with some remarks on the ancient engineering, 1922
2)   Engelbach Reginald, The Problem oft the Obelisks, from a Study oft he Unfinished Obelisk at Aswan, 1923
3)   Engelbach (2), S. 34, 40
4)   Röder Josef, Zur Steinbruchgeschichte des Rosengranits von Assuan, 1965, Seite 467 – 552;     Archäologischer Anzeiger, Heft 3; Beiblatt zum Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts,     Band 80, 1965
5)   Lukas A. – Harris J. R., Ancient Egyptian Materials and Industries, 1962, S. 239 6)   Röder (4), S. 523
7)   Nylander Carl, Bemerkungen zur Steinbruchgeschichte von Assuan, 1968, Seite 6 – 10;     Archäologischer Anzeiger, Beiblatt zum Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts,     Band 83, 1968  
8)   Kelany Adel, Marks oft he Quarry Workers at the Unfinished Obelisk Quarry, Aswan, Egypt:      Preliminary Report, 2009, S. 547 - 552
9)   Engelbach (2), S. 38: Plan and Sections of the Aswan Obelisk, Scale 1:200
10)   Kelany Adel, Harrell James A., Brown V. Max, Dolerite Pounders: Petrology, Sources and Use,       2010, S. 127 - 136
11)   Engelbach (2), S. 40 u. 51
12)   Kelany (10), S. 134
13)   Kelany A., Parizek Richard R., Shelton S. Alexander, Gold David P., El-Gohary Amr, Parizek        Katarin A. and Walters Elizabeth J., Canal Extension confirmed by Geophysical Surveys, Aswan        Obelisk Quarry, Aswan Egypt, 2007, S. 1 - 27
14)   Röder Josef, Römische Steinbruchtätigkeit am Drachenfels, 1974, S. 509 – 544; Bonner Jahrbücher des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Band 174, 1974  
15)   Röder Josef, Der Felsberg im Odenwald, mit geologischen und archäologischen Beiträgen über die Entstehung der Felsenmeere und die Technik der römischen Granitindustrie, 1985, S. 31–134; Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abteilung für Vor- und Frühgeschichte, Führer zur Hessischen Vor- und Frühgeschichte, Band 3, 1985
16)   Röder (4), S. 517
17)   Röder (15), S. 64
18)   Röder (4), S. 549 und Abbildung 48 S. 547
19)   Kelany Adel, Negem Mohamed, Tohami Adel and Heldal Tom, Granite Quarry survey in the Aswan region, Egypt: shedding new light on ancient quarrying, 2009. Geological survey of Norway Special Publications 12, Seite 87-97.
20)   Röder (4), S. 551
21)   Bommas Martin, Der Tempel des Chnum der 18. Dynastie auf Elephantine, Inauguraldissertation  2000, Seite 222 ff.
22)   Jorns Werner, Der Felsberg im Odenwald 1985, Zur Geschichte und zum Alter der römischen Granitindustrie auf dem Felsberg, Seite 18
23)   J. Röder (15), Seite 46-48
24)   Yosha Abdel Salam Al-amri, The Role oft the Iron Ore Deposit of Mugharet
      el-Wardeh/Jordan in the Development of the Use of Iron in Southern
      Bila del-Sham, Bochum 2007, S. 100
25)   Yosha Abdel Salam Al-amri (24), S. 149
26)   A. Kelany (10), S. 136
27)   Gnirs Andrea M., Ägyptische Militärgeschichte als Kultur- und Sozialgeschichte, Paderborn 2009
28)   Röder (6), Seite 476
29)   Engelbach (2), Seite 40
30)   Eigene Homepage, Eisenfunde, http://cheops-insider.homepage.t-online.de/ 31)   A. Kelany (10), Seite 134
32)   Röder (4), siehe Abbildung Nr. 20, S. 499
33)   Klemm Rosemarie und Klemm Dietrich, Steine und Steinbrüche im Alten
        Ägypten, 1993, S. 309:
       “In der römischen Zeit wurde die Steinklopftechnik nicht mehr angewendet“.
34)
35)
36)
37)






Keywords
 
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New Kingdom, egyptian wedge technique

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 82        120124          Abbau und Verarbeitung von Assuan-Granit im Alten
                                                   Ägypten mit der Keilspalttechnik


1.1.)   Die Technik, wie man Granit durch Eintreiben von Eisenkeilen in dafür vorbereitete Keiltaschen oder Keillöcher  spaltet, erklärt uns Dr. Rudolf  Koch, Kunsthistoriker an der Universität in Wien, auf seiner Homepage von 2006:

“Die Technik, vor allem Hartgesteine wie Granit, durch Keile zu spalten, taucht in der ägyptischen Steinbearbeitungstechnik schon frühzeitig auf. Dabei wird eine Reihe von konisch zulaufenden Löchern in den Stein gearbeitet. Anschließend werden Keile eingetrieben. Die Sprengwirkung wird jedoch nicht durch die Schneide der Keile erzeugt, sondern ausschließlich durch den Flankendruck der Keile gegen die Keilbuchse. Daher ist es wichtig, dass zwischen den Flanken des Keils und den Seitenflächen der Keilbuchse ein möglichst lückenloser Kontakt besteht. Dies ist mit ein Grund, warum Keilbuchsen in der Regel sehr sorgfältig ausgemeißelt werden. Die Technik der Keilspaltung wurde bis in jüngste Zeit bei Granitsteinbrüchen in Europa angewendet; für bestimmte Aufgaben bedient man sich heute noch dieser Technik.

Sehr häufig wird - sogar in der Fachliteratur - die Meinung vertreten, die Ägypter hätten die Keilspaltung durch Eintreiben von Holzkeilen durchgeführt, die sie dann mit Wasser begossen. Durch das Aufquellen des Holzes wäre dann der nötige Seitendruck für die Steinspaltung entstanden. Bisher ist jedoch kein Experiment bekannt, wo dies tatsächlich überprüft worden wäre. Aus vielen - hier nicht näher auszuführenden Gründen - ist die Keilspaltung durch quellende Holzkeile in den Bereich des Wunschdenkens zu verweisen.“  



1.2.)    Experimente

Auszugsweise gebe ich hier den Inhalt der Homepage von http://www.hobby-aegyptologen.de/hobbyaegyptologen_de.html wieder:   “In unserem ersten Buch "ÄGYPTISCHE PYRAMIDEN" wird die These aufgestellt, dass Gesteinsblöcke mit angefeuchteten Holzkeilen aus dem Fels gesprengt wurden. Diese in der Literatur häufig aufgestellte These muss stark angezweifelt werden und wurde anhand eines Versuches von Mitgliedern des Vereins "Hobby-Ägyptologen e.V." überprüft.

Aus einem Steinbruch der Nordeifel, in der Nähe der Stadt Aachen, entstammt der für diesen Versuch ausgesuchte Kalksteinblock, der ein Gewicht von 45O kg besitzt. Die Ritzprobe mit einem Tropfen verdünnter Salzsäure, die beim Auftragen auf den Gesteinsblock mit heftiger Bildung von sprudelnden Bläschen reagierte, bestätigte uns, dass es sich um einen Gesteinsblock aus Kalk (Calcit) handelt.

Versuchsaufbau:
Mittels Bohrgerät und Stahlmeißel wurden innerhalb von zwölf Stunden vier Keillöcher in den Versuchsblock eingearbeitet. Die entsprechend der Lochform gefertigten Holzkeile wurden mit einem schweren Vorschlaghammer in die Keillöcher getrieben und mit einer Wasser-Berieselungsanlage 100 Stunden befeuchtet. Drei Sprengversuche mit Holzkeilen verschiedener Art (Zedern-, Eichen- und Buchenholz) wurden durchgeführt. Zur Anwendung kamen nur trockene Holzkeile, denen zur Optimierung im Ofen bei 100°C die Restfeuchte entzogen worden war.

< Die hier nicht veröffentlichten Bilder können auf der Homepage von hobby-aegyptologen.de eingehend studiert werden:
Maßskizze des Versuchsblocks;  Gegossener Bronzemeißel nach dem 30minütigen Arbeitsversuch; Die Skizze zeigt, wie die unbearbeiteten Blöcke an den ägyptischen Bauwerken ausgesehen hätten, wenn die Keiltechnik bekannt gewesen wäre. >                                                                                   

Ergebnis:

Trotz eines geringeren Abstandes sowie einer tieferen Einkerbung der Keillöcher gegenüber den üblichen Maßen in den ägyptischen Steinbrüchen kam es nicht zu einer Spaltung des Blockes. Durch diesen Versuch kamen wir zusätzlich zur Erkenntnis, dass die Pyramidenerbauer mit ihren Steinbeilen niemals die exakten Keillöcher unter Berücksichtigung des enormen Zeitaufwandes hätten herstellen können. Mit einem nachgegossenen Bronzemeißel wurde ein Bearbeitungsversuch durchgeführt, der nach 30 Minuten abgebrochen wurde, da der Meißel, ohne eine gravierende Bearbeitungsspur am Block zu hinterlassen, abstumpfte. Wie der vorbeschriebene Versuch zeigt, muss die Auffassung, nach der die Pyramidenerbauer die Keiltechnik zum Sprengen der Blöcke gekannt hätten, als widerlegt gelten.  
(Anmerkung: .... wenn sie kein Eisen hatten!)

<Bild> Die Skizze zeigt, wie die unbearbeiteten Blöcke an den ägyptischen Bauwerken ausgesehen hätten, wenn die Keiltechnik bekannt gewesen wäre.

  … Gerade diese Keillöcher, in die aber keine Holzkeile sondern Eisenkeile eingeführt worden sind, haben seit alters her zur falschen Schlussfolgerung geführt, dass feuchte Holzkeile den Gesteinsblock aus dem Felsen herausgesprengt haben sollen. Die Steinblöcke wurden mit Eisenkeilen aus dem Felsen gesprengt und nicht mit Holzkeilen.  
Die Absprengung der Gesteinsblöcke wurde mit Hilfe von Keillöchern auf zweierlei Weise ausgeführt. Zum einen gab es die Keiltechnik, bei der nur die Löcher nebeneinander angelegt wurden, zum anderen hat man die Schlitzkeiltechnik angewandt, wobei ein zusammenhängender Schlitz über der gesamten geplanten Sprenglinie ausgekerbt wurde. In den Boden dieser Einkerbungslinie wurden in ähnlicher Weise wie bei der Keiltechnik Löcher getrieben. Eisenkeile wurden mit einem schweren Vorschlaghammer in die Keillöcher hineingetrieben, um den Gesteinsblock an dieser Stelle zu sprengen.

  <Bild> Keiltechnik;  Schlitzkeiltechnik
         

Anmerkung:
Beiden hier angeführten Artikeln kann unwidersprochen Folge geleistet werden.
Zum Experiment ist nur noch anzumerken, dass es nicht gelang einen 38 cm hohen Kalksteinblock mit Holzkeilen zu spalten. Die Fundsituation für das Alte Reich, insbesondere bei der Djedefre Pyramide beschreibt Granitblöcke mit Keilspalttaschen deren Spaltflächen die dreifache Höhe besitzt.     

Die physikalischen Kennwerte bei der Bewertung von Natursteinen hinsichtlich der Biegezugfestigkeit nach DIN 52100 ergeben für dichte (feste) Kalksteine einen Wert von 6 – 15 N/mm2, für Granit 10 – 20 N/mm2, was darauf hinweist, dass der gescheiterte Versuch bei Kalkstein gegenüber dem Granit mit ca. 30% höherer Festigkeit, erst recht belanglos wird. Dies trifft auch auf die Bearbeitung mit Bronzemeißeln zu.  

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Dass die Granitspaltung nur mit Eisenkeilen ausführbar ist, wird von der Ägyptologie insgesamt,  und insbesondere von Rosemarie und Dietrich Klemm belegt. In der ausschließlich zitierten Referenz  “ Die Steine und Steinbrüche im Alten Ägypten ,1993, Punkt 7.2 Die steinbruchtechnische Gewinnung und Bearbeitung von Granit und Granodiorit in antiker Zeit“ wird ausdrücklich dargelegt, dass alle ägyptischen Keilspaltspuren in der Zeit der Römer entstanden sind, da die Römer die ersten gewesen seien, die mit Eisenwerkzeugen in Ägypten gearbeitet hätten.    

Vorläufig lohnt es sich hier nicht, näher auf die einzelnen Spaltkeilformen und –Löcher einzugehen, denn die Erfahrungen und Gepflogenheiten der Steinbrucharbeiter und der Schmiede (soweit sie nicht identisch waren) sowie die verwendeten Materialien konnten nach Belieben variieren.    





1.3.)    Typische Kennzeichen von Granitoberflächen  

Lediglich zum weiteren Verständnis der später zu besprechenden Granitoberflächen erscheint mir eine Kurzbeschreibung von Granitoberflächen notwendig.  


1.3.1.) Natürliche Oberflächen nahe der Verwitterungszone kennzeichnen sich durch weiche, verrundete (bauchige), leicht gewellte und geschwungene Linienführung aus. Die Kristalle sind gleichmäßig zurückgewittert, begleitet von Schalenbildung, Rissen und Klüften.  

1.3.2.) Natürliche Oberflächen infolge Rissbildung, ausgelöst durch tektonische Kräfte, werden charakterisiert von relativ ebenen, weit geschwungenen oder windschiefen Steinflächen, einhergehend  mit deutlicher Verfärbung.   

1.3.3.) Von Menschenhand zugerichtete Spaltflächen sind in der Gangseite (horizontal) relativ eben bis windschief. Die Spaltflächen der Kopfseiten (vertikal zur Erstarrungsrichtung) sind oftmals unregelmäßiger, auch mit welligen Vertiefungen und gröberer Struktur.   

1.3.4.)  Gespitzte Flächen sind gleichmäßige über die ganze Fläche verteilte Spitzhiebe. Die einzelnen Spitzhiebe sind jedoch nicht ganz regelmäßig und auch nicht gleich tief, die gespitzte Fläche ist nahezu  vollständig eben. Auf Maß bossierte Flächen sind wesentlich gröber, in beiden Fällen sind die Spuren der Keilspalttaschen zurückgearbeitet und somit nicht mehr ablesbar.  

1.3.5.)  Als grob gespitzte Oberflächen sind die Schrotgräben (Gassen) zur Freilegung von Obelisken zu bezeichnen. Das Schrotverfahren ist eine notwendige Methode zur Freilegung von Rohblöcken wenn im anstehenden Massivgestein natürliche Teilungen fehlen. Mit beidhändig geführten Spitzhacken (Dechsel) wird ein grabenförmiger Einschnitt in den Fels gehauen. Je nach Arbeitsweise und Schärfe der Werkzeuge sind die unterschiedlich vertieften Einschläge der Werkzeugspitzen an den bearbeiteten Flächen ablesbar.   In der Werkzeugliste des Alten Reiches von Goyon wird eine kurze, schwere Dechsel mit massivem Metalldorn dargestellt, der für solche Schrotarbeiten geradezu prädestiniert ist. Weder ein kantiger Dolerithammer, noch ein alsbald verrundeter Dolerithammer macht punktgespitzte Granitoberflächen.   Siehe auch hierzu Beitrag # 74 und # 75      




1.4.0.)   Typische Kennzeichen und Spuren der Keilspalttechnik, wobei ausdrücklich darauf verwiesen wird, dass dies nur Anhaltspunkte sein können, da eine Vielzahl von Eigenheiten und Parametern das Gelingen der gewünschten Spaltung beeinflussen.   

1.4.1.)    Das Keilspaltverfahren mit Großkeilen, wie es im Alten Reich nachgewiesen werden kann. Die Keiltaschen sind etwa 12 – 16 cm lang und ca. 14cm tief, mit einer Breite von ca. 4 -5 cm. Der Abstand voneinander (Stegbreite) variiert von einer bis drei Keilbuchsenlängen.  

1.4.2.)   Das Keilspaltverfahren mit Schrot und Kleinkeilen (Schlitzkeiltechnik s. o., Kantkeil- oder Schrotkeilspaltung)
Für die verschiedenen Gesteine wurden unterschiedliche Spaltkeile oder auch Kantkeile entwickelt. Zuerst erfolgt eine Kerbmarkierung (Schrot, Schrotnut) der gewünschten Spaltrichtung auf der Blockoberfläche. Die Tiefe und Breite richtete sich nach den handwerklichen Erfahrungswerten und Gepflogenheiten, um mit geringstmöglichem Aufwand eine exakte Spaltung zu erzielen. Dann wurden entsprechend der Spaltbarkeit und der Größe der Spaltflächen in Abständen die eigentlichen Keillöcher eingearbeitet. Das Antreiben der in die Keilspalttaschen eingesetzten Keile erfolgte in der pharaonischen Zeit mit einem mittelschweren Dolerithammer. Die für das Neue Reich datierten Keillöcher dienten zur Aufnahme von ca. 12 x 4 x 10 cm großen Keilen      


1.4.3.)   Bislang als falsch interpretierte Keilspaltspuren des Steinraubs  
Eine Vielzahl verschiedener Bearbeitungsspuren an den Steinblöcken der Mykerinos-Pyramide wurden den späteren Zeiten des Steinraubs zugedacht. Es handelt sich hierbei um eingearbeitete durchlaufende Spitznuten, oder um solche, die mit leicht erhöhten, stehengelassenen Stegen, in ziemlich gleichmäßigen Abständen mit Flachnuten unterteilt sind. Spitznuten und schräg eingesetzte Nuten mit breitem Grund können nicht als Vorzeichen für die Keilspaltung eines späteren Steinraubes angesehen werden. Sie entstanden im Zuge des Bauprojektes und dienten als Versetzhilfen oder zu anderen Zwecken. Auf dem ersten Blick ähneln sie der Schrotkeiltechnik, sie unterscheiden sich jedoch eindeutig davon:  

a.)  Für einen Schrot sind sie zu schmal, und es fehlen die Ansätze für Keilbuchsen. Auch die Ausführung des Schrotes ist für Keile ungeeignet.
b.) Um ein gutes Gelingen der Spaltung zu erzielen, hätte die vorgearbeitete Keilnut über die gesamte Breite des Steines geführt werden müssen. Sie endet jedoch des Öfteren erheblich vorher.
c.) Ein Verkleidungsblock der Mykerinos-Pyramide mit der besagten Nut ist noch mit Resten von Gipsmörteln ausgekleidet (Bild 3112, 3113), was nur den Schluss zulässt, dass die Vertiefung bereits zum Zeitpunkt des Versetzens vorhanden war.
d.) Ein abgebauter, aber noch auf der obersten Lage der Pyramidenverkleidung liegender Granitblock der Mykerinos-Pyramide (Bild 3091), zeigt die gleiche Situation an der unteren Fugenfläche. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass die mit dem Abbau betreute Mannschaft, in 10 Metern Höhe auf der kurzgestuften Abtreppung der Backing-Stones stehend, den Block mit irgendwelchen Steinmetzarbeiten hätten bearbeiten wollen. Zumal sie für ihre Tätigkeit andere Werkzeuge benutzten, und genügend Vorrat von spaltbaren Blöcken am Lagerplatz vorhanden war.  

e.)  Granitsteine der Außenverkleidung an der Chephren Pyramide weisen auf dem Oberlager ebenso in der Länge unterteilte, ca. 3 – 4 cm Breite Nuten auf, jedoch mit breitem Untergrund. Eine Nutreihe verläuft längs parallel der Steinachse und eine zweite Reihe Winkelrecht dazu. Dieselben Ausarbeitungen befinden sich an einem Steinblock der letzten Schichten unterhalb des ehemaligen Pyramidions. Hier handelt es sich um einen Eckstein, wobei ebenso die Nutreihe parallel der Profilkante und mit der Profilwiederkehr um 90° gedreht, innerhalb des Steines verläuft.    Weder die sich kreuzenden Ausarbeitungen, noch die zuletzt genannte L-Form des Nutverlaufes würde Sinn für beabsichtigte Steinspaltung machen, des Weiteren konnten sie nur bereits während der Bauzeit entstanden sein.  


f.) Die Spuren sind auch an untersten, im Gesteinsschutt liegenden Blöcken der Mykerinos-Pyramide vorhanden, wieso hätte man in mühseliger Arbeit vorbereite Spaltungen mit neuem Abbaumaterial verschütten wollen? Die Erosionserscheinung sowie der Grad der Patinierung an diesen Nuten entspricht der Alterserscheinung der umgebenden Steinflächen, sie sind deshalb der Erstbearbeitung im Steinbruch oder spätestens der Verbauungszeit zuzuordnen.           


1.4.4.)  Datierungsmöglichkeiten von Keilspalttaschen aufgrund ihrer 
                              Bearbeitungsspuren  


Der gewaltsame schräge Einschlag eines gespitzten eisernen Gegenstandes auf Granit bewirkt einen Substanzverlust infolge Absplitterung und Zerstörung des Kristallgefüges, wie es bei der Ausarbeitung einer Keiltasche die Folge ist. Die Lichtreflektion der sonst farbgebenden Mineralien wird durch Mikrokarst überlagert, so dass sich die Schlagspuren gegenüber der Spaltfläche – die entlang der Kristallgitter bricht - als ein hellgrauer bis weißer Saum abzeichnet.  

Bei einem Steinblock mit gespitzten Flächen und vorhandener Keiltasche derselben Zeit sind alle Steinmetzspuren hell ausgeprägt. Im Verlauf der Zeit – und je nach Konservierungsbedingungen - verlieren sich die adhäsiven Auflagerungen und die Mineralien erhalten ihre ursprüngliche Farbe zurück. Danach erfolgt die Patinierung.  

Das heißt, je jünger die Spaltung ist, desto heller zeichnet sich die bearbeitete Keiltasche gegenüber der Spaltfläche ab. Gleichen die Farbnuancen der Bearbeitungsspuren dem Erscheinungsbild der umliegenden Steinoberflächen, weil die Einschlagspuren durch Abtragung freigelegt sind, entspricht die Spaltfläche einer sehr alten Entstehungszeit des Granitblocks. Die Aufbewahrungsbedingungen sind entscheidend.            



2.0.)     Die altägyptischen Spuren und Merkmale der Granitbearbeitung an
                      Bauwerken und im Steinbruch von Assuan    

2.1.) Die Cheops Pyramide Bereits in der Djoser-Pyramide zur Zeit der 3. Dynastie, wurde die Grabkammer aus Granit gebaut. Die sechs umschließenden Flächen der Königskammer in der Cheops-Pyramide bestehen aus polierten, nahtlos aneinander gefügten Granitblöcken. Darüber befinden sich ca. 60 Blöcke mit den Maßen von ca. 7 x 1,2 x 1,8 Meter. Insgesamt wurden ca. 2000 Kubikmeter Massivgestein verbaut. Die Innenwandungen des Granitsarkophags weisen im Schliff verbliebene Spitzmeißelspuren auf, ebenso die Hohlkehlen zur Seilführung der Fallsteine.   

Bemerkenswert ist die gleichmäßige Qualität des Assuan-Granits hinsichtlich Farbe, Körnung und Struktur, was ausschließlich auf die Verwendung besten Kerngesteins hinweist. Dass man aus der obersten Verwitterungszone (Wollsackverwitterung) stammende Oberflächenblöcke verwendet hätte,  ist eine von wenig Sachkunde sprechende Annahme. Dies wird zudem dadurch entkräftet, dass im Alten Reich ca. 100.000 m3 Rohmaterial verbaut wurden (Röder, 1965), sich die Ufer des oberen Nils mit solch unbrauchbarem Oberflächengesteins säumen und ebenso im Rosengranit-Steinbruch in Assuan seit der Steinzeit bis heute Missachtung finden. Die hervorragende Qualität des Granits belegt, dass die Blöcke aus dem Kerngestein des Steinbruchs herausgelöst worden sind.            



2.2.)    Die Djedefre-Pyramide (Radjedef)  

Nach neuesten Forschungen hätte die Außenverkleidung der Pyramide in Abu Rowasch bis in ca. 14 Meter Höhe aus Rosengranit bestanden. Als Restbestände finden sich noch ca. zwei Dutzend Granitblöcke an ihren ursprünglichen Einbauplätzen, verbaut als Läufer- und Bindesteine, zur Stabilisierung zwischen Außenverkleidung und dem Kernmauerwerk. Der Rückbau der Pyramide erfolgte nur so weit, wie es der granitische Aufbau zuließ, um das begehrte Gestein für neue Zwecke zu Nutzen. An Stellen, wo man vorwiegend Bindesteine herausnahm, verblieben die zum Kernmauerwerk gehörenden vermauerten Nischen, aus denen der Querschnitt der ehemals verbauten Blöcke gut ablesbar ist. Die Blöcke waren demnach ca. 1,2 m hoch und breit, die Einbindetiefe (Länge) ca. 3 bis 4 Meter, was auch den Größen der noch vorhandenen Steine entspricht.  

Alle Blöcke in ihrer ursprünglichen Lage weisen Keilspalttaschen auf.  

Ein Granitblock am Fundament, rechts vor dem Eingang zur Pyramide, mit im stumpfen Winkel abgearbeiteter gerader Oberfläche, zeigt an seiner vorderen Ansicht eine Spaltfläche mit neun großformatigen Keiltaschen. Aufgrund seiner Lage und der zugerichteten Form scheint es nicht seine originale Position zu sein. Vom Format her ist er geringfügig kleiner als die weniger sorgfältig bearbeiteten Mauerwerksblöcke; es drängt sich daher der Verdacht auf, dass es sich um einen Verkleidungsstein handeln könnte. Die Keiltaschen dienten zu seiner Herstellung im Steinbruch von Assuan.  

Ein Block rechts der Nordseite und einer rechts an der Ostseite weisen an ihrer Vorderseite Keiltaschen zur Aufnahme von Kleinkeilen auf. Dies kann darauf hindeuten, dass sie ab dem Neuen Reich oder später abgelängt wurden. Die vier Längsseiten des Blockes sind annähernd winkelrecht zueinander, je zwei davon sind unbearbeitet und als hergestellte Bruchflächen identifizierbar. Die Herstellung der obligatorischen Blockgröße mit parallelen Flächen zueinander, ohne Flächenbearbeitung und ohne natürliches Lager, konnte nur mit der Keilspaltung erfolgt sein.  

Ein verbauter Block an der Ostseite bezeugt eine gespitzte Stirn- und Längsseite. Die Oberseite zeigt eine Spaltfläche mit drei Keiltaschen zur Aufnahme von Großkeilen. Die gleiche Erscheinung der Steinsichtigkeit in Anbetracht der Keiltaschen, der gespitzten Flächen und die der Bruchfläche bezeugt die zeitgleiche Herstellung. Auch die Blockmaße entsprechen der vorgefundenen Regelgröße.  

Der Hauptbeweis zur Keilspaltung im Alten Reich vermittelt uns ein Granitblock in der linken Hälfte an der Ostseite. Dieser Bindestein liegt links und hinten am Kalksteinmauerwerk an, oben ist er freigelegt. Die Stirnseite ist als kraftschlüssige Verzahnung zum nicht mehr vorhandenen vorderen Block zur Hälfte um ca. 50 cm ausgeklinkt. Die obere Vorderkante besitzt drei große Keiltaschen. In seiner rechten, ca. 3 m langen Spaltfläche (Einbindetiefe) sind fünf großformatige Keiltaschen eingemeißelt. Unmittelbar rechts dieses Blocks befand sich ein ebensolcher, jedoch mit einem Höhenversatz von ca. 20 cm. Ersichtlich ist dies am Versatz des ehemaligen Auflagers, sowie an der pyramidenseitig verbliebenen Nische.  Es lagen also zwei gleiche Blöcke – mit den obligatorischen Querschnittsmaßen – z-förmig höhenversetzt nebeneinander, wobei der rechtsseitige, höher gelegene aus dem Verband herausgezogen wurde. Diese Fundsituation macht deutlich,  dass die mit den fünf Keiltaschen versehene Spaltfläche bereits zum Einbau des Blocks vorhanden waren, und deshalb zu seiner Herstellung im Steinbruch dienten.          

Einen ähnlichen Sachverhalt liefert uns ein Block links des Pyramidenzugangs, mit den üblich verbauten Maßen, und in seiner ursprünglichen Lage befindlich. Hier sind die Keiltaschen entlang der Unterkannte an der Ansichtsfläche abgebildet. Dies weist unzweifelhaft darauf hin, dass die Keiltaschen zu seiner Herstellung im Steinbruch dienten, und bereits beim Versetzen an der Pyramide vorhanden waren, da eine nachträgliche Spaltung durch Steinraub nur von oben hätte erfolgen können.

Diese Großformatigen Keilspalttaschen mit unterschiedlichen Abständen sind auch an herumliegenden abgebauten Pyramidenblöcken zu beobachten. Die Werkspuren sind somit ursprünglich, und bereits im Steinbruch entstanden.       


2.3.)    Die Chephren-Pyramide


Für das gesamte Bauprogramm des Chephren, also für Tal- und Pyramidentempel und die Pyramidensockelverkleidung, wurden ca. 17.000 m3 Fertigmaterial aus Aswan-Granit verbaut. Auch hier gilt die Feststellung, dass hinsichtlich der gleichmäßigen Nuancen in Farbe, Körnung und Struktur nur bestes fehlerfreies Kernmaterial aus dem Massiv des Steinbruchs verwendet wurde.      



2.4.)            Die Mykerinos-Pyramide

Hier wurden ca. 15.000 m3 Fertigmaterial aus Granit verbaut.  

Als Einleitung für die Bearbeitungsspuren am Granit der Mykerinos-Pyramide erscheint es mir wichtig, auf die Propaganda von vielen Laien-Forschern hinzuweisen, die die Keilspaltspuren mutmaßlich dem Steinraub der Spätzeit, vor allem den Römern zuschreiben. Wenn dies so wäre, müsste im Umfeld der Pyramide entsprechender Restschutt vorhanden sein. Für einen solchen Befund fehlen jedoch jegliche Anzeichen.  
Es ist davon auszugehen, dass die Bearbeitungsspuren, insbesondere die Keilspalttaschen aus der Entstehungszeit der Pyramide, bzw. als sekundäre Bearbeitung der Granitblöcke in der Zeit des Neuen Reichs entstanden. Wir wissen aus Urkunden, dass Ramses II die Königsgräber seiner Vorfahren und Teile der Pyramiden restaurieren ließ. Weiterhin wissen wir aus der Inschrift nahe des Pyramideneingangs an der Mykerinos-Pyramide, dass sein Sohn Chaem-Waset zur Instandhaltung (Restaurierung) wesentliche Maßnahmen ergriffen hat.
Somit können die besprochenen Arbeitsspuren zeitlich eingegrenzt werden.    


2.4.1.)Die Qualität der ausgewählten Steine

Eine deutliche Depression in der wirtschaftlichen Lage zum Ende der vierten Dynastie ist in den Verkleidungssteinen der Mykerinos-Pyramide zu erkennen. Die so klein dimensionierten Blöcke, dass sie im eigentlichen Sinne teils als Quader zu bezeichnen sind, weichen voneinander in Farbe, Körnung und Textur deutlich ab. Verbaut wurden Steine der oberen Verwitterungszone aus dem Steinbruch sowie natürlich freigelegte, stark verrundete Blöcke (Wollsackverwitterung), die durch Steinspaltung halbiert bzw. gevierteilt wurden. Augenscheinlich vermitteln uns Pegmatite, Kristallnester und Adern, Risse und Klüfte sowie Locker- und Mürbzonen im Gestein und an den Oberflächen die äußerst schlechte Qualität, die den Grenzbereich zum Werkstein beschreibt. Die Mykerinos-Pyramide ist dem Anschein nach aus den nicht als Werkstein tauglichen Restbeständen der Vorgängerbauten entstanden.    

2.4.2.) Konkrete Keilspaltspuren an abgebauten Quadern, die vor der Pyramide
          lagern:
Mit Ausnahme von wenigen vollständig steinmetzmäßig bearbeiteten Quadern bekunden fast alle ursprünglich verbauten Steine die Spuren verschiedenartiger Keilspalttaschen mit oder ohne Steg bzw. Nut. Es ist deshalb hier nicht möglich alle Kriterien zu besprechen und wir wollen uns auf das Wesentliche konzentrieren:  

Ein Block (Bild 3103-3107) in seiner originalen Größe, wie er verbaut war, mit vier gespitzten Flächen und in seiner derzeitigen Lage mit einer Spaltfläche als Aufsicht, weist an der kurzen Seite vier, an der langen Seite sechs mittelgroße Keilbuchsen auf. Eine oben eingearbeitete Spitznut könnte den Versuch einer nachträglichen Spaltung andeuten. Auffallend ist, dass die fünf Steinflächen sowie die Keiltaschen gleiche Patinierung aufweisen, die Nut jedoch heller erscheint. Das deutet darauf hin, dass sie wesentlich jünger ist als die Flächen mit identischen Altersspuren. In Anbetracht dessen, und weil die Blockform einem typischen Pyramidenbaustein entspricht,  waren die Keilspalttaschen zu seiner Herstellung notwendig.  



2.4.3.) Konkrete Keilspaltspuren an den Quadern der Außenverkleidung:

Zahlreiche Granit-Verkleidungssteine die seit der Bauphase immer noch im ursprünglichen Verband sitzen, zeigen unterhalb der bauchig belassenen Ansichtsfläche, unmittelbar an der unteren Lagerfuge je nach Steingröße eine bis mehrere großformatige Keilspalttaschen. Die Verwitterungserscheinungen entsprechen denen der Ansichtsfläche und sind deshalb in das Alte Reich zu datieren.  


2.4.4.) Arbeitsspuren, die dem Spitzeisen oder dem beidhändig geführten Einspitz zuzuordnen sind:

G. A. Reisner (Mykerinos, The Temples of the third Pyramid at Giza, 1931) fand bei Ausgrabungen in tiefen Schächten unvollendete Mykerinos-Statuen aus Granit und anderem Hartgestein. Bei diesen in Bosse stehenden Skulpturen ist die Grobform bereits gut vorgearbeitet, die begonnenen Details sind erfahrbar. Aufgrund dieser begünstigenden Konservierungsbedingungen ist es möglich, die einzelnen Hiebe in Form von punktförmigen Vertiefungen eindeutig als Meißelspuren zu identifizieren. Diese werden auch an den Verkleidungssteinen und an den Fundamentblöcken des Bodenbelages im Umfeld der Pyramide vorgefunden. Man hat also Granit mit Meißeln bearbeitet, wie es auch in den Reliefen zur  Herstellung von Statuen überliefert ist.     
Der Gebrauch von Spitz- und Flachmeißel für Hartgesteinsarbeiten im Alten Reich wird von Karin Dohrmann nachgewiesen (Dissertation Göttingen 2004, Arbeitsorganisation, Produktionsverfahren und Werktechnik - eine Analyse der Sitzstatuen Sesostris I. aus Lischt, Seite 145ff).        




2.5.0.)   Der Rosengranit-Steinbruch in Assuan (Aswan)  

Im Gegensatz zur Archäologie, wo die ältesten Spuren unten sind, ist es in einem Steinbruch anders gelagert. Da man von oben nach unten abbaut können die ältesten Zeugnisse nur am Anfang, d. h. oben in Erscheinung treten. Mit “oben“ ist immer die unberührte Verwitterungsdecke des Granitvorkommens gemeint, auch wenn sie am äußeren, abfallenden Felshang in die Talfüllung eintaucht.  


2.5.1.)       Die Merkmale der ersten Keilspalttechnik

Vereinzelt an den höchstgelegenen Deckschichten des lokal begrenzten Granitmassivs sind großformatige Keilspaltbuchsen ohne Nut die wesentlichen Kennzeichen des von Menschenhand erstmals betriebenen Gesteinsabbaus. Diese unverkennbaren Marken kennzeichnen ausschließlich die ersten Abbaustellen im massiven Fels zur angrenzenden und heute noch vorhandenen Verwitterungszone.  

Um auf den Horizont des unfertigen Obelisken zu gelangen, wurden ca. 30 Höhenmeter Massivgestein abgebaut. Auch hier beweisen die großformatigen Keilspalttaschen oberhalb des unvollendeten Obelisken und an der zurückgestuften Abbauflanke der Terrasse darüber,  ihr Vorhandensein weit vor dem Neuen Reich.   Abtäufungsschächte (Kontrollschächte) von ca. 10 Metern Tiefe mit gespitzten Oberflächen,  die sich auf der ca. 15 Meter höheren Terrasse befinden und auch im Fels an der linken Fußseite des unvollendeten Obelisken, weisen ebenso auf die Entstehung weit vor dem Neuen Reich hin.      

Nach einer Berechnung von Röder (1965), hätten die Baumeister des Alten Reichs etwa 45.000 m3 Granit verbaut (die Djedefre Pyramide nicht mit eingerechnet), was einem Fehlbestand des Steinbruchs von ca. 100.000 m3 entspricht. Addiert man hierzu noch eine rein hypothetische Annahme von ca. 30.000 m3 abgebauten Granits für das Neue Reich, so dürfte es den heutig vorhandenen Verhältnissen des Steinbruchs entsprechen. Die ältesten Abbaumerkmale im Steinbruch von Assuan sind identisch mit den Keiltaschen an den verbauten Pyramidenblöcken. Die großformatigen Keilspalttaschen sind somit der Fingerabdruck des Alten Reiches.    



2.5.2.)     Die Entwicklungsstufe der Keilspalttechnik im Neuen Reich:  

In direkter Umgebung des unvollendeten Obelisken sind gezogene schmale Nuten (ähnlich eines verbliebenen Randschlags) mit kleinerer als die zuvor besprochenen Keilspaltbuchsen ersichtlich; die mittelgroße Keilspalttasche taucht hier zum ersten Mal auf.  
Fast identische, aneinandergereihte Keiltaschen sind in flachen Spitznuten eingearbeitet. Die inzwischen gewonnen Erkenntnisse zeugen von präzisen Werkzeugen und gezieltem Vorgehen, um ca. 30 Meter lange Obelisken perfekt abzuspalten.          



3.0.)    Wissenschaftler die sich mit den Abbauspuren im Assuan-Steinbruch
           beschäftigten    


3.1.) Forscher, die die Erarbeitung von Keiltaschen mit eisernen Meißeln und das nachfolgende Spalten des Granits mit eisernen Keilen befürworten: 

Freilichtmuseum Felsberg e.V. “Dokumentation römischer Werkstücke“ und “Die römischen Steinhauer am Felsberg“ (Website),     
R. Koch (siehe Einleitung),      
Hobby-Ägyptologen e. V.  (Experiment),         
R. Engelbach (3.2),      
F. Löhner (Der Bau der Cheops-Pyramide),       
J. Röder (4)   
R. u. D. Klemm (7).    


3.2.) Forscher, die die Keilspalttechnik für altägyptisch halten:  

De Morgan (1), Platt (2), Engelbach (3), Clark (6) und Nylander (5) haben sich eingehend mit den Merkmalen der Keilspalttaschen beschäftigt und halten die Erfindung der Keilspalttechnik für altägyptisch.







A. Erman, Aegypten III (1923) Achtzehntes Kapitel, Das Handwerk:
 „Dafür haben wir andere Zeugen, die von dem großartigen Betriebe dieser Granitbrüche erzählen. In allen ägyptischen Ruinen treffen wir auf die gewaltigen Blöcke des Gesteins von Assuan und in der Umgebung dieser Stadt selbst sieht man noch heute die alten Arbeitsstellen. Deutlich erkennt man das Verfahren, mit dem die Steinmetze die Blöcke lossprengten. Sie meißelten, meist in Abständen von 20 Zentimetern, Löcher in den Fels, die bei größeren Blöcken ebenfalls etwa 20 Zentimeter lang waren, und in die Keile eingetrieben wurden um den Stein zu spalten“.


Die Assuaner Historiker weisen auf einer Tafel im Nubischen Museum darauf hin, dass erst durch die Keilspaltung aus nicht datierbarer Zeit, die Voraussetzung zum Gesteinsabbau in Assuan geschaffen wurde, und dass bei all diesen ersten Eingriffen, die Keiltaschen präsent sind (2012).    



3.3.) Forscher die die Keilspalttechnik für spätzeitlich (500 – 30 v. Chr.) halten:

J. Röder (4) datiert die Keiltaschen im Steinbruch des Mons Claudianus in die römische Epoche. Seine Datierung der Keilspalttechnik im Assuan Steinbruch begründet sich auf den theoretischen Hinweis von Lucas/Harris, wobei das Eisen in Ägypten erst in der Römerzeit zur Anwendung gekommen wäre  (S. 523). Dass diese Grundlage seine Forschungen wesentlich beeinflusste, beteuert er bereits in der Einleitung auf Seite 467: “Die starke Beschränkung auf technologische Fragen entspricht der hauptsächlichen Blickrichtung der Feldarbeit“. Die älteste Anwendung der Keiltechnik hält er aber für die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends für möglich, Seite 523: “Vermutlich kommt die Keilspaltung erst in der Ptolemäerzeit in die Hartgesteinsbrüche“.

Dass die Keilspalttechnik mit der von ihm gesehenen “altägyptischen Steinklopftechnik“ gemeinsam  Anwendung fand, konnte er damals nicht feststellen, da zu seiner Zeit lediglich ca. 30% des Steinbruchs freigelegt waren. Der größte Teil des Gebietes war mit Gesteinsschutt bedeckt.
Aus diesem Befund geht hervor, dass Röders Aussagen dahingehend zu bereinigen sind, dass die Keiltaschen bereits in der altägyptischen Zeit Anwendung fanden. Dies hat Röder vielleicht auch schon gesehen, konnte es aber nicht Befürworten (siehe Zitat oben, zu S. 467).  


R. u. D. Klemm beschränken sich bei den ägyptischen Keilspaltspuren auf römische Arbeiten, da erst zu dieser Zeit das Eisen in Ägypten eingeführt worden sei.  

Hierbei ist Folgendes zu bedenken:
Die ausgearbeiteten Schrotgräben im gesamten Steinbruch zeigen immer das gleiche Oberflächenmuster, welches nach der Definition von Klemm/Klemm mit der altägyptischen Steinhammerklopftechnik (Dolerithammer) ausgeführt wurde.
Der Befund im Steinbruch zeigt, dass Blöcke durch die Vorarbeit mit Schrotgräben und dem sekundärem Abkeilen aus dem Massiv gelöst wurden. Es wurden also beide Bearbeitungsarten zur selben Zeit und am selben Werkstück angewandt. Von daher steht fest, dass wenn die Keiltaschen römisch sein sollten, hätten die Römer immer noch die Steinhammerklopftechnik für die Schrotgräben angewandt.
Andererseits, wenn die römischen Schrotgräben mit Eisenwerkzeugen ausgearbeitet wurden – was auch zutrifft – gilt das gleiche für die altägyptischen Schrotgräben, da die Oberflächen identisch sind.   Siehe auch hierzu Beitrag #85 Seite XVII.    



3.4.) Weiterführende Indizien:  

In Theben fand Petrie (8) einige Eisenkeile für die Zeit ab ca. 800 v. Chr., und weitere aus darauf folgenden Zeiten, was darauf hinweist, dass solche großkalibrigen Eisenstücke bereits an Wert verloren hatten und den üblichen Gebrauch des Metalls verdeutlichen.
In Anbetracht des Dolches von Tutanchamun, lässt sich die bereits vollkommen beherrschbare Schmiedekunst um 1350 v. u. Z. ablesen. Die blanke Eisenklinge zeigt weder Poren noch Einschlüsse von Verunreinigungen, und da sie nicht rostet, kann zumindest die äußere Schicht als aus Stahl bestehend bezeichnet werden.

Die Herstellung von schmiedbarem Roheisen und die Herstellung von härtbarem Stahl aus diesem Eisen, erstreckte sich über Jahrtausende hin gemeinsam (9). Somit beweist zumindest die Theorie, dass wer solche Klingen schmiedete, bereits Jahrtausende vorher grobe Eisenkeile hatte herstellen können. Die Eisenfunde, insbesondere die unbearbeiteten Eisenluppen aus der 6. Dynastie (Pepi I) belegen unzweifelhaft den Gebrauch von Eisen, und der Möglichkeit zur Herstellung von eisernen Keilen.  

Zur weiteren Aufklärung könnten folgende Hinweise von Klemm/Klemm (7) Aufschluss geben: “Heute ist die Gegend  von Nag el Gezira, ca. 3 km nördlich von Aswan, wegen einer Verladestation für Eisenerz von rotem Staub überzogen“

Des Weiteren wird ca. 10 km südlich von Assuan Eisenerz abgebaut und im Süden des Qubbet El-Hawa befinden sich die uralten Eisenminen, die seit prädynastischer Zeit abgebaut wurden. Von daher lässt sich förmlich erwarten, dass sich die erwachende Zivilisation Ägyptens schon frühzeitig Wege zur Nutzung und Ausbeute ihrer Bodenschätze nutzte und fand.    

Grundsätzlich wird die Nutzung des Eisens seit frühester Zeit von G. A. Wainwright und E. Graefe nachgewiesen, wobei wegen fehlender Indizien der beiden Eisensorten, das Meteoreisen bevorzugt propagiert wurde. 

R. und D. Klemm fordern für die Keilspalttechnik geschmiedete Meißel und Eisenkeile, was der Richtigkeit entspricht. Dass aber diese Technik römisch sein soll, ist ein künstliches Konstrukt, weil dieser Hypothese von Kollegen, Tatsachen und Beweisen grundlegend widersprochen wird.    

Als zusammenfassender Befund,  stellt sich heraus, dass die Keilspalttechnik unter Nutzung von Eisenwerkzeugen für die altägyptische Zeit bewiesen ist.
Die grundsätzlichen Ergebnisse von Wainwright und Graefe bleiben insoweit unangefochten, als dass die Eisensorte umgeschrieben werden muss.          



Quellen:

1) De Morgan, Catalogue des Monuments et Inscriptions de Egypte Antique I, 1894, S.55
2) A. F. R. Platt, Ancient Egyptian Methods of Working Hard Stones, 1909, S. 172ff 3) R. Engelbach, The Problem off the Obelisks, 1923, S. 23 – 26, u.a.: “… by the ancient engineers, and everywhere we may see the marks of their wedges” und “… we see examples of the action of ancient wedges and chisels, showing how easily the Egyptians could cut granite”
3.1) R. Engelbach, The Aswan Obelisk, 1922, Seite 5ff, beschreibt Keiltaschen und Meißelspuren die er für älter hält als den Obelisken.
3.2) Engelbach, 1922, S. 27: “ It might be remarked that instead of having a method of greatly hardening copper, the Egyptians might have been able to temper iron”.
4) J. Röder, Zur Steinbruchgeschichte des Rosengranits von Assuan, 1965, S. 515 - 552 
5) C. Nylander, Bemerkungen zur Steinbruchgeschichte von Assuan, Archäologischer Anzeiger (DAI) Nr. 83, 1968. Seite 8: Neben eigenen Erkenntnissen, bezieht er sich auf Clarke/Engelbach (6), die bereits Keillöcher auf den Dachblöcken aus Granit in der Mykerinospyramide feststellten. Im Weiteren nimmt er Bezug  auf eiserne Keile von etwa 800 v. u. Z., die von  W. M. F. Petrie entdeckt wurden (8).
6) S. Clarke – R. Engelbach, Ancient Egyptian Masonry, 1923/1930, S. 19
7) R. und D. Klemm, 1993,Die Steine und Steinbrüche im Alten Ägypten, 7.2 Die steinbruchtechnische Gewinnung und Bearbeitung von Granit und Granodiorit in antiker Zeit, ab Seite 321.
8) W. M. F. Petrie, Tools and Weapons, (1917).
9) Hasso Moesta, Erze und Metalle, 1986, S. 153              




4.0.)   Zusammenfassung und Schlussbetrachtung  


Analog zu den Keilspalttaschen an verbauten Blöcken der Monumente des Alten Reichs, konnten ebensolche als früheste Spuren im Assuan-Steinbruch nachgewiesen werden. Für das Alte Reich sind großformatige Keilspalttaschen, teils mit größeren Abständen zueinander, typisch.  

Durch unterschiedliche Aufgabenstellungen und mit den inzwischen gewonnenen Erfahrungen zeichnet sich eine Spezialisierung zum Spalten des Granits mit Keiltaschen ab, ohne die der Gesteinsabbau nicht hätte ausgeführt werden können.

In den folgenden Jahrhunderten sind Abweichungen in Form, Größe und Anordnung der Keiltaschen nachweisbar, die offensichtlich einer Experimentierphase zur Steigerung der Effizienz zuzuordnen sind. Es wurde deshalb weitgehendst auf Zentimeterangaben der Keilspaltbuchsen verzichtet. Spätestens ab dem Neuen Reich finden sich vorwiegend identische, aneinandergereihte mittelgroße Keiltaschen, mit denen man in der Lage war, ca. 30 Meter lange Obelisken perfekt abzuspalten.  

Neben der Keilspalttechnik, mit der parallele oder zueinander winkelrechte Spaltflächen erzeugt wurden, konnten mit Meißeln gespitzte Granitflächen nachgewiesen werden. Das Ausarbeiten von Schrotgräben (Schramgräben oder auch -Gassen genannt), die Herstellung von gespitzten Nuten und den Keilspalttaschen an sich, erforderte die Verwendung von gehärteten Eisen, was wir heute als Stahl bezeichnen.    

Vor dem Hintergrund, dass die abendländische Keilspalttechnik erst mit dem Beginn der “europäischen“ Eisenzeit Anwendung fand, und folglich nur mit Eisenkeilen ausführbar war, ergeben sich deutliche Indizien, dass diese Technologie von den alten Ägyptern übernommen worden sein könnte, da sie bereits zum Pyramidenbau bekannt war. Röder gibt Hinweise, wie der Wanderweg der technischen Kenntnisse über die Levante/Kleinasien/Griechenland nach West- und Nordeuropa verlaufen sein dürfte (4, S. 523).    

Da der Gesteinsabbau im Assuan-Steinbruch von Anfang an erst durch die Keilspaltung ermöglicht wurde – was durch die Spuren belegt ist, weil im Alten Reich ca. 45.000 m3 Rosengranit mit ebensolchen Spuren verbaut sind, und weil die bis zum Neuen Reich insgesamt verbaute Granitmenge von vielleicht 60.000 m3 Fertigmaterial in römischen Bauten nicht nachweisbar ist, kann dieses Verfahren nicht römisch sein.     

Als Zusammenfassung aller Erkenntnisse ist lediglich zu bedauern, dass hypothetische Interpretationen nicht weiter recherchiert werden. Die kulturellen Errungenschaften und insbesondere die Überlieferung durch Schrift und Bild belegen die Nutzung des Eisens in Ägypten seit frühdynastischer Zeit.      

(Ein Schrot ist im üblichem Sinne eine leicht keilförmig ausgearbeitete Rinne von mehreren Zentimetern bis ca. ein oder zwei Dezimetern. Ein Schrotgraben (Schramgraben oder –Gasse) entspricht den Ausmaßen im Meter-Bereich, wie z. B. die Gräben um den unvollendeten Obelisken)           


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Zum Schluss noch eine kleine Episode  

Ich fragte mich schon oft, wieso geht aus fast allen Inschriften hervor, dass die Waffen des altägyptischen Heeres - sei es auch bei Expeditionen - als solche aus Metall bezeichnet werden, das Metall jedoch nicht explizit genannt wird?   Auch hier ist die Antwort einfacher als es scheint:   Seit dem Alten Reich wurden Expeditionen oder Invasionen immer unter dem Schutzherren des Gottes Horus unternommen. Mit dem damaligen Wissen, dass die Kämpfer des Horus seit Gedenken mit Eisenwaffen ausgerüstet waren, musste das Metall selbst nicht mehr genannt werden. In späteren thebanischen  Zeiten, als die Waffen nicht mehr nur zur Demonstration, sondern als Kampfwaffe eingesetzt wurden, geschah dies im Namen des Gottes Sokar, dem Schutzpatron der Eisenschmiede. In beiden Fällen brauchte das Metall nicht beim Namen genannt zu werden, da es bereits mit der Nennung des Schutzpatrons verankert war.  
















121231     # 83   Die Chronologie der Keilspalttechnik im Assuan-Steinbruch
                                               und in der näheren Umgebung  

(Versteht sich als Folgebeitrag zu  # 82 vom 24.01.12  “Abbau und Verarbeitung von Assuan-Granit im Alten Ägypten mit der Keilspalttechnik“)    


Vorwort
                         Die Eisenminen am Gebel Qubbet El-Hawa,                           
                          nordwestlich von Elephantine (Assuan)    

Wer sich für die ältesten nachweisbaren Eisenminen interessiert, ist am Gebel Qubbet El-Hawa genau richtig. Das Gebiet zwischen den Tombs of Nobles und dem Aga Khan Mausoleum beherbergt unzählige aneinander gereihte trichterförmige Mulden (Pingen) die vom Abbau von Eisenoxid zurückblieben; behördlich steht es unter Denkmalschutz.  

Laut einer Feldforschung von QuarryScapes Report (1), lässt sich die intensive Besiedlung des Gebietes durch Petroglyphen der Nubian A-Group aus dem 5., 4. und 3. Jahrtausend v. Chr., sowie von Hieroglyphen aus dem Alten Reich, nachweisen (S. 90, 147, 163).  

Es konnten in den Siedlungen, nahe der Erzvorkommen, Feuerungsplätze in Form von halbrunden Ofenfundamenten von ca. 1 Meter Durchmesser gefunden werden, die teils mit verglastem (überhitztem) Lehm ausgekleidet waren, sowie Asche und Holzkohlenreste (144). Hierbei ließen sich Schlacken und Tonscherben aus dem Alten Reich, sowie Keramik aus dem Neuen Reich mitsamt Eisenschlacken nachweisen (144–147, 173). Durch Eisenoxid rötlich verfärbte Reibsteine und Reibschalen, mit denen das Erz zerkleinert wurde, konnten sowohl in die prädynastische Zeit, als auch in das Mittlere Reich datiert werden (100, 144).  

Die “Lagerfeuer-Theorie“ als Vermutung der zufälligen Entdeckung des Eisens, gewinnt weiter an Bedeutung, wenn man die altägyptische Bezeichnung des Gebietes als “Hügel der Winde“ berücksichtigt. Durch stetiges Anfachen der Glut, wurden Temperaturen erzeugt, die das Erz der Einfassungssteine der Feuerstellen in kleine Eisenschwämme und Schlacke umwandeln konnten, die nur darauf warteten, entdeckt zu werden.      

QuarryScapes, zitiert Seite 27: “de Morgan et al. (1894: 139-141) paid attention to the deposit between Gebel Gubbet el-Hawa and St. Simeon's monastery and inferred that "millions of tons" of iron ore would have been extracted here, but were not able to date the ore extraction”.  

Die Einfassungsmauern der zwei Rampen zu den Gräbern als auch die des Treppenaufgangs zu den Gräbern bestehen aus dem weniger wertvollen Schuttgestein des Erzabbaus. Trotzdem haften oft noch millimeterdicke Eisenoxidschichten am Großteil der verbauten Bruchsteine. Man kann das rötliche Mineral mit dem Fingernagel abheben, und zwischen den Fingern zerreiben, um den Stoff zu spüren, der in einem Holzkohlefeuer bei Temperaturen um 900 Grad zu einem Eisenschwamm (Luppe) verschmilzt.  

Der Treppenaufgang zu den Tombs of Nobles endet vor dem Grab des Chnum aus der 6. Dynastie, in dem an der linken Wand auf Augenhöhe ein bislang kaum veröffentlichtes Relief (da es mit koptischen Mörteln verdeckt war) einer Metallarbeiterszene zu sehen ist. Die augenfällige Handlung der zwei Männer mit Blasrohren zeigen vor dem Schmelzofen sitzend das typische Merkmal des Alten und des Mittleren Reiches für die bj3 Verarbeitung. Links darunter stehen zwei Männer in gebückter Haltung, die auf erhöhter Unterlage einen größeren Reibstein bewegen. Rechts davon treibt ein Schmied mit hochgestrecktem schlagendem Arm das Metall. In der sich anschließenden Szene kniet ein dem Schmied zugewandter Arbeiter, der einen Reibstein auf der Reibschale betätigt. Dies sind die typischen Merkmale zur Verhüttung des Eisens. (siehe hierzu Beiträge # 78 – 80/1)

Archäologische Grabungen fanden in der Umgebung nicht statt. Aber aus Oberflächenfunden konnte der Abbau der Erze für das Alte Reich und Eisenschlacken als Abfall der Eisenherstellung für das Neue Reich datiert werden (1; Seite 144 ff). 

Nicht zuletzt verweisen die Expeditionsinschriften zur Metallbeschaffung des Mittleren und Neuen Reiches namentlich auf diesen Ort. Zum Beispiel:  

Dokument 40, Urkunde IV, 825,10 aus der Zeit des Thutmosis III:
“… die Kapelle, die über/bei dem Erzgebiet (bj3 w) von Elefantine liegt“ (nordwestlich von Assuan)  

Dokument 41, Stele eines Horus aus der Zeit Sesostris I, Mittleres Reich:
“Die Truppe wurde unter meinem Befehl ausgeschickt, um zu tun, was mein Ka liebt in diesem bj3-Gebiet (bj3 w) von Nubien“  


Ein prädynastischer Ort, im Zentrum einer Erzlandschaft, mit allen Voraussetzungen und Nachweisen zur Verhüttung des Eisens, dessen Nutzung man sich nicht verwehren konnte. Belegt wird dies durch die archäologischen Funde der Werkzeuge zum Mörsern des Erzes und die zugehörigen Ofenfundamente. Deren praktische Anwendung zur Eisenerzeugung wird von den Darstellungen des Alten Reiches und späterer Zeit verbildlicht.

Es war das Metall, das die Arbeitsteilung, soziale Verhältnisse und den Wohlstand förderte. Seit prädynastischer Zeit entwickelte sich ein nubisch-ägyptisches Handelszentrum, dass sich bis in die heutige Zeit behauptet. Der Mensch ersann Werkzeuge zur kreativen Steinbearbeitung, die sich alsbald zum steinbruchtechnischen Abbau von Großblöcken entwickeln sollten.

Der archäologische Befund weist darauf hin, dass der späteste Ursprung der Eisentechnologie bei den Erzleuten der Nubier in der Neolithischen Zeit zu finden ist. Der nubische Schmied war demnach der Lehrmeister der sich durchsetzenden und besser organisierten Stämme Ägyptens (Badari/Naqada), die sich deren Wissen und Erfahrung für spätere Großtaten zunutze machten.         

1) QuarryScapes Report, Characterisation of complex quarry landscapes: an example form the West Bank quarries, Aswan 2007        





Einleitung


Elephantine und die am Westufer des Nils sich anschließende Wüste (Westbank) gehören zu den ältesten nachweisbaren Siedlungsplätzen im alten Ägypten. Funde von nubischen Tonscherben datierbar bis ca. 4000 v. Chr. (Naqada I) belegen die rege Nutzung der örtlichen Ressourcen, als wichtiger Handelsplatz und vor allem als Stützpunkt zur Festigung der Landesgrenzen. Durch alle Epochen hindurch wurde die Insel Elephantine von Gouverneuren, Fürsten und Pharaonen genutzt, wobei Syene, das heutige Assuan erst wesentlich später Bedeutung erlangte.    


Der Sachverhalt

Es ist anzunehmen, dass hier der Ursprung des systematischen Granitabbaus stattfand, da es keinen weiteren Ort gibt, an dem so viele hunderte Keilspaltspuren anzufinden sind, und an dem die Ursprünge des Granitabbaus so konsequent abzulesen sind.  

Die folgende nachvollziehbare Datierung der Keilspalttaschen in den Steinbrüchen und Abbaustellen in und um Assuan wird im Vergleich zur Alterssichtigkeit mit analogen Steinoberflächen aus bekannten Zeiten angestellt.  




1.0.)  Altersspuren und Alterssichtigkeit von Oberflächen zu bekannten Zeiten:  

1.1.) Als Vergleichsmaterial für das Alte Reich werden die Granitoberflächen und Verwitterungsspuren an den Steinen der Stufenpyramide auf Elephantine aus der 3. Dynastie, die Verkleidungssteine der Chephren-, Djedefre-  und der Mykerinos-Pyramide aus der 4. Dynastie sowie die senkrecht abgearbeiteten Fassadenflächen am quarzitischen (silifizierten) Sandstein von ca. 22 Gräbern der “Tombs of Nobles“ am Gebel Qubbet el-Hawa aus der 6. Dynastie gegenübergestellt. Zu dem gehören auch die senkrecht – mit dem Spitzeisen oder Spitzhammer abgearbeiteten Granitflächen im Steinbruch des unvollendeten Obelisken im linken Steinbruchareal (Cheops-Wand), die als künstliche Schrotfläche (tiefer Einschnitt oder Gasse bei fehlenden natürlichen Rissen oder Klüften) das Lösen von Blöcken aus dem anstehenden Massivgestein bis zur Steinbruchsohle ermöglichte, und den Pyramidenbauern der 4. Dynastie zuzurechnen ist.              


1.2.) Eine gültige Aussage zur Alterssichtigkeit von Steinoberflächen aus dem Mittleren Reich liefern uns Granit- oder Quarzitartefakte im archäologischen Grabungsfeld von Elephantine. Beachtenswert sind die bearbeiteten Steine am Sanktuar (Nr. 24) und am Satet-Tempel (Nr, 25) von Sesostris I., am Satet-Tempel (Nr. 23) von Mentuhotep II.,  Ruinensteine Intefs (Nr. 22), im Wohnhausgebiet (Nr. 20) und am Grabbau von Heqiab (Nr.18), sowie die Bauteile des späten 3. Jt. am Chnum-Tempel (Nr.5). Weitere Zeitzeugen sind die Meißelspuren der Gräber Nr. 30, 31, 32 und 36 der Tombs of Nobles.  

1.3.)  Die Arbeitsspuren des Neuen Reiches können wir in Elephantine am Tor des Amenophis II (Nr.14) und an Steinartefakten der umgearbeiteten Quader am Chnum-Tempel (Nr. 5), sowie am Grab-Nr. 35-1 der Tombs of Nobles einsehen und etwa 1 km nordwestlich davon, im Obeliskensteinbruch des Sethos I. Im Assuan Granitsteinbruch sind es die gespitzten Schrotflächen und Oberseiten des unvollendeten Obelisken und des im südlichen Steinbruchgebiet liegenden “gescheiterten“ Südwest-Obelisken.    

1.4.)  Die ca. 2500 Jahre alten Erosionserscheinungen an bearbeiteten Steinen der Spätzeit begegnen uns in Elephantine am Spätzeit-Tempel des Chnum (Nr. 6, 12 und 13), und am Isis-Tempel in Philae. Der  Assuan-Steinbruch war nicht mehr von Interesse, man begnügte sich seinerzeit mit Sedimentgestein und Steinraub von vorhandenem.  


1.5.)  Zusammenfassung:
Im Anbetracht des Fundkontextes ist es erstaunlich, dass die Steinmetzspuren seit dem Alten Reich in fast originaler Arbeit überliefert sind. Die Meißelspuren sind klar und deutlich im Gestein nachvollziehbar. Sowohl am Kalkstein, Sandstein als auch in Hartgestein wurden schmal geschmiedete, knapp 1 cm breite Flacheisen mit einer abgerundeten Schneide verwendet.  In der Regel führte man die Meißelklinge parallel zur bearbeiteten Oberfläche, im Hartgestein etwa eher im Winkel von ca. 45 Grad, als wollte man spitznutförmig ausarbeiten. Die Keiltaschen sind an den Innenseiten immer fein gespitzt.
Die scharfen Konturen der einzelnen Hiebe repräsentieren aufgrund ihrer Gleichmäßigkeit überaus haltbare und dauerhafte Werkzeugschneiden die kaum nachgeschärft werden mussten.  

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2.0.) Die unterschiedliche Form, Größe und Anordnung von Keiltaschen in Assuan
        und Umgebung  

Die frühesten Spuren des Granitabbaus – in dem Moment als Hartgestein als bearbeitbar galt - weisen darauf hin, dass man stark verwittertes Oberflächengestein beiseite räumte, um die darunter liegenden besseren Qualitäten zu erreichen. Man nutzte die natürlichen Klüfte und Risse, in die plumpe Eisenkeile getrieben wurden, um das nun bessere Gestein weiter zu zerteilen. Wollte man das hochwertige harte Kerngestein erreichen, waren von Menschenhand hergestellte künstliche Spaltlinien in Form von Nuten und Keilspaltlöchern erforderlich.   

Es sind eigentlich die Erkenntnisse die als Zusammenfassung am Schluss stehen sollten. Doch zum besseren Verständnis der nachfolgend beschriebenen Exkursion will ich die Befunde voranstellen. Es lässt sich eine ca. 3000 jährige Entwicklung in der Granitspaltung aus uralter Zeit bis in die Spätzeit konsequent ableiten und wie folgt unterteilen:    




2.1.) Uralte Keillöcher aus der Frühzeit (FZ)  

Als sehr alte Arbeitsspuren und Keillöcher können solche aufgefasst werden, deren Konturen stark verrundet oder in ähnlicher Weise wie die umgebende Steinoberfläche stark verwittert sind und den späteren Kategorien nicht zuzuordnen sind. Solche Keilspalttaschen unterliegen noch keiner systematischen Ausarbeitung, Anordnung, Form und Größe. Sie beschreiben eher die Anfänge des Steinabbaus für kleinere Werkblöcke  und das Experimentieren mit unterschiedlichen Keilformen um die Effizienz zu steigern.  

Die erstere Version sind leicht Ovale, etwa zwei bis drei Finger breite kleine Keillöcher unterschiedlicher Größe, Form und Anordnung,  jedoch mit weiten Abständen zueinander. Für jeden einzelnen Keil musste das dazu passende Keilloch erarbeitet werden. Die starke Verrundung der Überlieferten Keiltaschen wurde durch grobes Einschlagen auf den Granit verursacht, was eine Zersplitterung des Steingefüges, und sekundär die Erosion begünstigte. 

Die zweite Version sind entlang der Sollbruchstelle eingearbeitete Nuten mit länglichen Keiltaschen, wahrscheinlich zum Einsatz von zwei Keilen nebeneinander. Die Zwischenstege sind sehr schmal. Alle Spuren verdeutlichen die zaghaften Anfänge der Steinspaltung zur Erzielung kleinerer Quader, vielleicht für den Gebrauch als Stele, Türgewände oder auch als Rohlinge für Figuren, wie sie für die frühdynastische Zeit nachweisbar sind.
Das Uralte Keilspaltverfahren wird wohl auf die Zeit der ersten Dynastien oder früher zurückzuführen sein. Sie sind augenfällig nur in der obersten Verwitterungszone anzufinden, also dort, wo man den ersten Versuch gemacht hat Granit zu zerteilen.       



2.2.)  Altes Reich (AR)

Die Abfolge des Eindringens in den Steinbruch des unvollendeten Obelisken zeigt ein ähnliches Bild. Charakteristisch ist das beiseite räumen von Oberflächenblöcken (Findlinge / Blöcke der Wollsackverwitterung – die ja offensichtlich noch überall vorzufinden sind) und abarbeiten der manchmal mächtigen Verwitterungskruste der Deckschichten mit der Spitzhacke. Das Zerlegen der zerklüfteten Steinbereiche erfolgte durch aushebeln oder eintreiben von Keilen in die vorhandenen natürlichen Risse, sekundär durch die oben beschriebene uralte Spaltmethode. War nun das wertvolle Kernmaterial erreicht sind es die großformatigen Keiltaschen, die den erstmaligen professionellen Abbau von Großblöcken ermöglichten.    



2.2.1.) Keiltaschen der Version ARI,
zur gezielten Spaltung von Blöcken homogenen Kerngesteins und bester Qualität:

Mit einer Länge von ca. 16 cm, der Tiefe von etwa 13cm, einer Breite von ca. 5cm im Öffnungsmaß und ca. 2cm am trapezförmigen Boden sind es die größten, die bis zur Spätzeit zur Anwendung kamen. Die Größen und Formen der Keilbuchsen variieren, und sind immer etwas abweichend voneinander. Die Querschnittsfläche tentiert eher zum quadratischen,  im Gegensatz zu der eher rechteckigen Form des Typs ARII. Bedingt durch die zu bewältigende Aufgabe der Spaltung variieren die Abstände der Keiltaschen (Stegbreite) zueinander von einem dreiviertel bis zur dreifachen der Keiltaschenlänge. Die Anzahl und Anordnung der Keilbuchsen oblag der praktischen Erfahrung, den Erfordernissen der zu spaltenden Steingröße, sowie der individuellen Experimentierfreudigkeit. In der Regel finden wir ca. 4 Buchsen pro Quadratmeter Spaltfläche.   



2.2.2.) Version ARII,
zur Spaltung offensichtlich schwieriger, inhomogener Felsmassen:
Großformatige bis mittelgroße Keiltaschen mit immer leichten Abwandlungen in Form und Größe, die innerhalb einer Keilreihe gemeinsam Anwendung fanden. Die Länge variiert zwischen ca. 8 bis 16 cm, mit  Abständen von ca. ein- bis zweifacher Keiltaschenlänge. Die rechteckig erscheinende Druckfläche ist leicht konisch und ca. 9 cm tief.
Für kleinere Freilegungen nutzte man gelegentlich nur die kleineren Keile aus dem System. Für nachfolgende Spaltungen die mehr Leistung erforderten wechselten sie sich mit den langen Varianten ab, oder es wurden nur die langen Keile (die Keiltasche ist deutlich rechteckig) verwendet.  
Diese beiden Versionen sind stets an den Steinbruchflanken als auch innerhalb – soweit sie durch jüngere Vorgehensweisen nicht beseitigt wurden - die Ersten wenn es darum ging massiven Fels abzubauen.        




2.3.) Da in der Ersten Zwischenzeit Nichts, und im Mittleren Reich kaum etwas an
                  Granit bewegt wurde ist diese Epoche zu vernachlässigen.

Sicherlich wurden die Gepflogenheiten im Bedarfsfall angewandt und weitergegeben.  Vielleicht hat man auch schon die technische Neuerung des Neuen Reichs am Quarzitobelisk des Sesostris entwickelt. Wir wissen es jetzt nicht.    


2.4.)  Neues Reich (NR)    um 12 cm Die inzwischen 1500-jährige Erfahrung im Loslösen und in der Bearbeitung von Granit sowie die Entwicklung des Schmiedens der Eisenkeile brachen alle alten Traditionen. Wie am Reißbrett reihen sich nun erstmals die ziemlich gleichmäßig gearbeiteten Mittelgroßen Keiltaschen  mit schmalen gleichmäßigen Zwischenstegen entlang der gewünschten Spaltfläche. Allen Voraussetzungen Rechnung tragend konnte mit diesem System etwa 15 Meter unterhalb des unvollendeten Obelisken ein ca. 30 Meter langer Monolith mit absolut exakter Spaltfläche aus dem Massivgestein gelöst werden. Die identische Größe, Form und Anordnung der Keilbuchsen mit meist schmalen Zwischenstegen und dem Anschein nach der erstmals zur Anwendung gekommene “Einheitskeil“ waren der Garant zur Herstellung von Blöcken nach Belieben. Die präzisen Keilreihen lassen an ein Abrollen eines  Zahnrades denken.

Die Form der Druckquerschnittsfläche ist eher rechteckig und mehr winkelig ausgearbeitet als der Vorgängertyp des Alten Reiches, der eher quadratisch (mit Ausnahme der Version ARII mit deutlich konisch länglicher Rechteckform) und mehr eingezogen ist.        
Dieses zur Perfektion entwickelte Spaltkeilverfahren war nötig, um für Hatschepsut und Thutmosiden die riesigen Obelisken aus dem Steinbruch zu lösen.
Für die “Schnellbausteine“ unter der Nachfolgeherrschaft von Echnaton (Amenophis IV.) wurden die Einheitsquader aus Sedimentgestein bevorzugt, was sich auch weiterhin etablierte. Lediglich Ramses II benötigte für Kolossalstatuen und für Sphingen den Rosengranit aus Assuan.      



2.5.) Eine ruhige Zeit bis zur -, in - und nach der Spätzeit (SZ).

Die frondienstleistenden ägyptischen Steinmetze der Spätzeit schöpften aus dem Wissen der Alten. Der seitdem nie mehr erreichte Standard der Perfektion ihrer Vorfahren war ihnen inzwischen fremd, und man begnügte sich damit, dem usurpierenden Fremdherrscher praxisorientiert die nun wieder kleiner bestellten  Blöcke laut Bestellliste anzufertigen.
Die Größe, Form und Anordnung der Keiltaschen orientiert sich am System der mittleren Größe wie die zuvor im Neuen Reich verwendeten, mit jedoch beliebigen Abwandlungen, oft mit einer Länge von ca. 8 – 10 cm und in etwa quadratischem Querschnitt.
Als auffallende Neuerung gesellt sich noch die “überdimensionale“ Keiltasche hinzu. Sie entspricht dem System aus dem Alten Reich der Version ARII, jedoch mit Längen über 20 cm und Breiten von 8- 10 Zentimetern. Zu sehen am “Gesteinsschutt“ der Spätzeit auf Elephantine und im Mons Claudianus Steinbruch.  
Lediglich zum Steinraub an den Pyramiden etablierte sich eine zusätzliche Kreation der Steinspaltung mit dem Ziel, Steinplatten oder  Tranchen herzustellen. Hierzu wurde an bestehenden Blöcken eine einseitig, mehrseitig oder auch umlaufende tiefe Spitznut mit oder ohne Stege eingearbeitet, um nacheinander an den Seiten stumpfe Keile einzutreiben.
Die zweite Version würde sogar ohne Keile auskommen, nämlich indem man nacheinander umlaufend den Schrothammer (hammerartiges Werkzeug mit einer dem Stiel gleichlaufenden Schneide) in die Nut setzt und mit einem Schlägel periodisch eintreibt. (Vielleicht auch 12. Jh. n. Chr.?)              



2.6.) Die römischen Keilspalttaschen in Nordeuropa im 2. Jahrhundert nach Christus sind in etwa 8 – 10 cm lang, 6 – 8 cm breit, bevorzugt mit einer deutlichen Tiefe von ca. 14 cm und ausgeprägt konisch gleichmäßig eingezogen. Der Abstand beträgt ca. eine knappe Keiltaschenlänge. Solche und ähnliche Varianten wurden in Ägypten nicht gefunden.    



2.7.) Ein Schlusswort zur Größe, Form und Anordnung

Der oben beschriebene Fundkontext stellt nur die wesentlichen Charaktere der vorherrschenden Keilspalttaschen dar. Die technische Entwicklung im beobachteten  Zeitraum von ca. dreitausend Jahren, das Experimentieren der Schmiede und der Steinbrucharbeiter sowie die handwerkliche Arbeitsweise lassen Abweichungen vom Prinzipiellen erkennen. Deshalb wurde weitgehendst versucht auf Zentimeterangaben, Tabellen oder Statistiken zu verzichten.             



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3.0.)  Die Auffindung von Keilspaltspuren in der näheren Umgebung von Assuan und ihre zeitliche Einordnung   


Um sich von den widersprüchlichen Aussagen zur Keilspalttechnik selbst ein Bild zu machen, beschreibe ich für jeden der drei bis vier Tage Zeit hat einige Orte wo, und in welcher Ausführung die  Keilspalttaschen zu finden sind.
Die Ordnungszahlen bezeichnen meine Bildnummern und sind für den Leser nicht von Bedeutung. Für die Angaben der Himmelsrichtungen (Kompassrose) werden die internationalen Kürzel verwendet.
(Keiltasche = Keilbuchse, Schrotflächen sind die senkrechten Seitenwände der in den massiven Fels eingearbeiteten Gräben, Gassen oder auch Schrotgräben)  


3.1.)  Das Nubische Museum in Assuan
ist auf einem Granithügel des örtlichen Rosengranits gebaut. Zur Auffindung der Keilspaltlöcher begeht man den Außenbereich im Uhrzeigersinn und stößt alsbald zu seiner Linken auf einen antiken kleinen Steinbruch.  

105/106   Im westlichen Außenbereich sind an einem Findling schmale, kleine Keillöcher sowie unterhalb die Anfänge von Großkeiltaschen ersichtlich. Angesichts der Verwitterung an den Arbeitsspuren, die denen der Steinoberfläche gleichen sind sie als frühzeitlich anzusehen.


Die Ausarbeitung dieser zwei unterschiedlichen Systeme erfolgte etwa zeitgleich weit vor dem Alten Reich, da die Ausführung der Großkeiltaschen noch etwas unbeholfen ausfällt.
       
108  Am westlichen Abhang sehen wir einen kleinen Steinbruch mit uralten unregelmäßigen etwas plumpen kleinen Keillöchern am östlichen Top-Block, die den Beginn der Steinspaltung in der Frühzeit (FZ) bezeugen.     

An der westlichen Flanke und an der darunter befindlichen Stufe sehen wir im vertieft gespitzten Streifen unterschiedlich lange Keilspaltbuchsen des Alten Reiches der Version II.
Am Vorsprung in der linken Ecke der Steinbruchsohle erkennen wir vier stark eingezogene (konische) Großkeiltaschen die zur Abspaltung von Kleinblöcken dienten.
In der zentralen Galerie bezeugen die Großkeiltaschen ARI, die sich einstellenden Schwierigkeiten zum   Abbau des Kerngesteins. Die Folge waren sichtbar unebene abgeschalte Bruchflächen mit ungewollter Ausbeute, da der Fels mangels freier Seiten noch zu stark dem Gebirgsdruck ausgesetzt war.    

Insgesamt lässt sich hier die Abbaufolge bestens nachvollziehen:
Am Anfang stand neben dem Beiseiteschaffen von Findlingen und Losbrechen von zerklüfteten Fels die Keilspaltung mit den etwa  eigroßen Keilen. Der nächste Schritt waren drei unterschiedliche Systeme die auf die Problematik des Gesteins ausgerichtet und mit mehr oder weniger Erfolg ausgeführt wurden. Die zeitliche Abfolge wird mehrere Jahrhunderte gedauert haben, da ein konsequentes Vorgehen nicht feststellbar ist. In Folge der geringen Nachfrage und oder des hohen Aufwandes Granit zu bearbeiten, sind immer nur sporadische Abbaustellen mit schwacher Ausbeute in der betreffenden Zeit anzufinden.  

113 Ein paar Meter weiter sieht man in der meterdicken Erosionsschicht eine dreiseitig eingesetzte Fläche mit länglichen Spitzhammerspuren als Sondierungsschnitt (FZ).  

119  In den NE-Außenanlagen beließ man ein Zeitfenster zu den ältesten Abbauspuren. Zu sehen sind mittelgroße in der Form unregelmäßige Keilbuchsen mit inzwischen den der Felsoberfläche angepasster Verwitterung (FZ/AR).  

Im Nubischen Museum befindet sich hinter der Kolossalstatue Ramses II, eine Informationstafel mit dem Hinweis, dass der Ursprung des Granitabbaus auf die uralte Keilspalttechnik zurückzuführen ist, und mit Holzkeilen ausgeführt worden sei. Gegen die Holzkeilthese sprechen die nicht gefundenen Holzkeile und die mit einem Meißel gespitzten Hiebe in und um die Keiltaschen herum, die nur mit gestähltem Werkzeug ausführbar waren, zudem sind die überlieferten Keiltaschen nicht für Holzkeile konzipiert. Dass eine Spaltung  mit Holzkeilen nicht zu erzielen ist beweisen Experimente und das Wissen der Ägyptologie. Insbesondere die ausschließlich zitierten Forscher R. und D. Klemm, die zu Recht nur Eisenkeile für die Gesteinsspaltung zulassen – und weil ihrer Auffassung nach die Römer die ersten gewesen seien, die Eisen in Ägypten verwendeten, wurden alle Keiltaschen in die Römerzeit verlegt.           




3.2.) Die archäologische Grabungsstätte des DAI auf Elephantine  

3.2.1.)  704  Am Ufer des Treppenaufgangs zum Museum (im Grabungsgelände) finden wir zur linken Hand als erstere und oberste Spuren die kleinen Keillöcher an einem Findling an der Wasserlinie, weiter oben am Fels nun etwas sorgfältiger ausgeführte.
Ein abgespaltener Felsbrocken im Bereich der höchsten Nilflut – erkennbar an der endenden schwarzen Verfärbung – zeigt an seiner Oberkante eine Serie, die mit einer sehr großen (ca. 20x20 cm) Keiltasche beginnt und mit vier folgenden kleiner werdenden Typen endet. In der Schrägen darunter vier großformatige Keilspaltbuchsen, deren Spaltung nicht ausgeführt wurde .
An der zylindrischen Öffnung des ehemaligen Mineralgangs und rechts daneben finden wir je drei senkrecht übereinanderliegende Keiltaschen des Typs ARII, etwas rechts dahinter zwei Keiltaschen des Typs ARI. Die trapezförmige Fläche oberhalb des Mineralgangs wurde mit einer ca. knapp 3 Meter langen Spaltung horizontal abgetrennt. Die dazugehörigen und weitere in der Nähe auffindbaren Spaltbuchsen ähneln dem Typ ARII mit unterschiedlichen Längen und manchmal rundlich ausgespitzt.  

Etwa 5 Meter weiter südlich ist eine erfolgreiche Abspaltung eines etwa 4 Meter langen Monolithen  mit einer Höhe von ca. 70 cm und der Breite von ca. 1 Meter zu erkennen. Die mit dem Spitzeisen in unterschiedlichen Größen ausgearbeiteten und nicht genau auf einer geraden Linie stehenden Keiltaschen wurden an den beiden Längsseiten der  Spaltfläche eingearbeitet. Dieser sonst kaum zu beobachtende Prototyp von sich gegenüber liegenden Keilreihen aus dieser Zeit lässt vermuten, dass hier ein neues System auf die Ausführbarkeit getestet wurde, da für solche Blockgrößen in der Regel eine Keilreihe ausgereicht hätte.

Weiterhin sind in diesem kleinen Areal ca. ein Dutzend teils nur angefangene oder fertiggestellte Keilreihen sich ähnelnder Systeme, teils mit oder ohne Spaltvorgang erkennbar. Es scheint, als ob man sich sehr viel Zeit nahm und keine Mühen scheute, und trotzdem kein wirklich rentabler Steinabbau stattgefunden hat.   

Wie wir wissen, war die kleine Insel Elephantine die Stadt des Adels und von Handelsleuten, für Steinmetzen und Steinbrucharbeiter wird wohl eher kein Platz gewesen sein. Von daher ist zu vermuten, dass man unter Aufsicht hoher Beamter verschiedene Systeme der Keilformen ausprobierte, bzw. eine neue Lieferung von Eisenkeilen vor dem Kauf auf ihre Tauglichkeit überprüft und getestet hat. Fehlspaltungen und der daraus bedingte Verlust des Rohmaterials konnten schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Deshalb und wegen des den enormen Arbeits- und Materialaufwands zur Blockherstellung waren solche Musterflächen in dieser Zeit der Lernphase entscheidend.    




3.2.2.)   Archäologische Grabungsstätte des DAI
(Rundgang siehe http://wikitravel.org/de/Assuan/Elephantine)

Man beginnt den Rundgang am Museumsgebäude, durchquert im Süden einen kleinen Garten und startet am Durchgangs-Tor des Metallzaunes. Zur Auffindung von Keilspalttaschen biegen wir gleich links ab, nach Süden zu Station Nr.4: Reste der frühzeitlichen Festungsmauern und der Siedlung des Alten Reiches und Nr.5: Bauteile des Chnum-Tempels westlich des Weges. Diese Architekturfragmente stammen aus dem Mittleren Reich, dem Neuen Reich (18. – 20. Dynastie) und der 29. und 30. Dynastie.

714   Gleich rechts am Weg sehen wir einen wieder zusammengesetzten etwa 8 Meter langen Reliefblock auf dessen Rückseite die spätzeitliche (römische ?) Keilspalttechnik abzulesen ist. Es sind ca. 8 – 10 cm lange, in gleichmäßigen Abständen derselben Länge, leicht konisch eingearbeitete Keilspaltbuchsen. Sie sind im Vergleich zu denen des Alten- und des Neuen Reiches deutlich kleiner.  

043   Hinter zwei Säulentrommeln die am erhöhten Fundament des Chnum-Tempels stehen erkennen wir an einem Architrav Block dieselben Konturen.  

030/037  Man durchquert nun den griechisch-römischen Vorhof des Chnum-Tempels (NR. 11) in westliche Richtung bis zu seiner linken Seite ein Granit-Schuttplatz zum Vorschein kommt. Hier sieht man einen obenauf liegenden Granitblock mit den sehr großen spätzeitlichen (römischen ?) Keilspalttaschen.    



752   In NW-licher Richtung hinter der Versorgungsanlage der 12. Dynastie (Nr.20) befindet sich im zurzeit gesperrten Bereich die Stufenpyramide aus der 3. Dynastie.
Ihr Kernmauerwerk besteht aus Findlingen und nur grob zugerichteten Hartgesteinen verschiedenster Art. Viele Spaltflächen sind durch eintreiben von Keilen in gesteinseigene Risse und Klüfte entstanden, was durch kleine Abplatzungen am Rand und spitzzulaufenden Abdrücken ersichtlich ist. Auf den oberen lagen erkennt man vereinzelt Magmagesteine, die mit dem Spitzeisen zugerichtet wurden.
Vielleicht durch Abbau oder Einsturz der Pyramidenfläche im Süden und einer größeren Fehlstelle an der SE-Ecke befindet sich ein Streufeld der ehemaligen Pyramidenbausteine. Nur bei sehr genauer Untersuchung fallen einige sehr einfach gearbeitete Keiltaschen und des Öfteren deutlich eingearbeitete Kerbspuren zur Aufnahme von einfachen Keilen auf (778).  

771   Ein sehr auffälliges Unikat ist ein etwa 60 cm langes Bruchstück aus grau-grünlichem Gneis mit zwei großformatigen Keiltaschen (ARI) im SE-lichen Freiraum zwischen Pyramide und den Wänden aus Lehmziegeln. Da dieser Gneis ausschließlich an der Pyramide verwendet wurde, und sonst nirgends auf der Insel identifizierbar ist, dürfte dieses Artefakt als autochthon einzuordnen sein.    



3.2.3) Der äußere Südbereich

Wir begeben uns nun zum NW-lichsten Punkt des äußeren Geländes am Nilufer, indem wir das Grabungsgelände am SW-lichen Tor von Ajula (Nr. 15, 16) verlassen und im Uhrzeigersinn nach ca. 300 m die nördliche Begrenzungsmauer zu erreichen. Von dort erkunden wir die gesamte Ufergegend gegen den Uhrzeigersinn bis wir letztendlich die äußere SSE-lichste Ecke von Elephantine erreichen, wo wir alsbald von Fährleuten der Festlandsseite erkannt und abgeholt werden. Es sei noch auf den unübersehbaren NWW-lichen Basaltgang hingewiesen, an dem der Abbau von kleinen Basaltquadern durch einfaches abdrücken oder abspalten erfahrbar wird.   
Der Lohn dieser Exkursion sind hunderte Keilspalttaschen unterschiedlichster Zeiten auf die ich nur kurz eingehen will.

780 – 845  Als Abfolge des Steinabbaus finden sich wiederum die kleinen unbeholfen gearbeiteten Keilspaltlöcher als erstere an leicht zugänglichen Felsen, deren Arbeitsspuren durch Erosion bereits stark verwischt sind, und einen nicht nennenswerten Steinertrag bewirkten. In der Regel sind zwar die Lochreihen vorhanden, eine Spaltung erfolgte nur äußerst selten. Ein Grund dafür ist die geringe Keiltaschentiefe von ca. 7 cm, die das spaltbare Kernmaterial nicht erreicht. In der oberen stark geschwächten Mürbzone verschiebt sich das am Keil anliegende Gesteinsgefüge bis er Aufsitzt und zu federn beginnt.     

Erst die  Keilspalttaschen des Alten Reiches erlaubten die Gewinnung regelmäßiger Blöcke, zumindest konnten sehr erfolgreiche Spaltungen, eventuell zu Testzwecken, ausgeführt werden. An der kleinen dreistufigen Abbaustelle im Norden, hat man ein paar wenige Stelen oder kleine Obelisken erfolgreich abgebaut. Das obig beschriebene Phänomen des “Nichtspaltens“ in der Erosionszone hat man derzeit bereits erkannt und legte zum Erreichen des Kerngesteins vertieft ausgespitzte schmale Gräben an. Experimentiert wurde auch mit vertieft eingesetzten Flächen entlang der Spaltlinie die mit Spitzeisen ausgearbeitet wurden . Dieses parallele Auftreten mit den Spuren der Frühzeit verdeutlicht den Fortschritt in der Lernphase, sowie das hohe Alter des ersten Probierstadiums.      

Die wenig vorhandenen, sehr regelmäßigen Keilschlitze des Neuen Reiches finden wir oft an vorher mit schwerem Spitzeisen eingetriebenen Vertiefungen (Schrote, Nuten), um das spaltbare tiefer liegende Kerngestein  zu erreichen.
Die Druckflächen der Keiltaschen heben sich durch leicht hellere Nuancen von der Spaltfläche und vom Umfeld ab.  
Die Gesamtausbeute verwertbarer Rohblöcke des gerade besprochenen Bereiches wird wohl 20 Kubikmeter nicht überschritten haben.      




3.3.) Das Gebiet von Qubbet el-Hawa “The Tombs  of Nobles“  

474   Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich die Keiltaschen den Typs ARII an der Deckenkante des Gab Nr. 34c aus der 6. Dynastie des Alten Reiches. Diese sind im quarzitischen (silifizierten) Sandstein oberhalb der Grabnummerierung leicht erkennbar. 493, 500 Ebenso finden sich die gleichen Keiltaschen an Steinabschlägen in der Eisenmine des Gebietes, das sich in Richtung Süden erstreckt.  

Etwa 1 Kilometer nördlich davon erreicht man das Steinbruchgebiet von Gebel Tingar mit Arbeitsspuren aus dem Neuen Reich, insbesondere von Sethos I, der nachweislich einen gescheiterten Obelisken – die Spitze befindet sich mittlerweile am Aufgang zu den Tombs – aus dem gelblichen Quarzit herausarbeiten ließ. Im umliegenden Gebiet mit dem violett-rötlichem Quarzit finden sich unterschiedliche Varianten von Keiltaschen die dem Typs ARII aus dem Alten Reich entsprechen.      




3.4.)  Isis Island  

682 – 700  Hier findet man im kleinen Park nördlich am Hotel Pyramisis eine seltene Oberflächenform des “echten“ Dolerit, er unterscheidet sich vom Basalt durch helle, bis zu Daumengroße Einsprengelungen von Feldspatkristallen. Auf dem ca. 40 Quadratmeter großem Areal ist der primäre Versuch des Eintreibens von Keilen in die natürlichen Felsspalten zu beobachten. Sekundär wurden einige oder auch nur einzelne Keilspalttaschen eingearbeitet, mit denen einerseits keine Spaltung erzielt wurde, andererseits wo es gelang, das Gestein trotzdem unberührt am Ort verblieb. Als Blickfang ist eine abgespaltene knapp 3x1 m große und etwa 50 cm hohe Schale an einer Gesteinskuppe auszumachen. Aufgrund der spitz (auf null) auslaufenden Spaltung blieb vielleicht ein Sarkophagdeckel als Nutzgestein übrig. Die Keiltaschen entsprechen dem Typ ARII. Das Groß des Doleritvorkommens blieb unberührt, eine gewollte Ausbeutung kann nicht festgestellt werden, eher erweckt es den Eindruck als Experimentierfeld.      



3.5.)  Keilspalttaschen am Fels der Nilufer und an vielen Orten im Großraum von Assuan zeigen ein gleiches Bild. Auffindbar sind meterlange heterogene Keilreihen mit denen nicht, manchmal nur mit teilweisem Ergebnis und selten mit Erfolg gespalten wurde. Sogar an schwer erreichbaren, speziell ausgesuchten Felsen, die für diesen Zweck bei Niedrigwasser eine Gerüststellung erforderten, finden sich senkrechte als auch waagerechte Keiltaschenreihen ohne Spalterfolg.    Trotz vieler Mühen und enormen Aufwandes verblieb das Resultat in den meisten Fällen unangetastet. Es kann sich daher nur um Versuchsreihen handeln.      




3.6.) Ein anonymer Ort, den ich hier nicht nennen will.
071 – 103  Ein Ort, an dem größere verrundete Felspartien als auch zerklüftetes Granitgestein aus der Erde ragt. In einem Radius von ca. 50 m finden sich in Form und Ausführung unterschiedlichste Arbeitsspuren die sich mit zunehmender Patinierung an den Oberflächen in Altersklassen einordnen lassen.
Die einfachen Keillöcher mit stark verwitterten  Konturen sind jeweils am oberen Horizont des Rosengranits auffindbar (FZ). Eine Steinspaltung mit diesem Typ erfolgte entweder nicht oder nur teilweise mit windschiefer Bruchfläche. Ein brauchbares Ergebnis zur Erzielung von Quadern fand nicht statt.  

Mit den Keilreihen der  großformatigen Keiltaschen des Alten Reiches (ARI), einhergehend mit vorher relativ flach gespitzten Schroten (breite Nuten) wurden jeweils gute Ergebnisse erzielt. Man hat jeweils mit Zwischenstegen der doppelten, der einfachen und mit ca. 75% der Keiltaschenlänge variiert.   Hiermit gelang es große Kuppen von Findlingen sowie massiven Fels abzuspalten und dessen weitere Zerkleinerung.  

An zwei ca. 5m langen, im Querschnitt ca. 70x70cm messenden sehr uneben gespaltenen Pfeilerrohlingen wurde versucht, mit jeweils paarweiser Anordnung der großformatigen Keile in Abständen von ca. 50 cm zu verfahren. Ob dieses Verfahren nur ein Test war, oder ob die etwas aus dem Ruder gelaufenen Spaltflächen das Bestellmaß unterschritten bleibt unbeantwortet, jedenfalls hätte es einige Säulen oder Pfeiler ergeben.     
Das Keiltaschenformat ARII wurde ebenso mit gutem Erfolg am massiven Fels eingesetzt.  

Obwohl an diesem Ort und mit dieser bereits erprobten Technologie genügend leicht abbaubares Kerngestein in Blockgrößen von 1 – 2 Kubikmetern vorhanden ist, scheint es, als ob man kein Interesse daran hatte. Insgesamt drängt sich der Verdacht auf, dass Alles was kleiner war als ein Block mit ca. drei Kubikmetern nicht Akzeptabel war.  



3.7.) Zusammenfassung


Hatte man zu einer bestimmten Zeit die Routine den leichter zu spaltenden Kalkstein in Blockform abzubauen, so konnte sich die Gewinnung der Magmagesteine mit derselben Anwendung als sehr eigenwillig und mit weniger Effizienz erweisen. Die exzellent gearbeiteten Bausteine der Grabkammer und die Verschlussblöcke der Djoser Pyramide waren die erste Herausforderung, die vielleicht mit vielen Rückschlägen behaftet war. Deswegen, und weil die Hartgesteine den zukünftigen Baustil prägen sollten, galt es die Effizienz der inzwischen beherrschbaren Technologie zu vervollkommnen. Obwohl man gezielt kleine Blöcke herstellen konnte, verzichtete Snofru in seinen drei Pyramiden auf den Granit. Es scheint, als wollte man sich nicht nur mit der Qualität und Ausstrahlung zufrieden geben, sondern auch mit der Blockgröße die Sedimentgesteine übertreffen, wie es dann zur Zeit der großen Pyramiden symptomatisch wird.   

In Untersuchungsgebiet stand am Anfang die Lernphase, mit den kleinen groben Keillöchern die durch die überwiegend vorgefundenen Keiltaschen der Experimentierphase (Endstadium der Lernphase) aus dem Alten Reich abgelöst wurden. In der darauf folgenden Ausführungsphase waren die Ansprüche des Cheops, Chephren und des Djedefre erfüllt, und Mykerinos musste sich am Beginn des Niedergangs des Alten Reiches, wieder mit kleineren Blöcken begnügen. Es nimmt daher kein Wunder, wenn die Keilspalttaschen des Neuen Reiches im Untersuchungsgebiet nicht vorgefunden wurden, da sie in späteren Zeiten lediglich dem Zweck dienen sollten, scheinbar unendlich große Blöcke abzuspalten.    Nur so sind die vielen hunderte, vorwiegend ungenutzten Spaltkeilanwendungen zu deuten.            




4.0.)  Keilspaltspuren im Steinbruch von Assuan  

Die Abbauverfahren im Steinbruch  

Um Blöcke vom massiven Felsvorkommen abzuspalten sind mindestens vier umlaufend freie Seiten nötig. Dies ist der Fall, wenn natürliche Risse, Spalten oder Lager genutzt werden konnten. Anderweitig mussten künstliche Schrote, Schrotgräben, Gräben oder Gassen zur Abtrennung eines Blocks im Massiv angelegt werden.    

Bevor wir den Rundwanderweg beginnen, richten wir einen Blick in den Steinbruch. Ganz links beginnt die senkrecht mit Werkzeugen abgespitzte Wand des Cheops, die in einer ca. 30 m hohen Nische endet. Rechts, von der links oben freistehenden Felsnadel finden wir später Keiltaschen des Alten Reiches. Etwas rechts der Cheops-Nische befindet sich eine ebensolche senkrecht abgearbeitete Wand, deren Ursprung an der obersten Granitdecke des Steinbruchs entstand. Auf halber Höhe ist eine rechteckige Aussparung eingearbeitet. An der ersten zurückgearbeiteten Stufe erkennt man die Keiltaschen ARII. Etwas weiter rechts erkennt man einen dritten Schacht mit deutlich ausgeprägten Spitzmeißel Spuren, der auf halber Höhe endet und wiederum fünf Meter weiter einen etwa halb so hohen Sondierungsschacht. An der Oberkante der Spaltfläche zwischen den Beiden Schrotschächten erkennt man fünf großformatige Keiltaschen des Alten Reiches. Alle Keiltaschen des darunter liegenden und des sich in die östliche Ecke erstreckenden Bereiches (Blickrichtung Obeliskenspitze) sind eine Variation des Neuen Reichs, mit sehr identischen Keiltaschen.   
Das darauf folgende Gebiet, was sich von E über S nach West erstreckt, wird in seinen oberen Bereichen vom Alten Reich geprägt,  die letzten Spuren stammen aus dem Neuen Reich.   

Die Wand des Cheops bezeichne ich deswegen so, da die Nischenbreite der Länge der ca. 70 riesigen Blöcke entspricht, die in den Entlastungskammern über der Grabkammer verbaut wurden.   Nach der Berechnung von Röder sollten im Alten Reich ca. 45.000 m3 Fertigmaterial verbaut worden sein (wobei Djedefre nicht mit eingerechnet ist), was ungefähr 100.000 m3 Materialabbau im Steinbruch entsprechen sollte.      



4.1.) Der NNE-liche Außenbereich (048-067, 513-527)  

Bezeichnend finden sich hier Keillochreihen der Frühzeit, meist ohne ausgeführte Spaltung an Wollsackblöcken und an leicht zugänglichen Felsformationen. Die Nichtverwertung dieser Versuchsreihen begründet sich auf die äußerst schlechte Qualität solcher Oberflächenmaterialien.  
Der zweite Schritt ist das Eintreiben von Eisenkeilen in Zerklüftungen und Aushebeln der Bruchstücke um an das Kernmaterial zu kommen. An Felsfragmenten mit drei freien Flächen sind es die Keiltaschen des Alten Reiches, die zur Abtrennung von Blöcken mittlerer Größe führten. Vorwiegend fand der in größeren Abstand gesetzte Typ ARI sowie der Typ ARII mit in einer vorher gespitzten Nut Anwendung.   

Die Nutzung des Westhangs beschränkt sich auf zwei Nischen, die als horizontale Stufen erkennbar sind. Das weitere Vorgehen wurde eingestellt, da zur weiteren Freilegung die  nutzlosen Massen des Umgebungsgesteins hätten abgebaut werden müssen. Die Annahme, dass man die Blöcke und Formationen der Wollsackverwitterung nutzte, ist nicht haltbar, denn hier und an allen Orten sind sie unangetastet.    



4.2.)  Die Abbauverfahren im Steinbruch entlang des Rundweges im Uhrzeigersinn   Der unvollendete Obelisk zeigt in etwa nach NE. Das zentrale Abbaugebiet des Steinbruchs liegt im NW- Sektor und wird nördlich, am tiefsten Punkt auf Höhe des Grundwasserspiegels, von einer etwa 20 m hohen, senkrecht mit dem Spitzeisen oder dem Spitzhammer abgearbeiteten Felswand begrenzt ( hierzu erfolgt ein gesonderter Beitrag). Parallel dazu findet sich ein birnenförmiger Kesselabbau weiter in NNW, der von senkrecht anstehenden zerklüfteten Felswänden begrenzt wird.        

4.2.1.) Nach dem Einstieg in das Steinbruchgelände eröffnet sich der nördliche
                                                    Birnenkessel


143-158    Auf der linken Seite mit ca. 30 m Höhenunterschied, gleich vorne links erkennt man in ca. 7 m Höhe die Keiltaschen ARII an einem stehen gelassenen Felssporn (141).  Die ersten Eingriffe entlang der obersten Steinbruchkonturen erfolgten mit der Keilspalttechnik des Alten Reiches. Aufgrund der tektonischen Zerklüftung des mittleren Höhenbereiches konnte der horizontale Abbau  durch eintreiben von Keilen in natürliche Risse erfolgen. Das letzte Viertel bis zur Steinbruchsohle besteht aus einem magmatischen Rücken ohne tektonische Teilung, deshalb wurde der Abbau ausschließlich mit dem Anlegen von Schroten (Gassen) bewältigt. Der immense Aufwand ist aus heutiger Sicht kaum mehr Vorstellbar, der Lohn war aber beste Qualität von gleichbleibender Struktur und Farbe.  

In diesem Bereich befinden sich vier Sondierungsschächte von jeweils mehreren Metern Tiefe, deren innere Wandungen mit spitzen Werkzeugen abgearbeitet wurden. Ebenso weist das Muster der schüsselartigen Mulden ausschließlich punktuelle Einschläge auf, was darauf hindeutet, dass sie mit Spitzeisen oder Spitzhämmer ausgearbeitet wurden. Diese Mulden dienten zum Einebnen und  zur Herstellung gerader Flächen, wie sie ebenso auf der Oberfläche des unvollendeten Obelisken zu sehen sind. Eine zeitliche Zuordnung dieser Meißelspuren ist nicht ablesbar, da vom Alten bis zum Neuen Reich dieselben Werkzeuge verwendet wurden. Die letzte Arbeitsweise könnte aufgrund von Profilstrukturen bereits abgebauter Obelisken, dem Neuen Reich zuzuordnen sein.      


4.2.2.) Die Abbaustellen über der Cheops-Nische bis zum unvollendeten Obelisken (169-190)

167  Auf dem Weg dorthin werfen wir einen Blick zurück auf den Birnenkessel, wo am oberen ersten Eindringen in das Massiv zwei senkrechte Keilreihen, die eine mit zwei, die rechte mit drei Keilbuchsen des ARII zu sehen sind.

169  Nachdem man sich über der Cheops-Nische befindet, erkennt man gleich zur rechten Hand eine kleine Abbaustelle mit Keiltaschen des Typs ARII. Obwohl man großflächig mit strichgespitzten Nuten eine Spaltoptimierung herbeiführen wollte, scheint hier außer großer Mühen und Scherben nichts Brauchbares übrig geblieben zu sein; die Spaltungen schalten nach außen ab.  

170  Der weitere Weg, entlang der Steinbruchkante zeigt sehr alte Keilspalttaschen des Typs ARII, in mehreren Varianten und vorwiegend ohne Spaltergebnis. Sie sind noch der Lernphase zuzuordnen.

171, 174, 178  Die nächstfolgende kleine dreistufige Abbaustelle mit Säulenrelikten und Keiltaschen des Typs NR entspricht einer Testphase des späten AR, bzw. einer unvollendeten Abbauphase des Neuen Reiches ohne wirkliche Werksteingewinnung.  



181   Im weiterführenden Verlauf des Rundweges Richtung Obeliskenspitze befinden wir uns immer noch auf der Magmadecke des Kerngesteins. In der Ecke des nach rechts abzweigenden Rundwegs sind ca. 60 cm tief ausgearbeitete Schrotflächen auszumachen, die mit aufeinander folgenden Spitzhieben (Strichgespitzt) herausgemeißelt wurden, um die tieferliegende Zone des (absehbaren) Kerngesteins zu erreichen. Der sichtbare Erfolg der im Nachhinein eingemeißelten Keiltaschen des Typs ARII konnte – so sieht es aus – in Körben abtransportiert werden. (196 Drehen wir uns um, mit Blick nach Nord, sehen wir an einer Abtreppung die Keilspaltbuchen ARII)  

187    Von hier oben lassen sich die Abbaumethoden des Neuen Reiches in der großen Galerie gut einsehen. Der gesamte westliche Bereich unterhalb des unvollendeten Obelisken ist von den Keilspalttaschen des Neuen Reiches geprägt. Unübersehbar fällt eine korrekt erfolgte Abspaltung eines ca. 30 m langen Obelisken auf. Bergseitig wurde er durch einer grobgespitzten Schrotgasse vom Granitmassiv getrennt und mit einer perfekt auf der gesamten Länge angelegten Keiltaschenreihe, von der Talseite her, horizontal abgespalten.

Die gemeinsame Anwendung von angelegten Gassen und der Keilspalttechnik, die nur mit Eisenkeilen möglich war (so die Ägyptologen), belegt zweifelsfrei den Einsatz von Eisengeräten für die Schrotflächen der Gassen. Von daher, und weil der Dolerithammer keine punktgespitzten Muster erzeugt, ist sein Einsatz weder zu erwarten noch sinnvoll (siehe Experiment).  




4.2.3.)  Die Keilspalttaschen im Bereich des unvollendeten Obelisken 

190  entsprechen denen des Neuen Reiches. Vorgefunden werden sie am westlichen Durchbruch etwa auf halber Länge und  am oberen Anfang der Schrotflächen etwas südlicher. Etwa 1m über dem Niveau des Obelisken (unterhalb der Aussichtsplattform) erkennt man zwei Serien des Typs ARII, was darauf hinweist, dass die verschachtelten Abbaustufen oberhalb weit vor dem Neuen Reich erfolgten, und zweitens, dass eine bereits ausgereifte Keilspalttechnik vor dem Beginn des unvollendeten Obelisken zur Verfügung stand.  

205, 211 Wir richten den Blick zum oberen Wächterhäuschen und sehen rechts davon eine mit Erfolg abgespaltene, aber vor Ort belassene Felskappe der obersten Verwitterungsdecke. Es sind die Keiltaschen des Typs ARII, die einen ersten Eingriff in den Steinbruch bezeugen. Des Weiteren waren solche Relikte für nachfolgende Generationen ein Zeichen, dass es sich nicht sonderlich lohnt hier Hand anzulegen.  

Die Obeliskenspitze zeigt auf einen Block der oberen Verwitterungszone, an der nördlichen Begrenzung des Rundweges. Die zwei Keilreihen, mit denen einen Spaltung nicht erfolgte, entsprechen dem Typ ARII aus der Lernphase.    




4.2.4.)   Auf der Hochebene (236 - 245)

befindet sich nördlich des Wachhäuschens ein aus dem Kerngestein ragender quadratischer Sockel, dessen Südseite geschrämt ist, die Ostseite lässt Keiltaschen des Alten Reiches erkennen. Zweifellos ist dieser Ort an der höchsten Stelle des Steinbruches einer der Ausgangspunkte für die erste Steingewinnung, da man - soweit das leicht zugängliche Gestein nutzbar war - immer oben begann. Da weiterhin alle fünf Seiten für dasselbe Alter sprechen, die Schrotflächen seit dem Alten Reich bekannt sind, müssen auch die Keiltaschen aus derselben Zeit sein (was wir ohnehin schon mehrfach belegt haben).

An der Nordseite des Podestes sind zwei zylindrische Aussparungen mit je einem Durchmesser von ca. 25cm ab Bodenhöhe ausgearbeitet. Dies deutet darauf hin, dass man sekundäre Deckschichten mittels Hebelwirkung durch eingeführte Baumstämme vom Konvergenzhorizont ablösen konnte. Solche Hebellöcher sind auch SE-lich vom Fuß des “Unvollendeten“ zusehen, jedoch im Querschnitt etwas größer und als quadratische Aussparung.    


239 – 246   Zwischen Podest und Wachhäuschen
erkennt man weitere großformatige Keiltaschen ARI, den Typ ARII mit grob gespitzter Nut, sowie dazu querverlaufende flache Schrotgräben, die der Anfangsphase des Steinabbaus angehören. Diese in Rosengranit gemeißelten Tatsachen widerlegen die Ansätze der Holzkeilgläubigkeit, denn die genannten Bearbeitungen, inklusive der Keiltaschenherstellung, sind mit Holz nicht denkbar.    




4.2.5.)  Der Südost Steinbruch (214-235)

An der Oberkante der ca. 60 m langen und nahezu senkrecht abfallenden Westwand, von etwa 10 m Tiefe, bestimmten die Keiltaschen des Typs ARI  den ersten Eingriff. An der ca. 40m weiter, gegenüber liegenden SE-Seite sind es vereinzelt die Spaltspuren ARII.  Im Wesentlichen wurde das weitere Abteufen durch Eintreiben von Eisenkeilen in die naturgegebenen Klüfte betrieben. Alle Keiltaschen der Kesselsohle entstammen dem Neuen Reich.       



4.2.6.) Das abfallende SW-Gelände (252  

258   An der linken Seite sehen wir eine etwa 6x3x2,5 m große, mit dem Schrämverfahren ausgearbeitete Mulde für einen freigelegten Sarkophag, deren östliche Oberkante mit  Keiltaschen des Neuen Reichs abgebaut wurde.  

265   Anschließend lässt sich eine Abbaustelle eines etwa 10 m langen Obelisken erkennen, dessen missglückte Spaltung mit dem System des Neuen Reiches ausgeführt wurde.  

171-181  Weiter stufenabwärts, begegnet uns auf der rechten Seite ein kleines Areal mit senkrechten und waagerechten Taschenreihen des Typs ARII mit größtenteils ausgeführten Spaltungen. Die mit dem Spitzeisen ausgearbeiteten vollständig, oder nur halb vorhandenen Keilspaltbuchsen veranschaulichen die Arbeitsweise der Aussparungen.
Beachtenswert sind die Schrotgassen und Keiltaschen des Alten Reichs auf dem  Intrusionsrücken.   Durch die unmittelbare Nähe dieser Exponate zum “10 m Obelisken“ (265) aus dem NR, lassen sich die unterschiedlichen Arbeitsweisen, sowie die Patinierung (Alterssichtigkeit) im direkten Vergleich bestens ablesen.
Auf die Erwähnung der analog vorhandenen Spitzspuren der zuletzt beschriebenen Bereiche, wurde aus Wiederholungsgründen verzichtet.           





4.2.7.)   Der Südwestliche Obelisk  

282-339   An der nach links abbiegenden Zwischenebene (nach der Treppenanlage) passieren wir den “gescheiterten Südwest-Obelisk“ zu unserer rechten Seite. Mit Blick nach NE und E erkennen wir Keiltaschen aus dem Alten Reich, die auch an deren Felsrückseite vorhanden sind.

285   Wir besteigen nun die 13-stufige Treppe und begeben uns halbrechts zum “gescheiterten Obelisken“. Im gesamten Bereich finden sich mehrere Dutzend Keiltaschenreihen, die vorwiegend aus dem Alten Reich und späteren Zeiten abzuleiten sind, ansonsten dem Neuen Reich zugeordnet werden. Aufgrund der zahlreich vorhandenen Keiltaschen und aufgrund des bisherigen Wissens erscheint es als unnötig diese weiter zu Erläutern.

063   Zu Beginn der absteigenden Treppe (Richtung Ausgang), verabschiedet sich zum Schluss eine Keiltaschenreihe des Typs ARII an der rechten Granitböschung.     


Um die Feinstrukturen der bearbeiteten Oberflächen besser aufs Bild zu bekommen, ist es von Vorteil, die Schattenwirkung der Sonne abzupassen. Hier nun einige Tipps zur Optimierung der Fotografien mit gutem Streiflicht für die spätere Auswertung, mit Uhrzeitangaben im Dezember:  

10:10 Die grob punktgespitzten Schrotflächen der Cheops-Nische, als Nahaufnahme von der linken Ecke aus (536)
12:00-15 Die strichgespitzten Schrotflächen der zwei E-lichen Sondierungsschnitte an der NE-Wand der Galierie, rechts der Cheops-Nische; mit Zoom (137)
Ab 14:45 Die punktgespitzten senkrechten Flächen (Schrotflächen) der Obeliskenspitze, sowie der senkrechte Sondierungsschacht am Fuß des “Unvollendeten“ (395, 632)
Ab 14:00  Die gespitzten Schrotgassen (Schrotgräben) des SW-Obelisken (621), wo wir uns gerade befinden.  


558    Wir betreten die westliche Schrotgasse und richten unser Augenmerk auf die rauen, gekräuselten Oberflächen, wobei einzelne Einschläge der Größe des kleinen Fingernagels auffällig sind, die von höher stehenden Kristallbruchflächen flankiert werden.  

229    An der Unterseite des Obelisken, entlang der keilförmig ausgearbeiteten Sollbruchstelle erkennt man einen Längsriss, der darauf hinweist, dass sich der Massenkörper aufgrund der Eigenspannung des Granits (freiwerdender Gebirgsdruck) durch die Freilegungsarbeiten ab einer bestimmten Zurückarbeitung vom Massiv selbständig abtrennt.  

576   Offensichtliche und gut ausgeprägte Meißelspuren finden sich beidseitig, unterhalb des in der Grabenöffnung eingekeilten Felsbrockens, im östlichen Schrotgraben (576-581).  

589   Eine haushaltsübliche Geschirrbürste genügt, um eine Bodenmulde freizulegen. Bei genauem Hinsehen lokalisiert man – nur wenn sie die überwiegende Zeit gut geschützt waren – sehr kleine, sich hell abzeichnende punktförmige Grübchen. Durch Einschlagen eines spitzen Gegenstandes wurde die farbgebende Lichtbrechung der Kristallstruktur zerstört. An exponierten Stellen verwittern diese Zerstörungen im Laufe der Zeit und passen sich wieder dem Umfeld an.  

589-617    Der zweite Schritt dieser Untersuchung erfolgt durch bewässern der Mulde mit etwa der Menge eines Esslöffels voll Wasser. Es zeichnet sich eine kleine strukturierte Pfütze ab, die unregelmäßig durch kleine gefüllte Näpfchen begrenzt wird. Von daher konnte die Gesteinsabtragung nur durch die Anhäufung von punktförmigen Einschlägen entstanden sein.       




Das Experiment:  


586, 592, 600  Am Fuß des Unterschnitts der “Obeliskenspitze“ begegnen wir einer hellen, etwa Handtuch großen Versuchsfläche mit demonstrativ ausgelegten Dolerithämmern.  
Anhand dieser Doleritkugeln haben Probanden versucht, dem Granit etwas abzuringen. Das Ergebnis ist einerseits erstaunlich, quantitativ gesehen eher erbärmlich. Mit diesem Werkzeug gelang es nur, die vorhandenen alten rauen, gekräuselten Strukturen etwas einzuebnen. Die durch die ursprüngliche Bearbeitung und durch die Verwitterung geschädigten, höherstehenden Mineralaggregate konnten anfangs leicht abgeflacht werden. Durch die Zunahme der Oberflächendichte, schon im Bereich der Größe von Fingerkuppen - zwischen den tieferliegenden historischen Spitzhieben -  kommt man an die Grenze dieser Bearbeitungsart.

Fest steht, die Steinklopftechnik bewirkt weiche, verrundete Oberflächen ohne punktartige Einschläge. Wäre es überhaupt möglich, mit dem Dolerithammer in die Tiefe zu arbeiten, hätten laut Befund des Experimentes glatte Schrotflächen entstehen müssen.
Dieses weltweit einzigartige Experiment bestätigt, dass infolge des Zurückarbeitens und unter wesentlicher Veränderung der ursprünglichen Spuren, lediglich anschmiegsame, weiche Oberflächen entstehenen, die sonst nirgendwo im Untersuchungsgebiet auftreten. Der Vergleich dieser pseudoägyptischen Versuchsfläche mit den angrenzenden originalen altägyptischen Schrotflächen, beweist unzweifelhaft die Anwendung unterschiedlicher Technologien.

Die in den Granit gemeißelte Chronik des Steinbruchs dokumentiert in aller Deutlichkeit, dass zum Erreichen des Kerngesteins der Obelisken die Vorarbeit vom Meißel und von der Keiltasche geleistet wurde. Dahin gehend lässt es nur den einen Schluss zu, dass dieser erprobte Meißel auch für die Ausschachtung der Schrotgräben benutzt wurde. Wie es den Bearbeitungsspuren zu entnehmen ist. Das Miteinander von Schrotgassen, Keiltaschen und Meißelspuren seit frühester Zeit kann nur mit gestählten Eisenwerkzeugen erklärt werden.        




Zusammenfassung und Schlussbetrachtung  

Hierher gehörte eigentlich die chronologische Typologie der Keilspalttaschen, die zur besseren Nachvollziehbarkeit der Exkursion am Anfang dieser Abhandlung beschrieben wurde, siehe Punkt 2.0.. 

In Anbetracht dieser Untersuchung ließ sich eine ca. 3000 jährige Entwicklung in der Granitspaltung von uralter Zeit bis in die Spätzeit konsequent ableiten. Granitskulpturen und Keulenköpfe aus prä- und frühdynastischen Zeiten, bezeugen, dass der Rosengranit aus Assuan bearbeitet werden konnte. Hinsichtlich der Qualität, Farbe und der Polierfähigkeit des Granits, war es notwendig, sich in die Tiefe des Kerngesteins vorzuarbeiten.
Der Befund der Keilspalttaschen bezeugt eine kontinuierliche Entwicklung von der Frühzeit bis zum Neuen Reich. Die zeitliche Abfolge kann in eine Anfangs-, Lern- und Experimentier-, Test- und Ausführungsphase nachgewiesen werden, die mit mehr oder weniger Effizienz ausgeführt wurden.    

Am Anfang standen die groben, etwas unbeholfenen Keillöcher, die in einer Lernphase von mehreren Jahrhunderten zur beherrschbaren Keilspalttechnik des Alten Reichs führten. Erzielt wurden zur Zeit des Djoser bereits gute Spaltergebnisse die aber den Anspruch seiner Nachfolger nicht genügten.  

Hier wird der Beginn der Testphase anzusetzen sein. Obwohl die Technik zur Verfügung stand, war die Gesteinstrennung manchmal nicht möglich, bzw. die Spaltung missglückte, was in und in der Umgebung von Elephantine an hunderten Testreihen nachweisbar ist. Diese an vielen verschiedenen Orten mit individuellen Bedingungen ausgeführten Versuche schonten derweil die Ressourcen im Steinbruch.

Man musste erst Erkennen dass nicht nur die Richtung des Spaltkeils, sondern auch die Anordnung und Ausrichtung der Granitstruktur (Gefüge) – der Fachmann spricht heute von Kopf- und Gangseite - das Ergebnis beeinflussen konnte.
Der immense Aufwand dieser Versuchsanordnungen rechtfertigte sich zur Vermeidung von Fehlspaltungen des wertvollen Rohmaterials und Verlust der Arbeit sowie der Folge des erschwerten weiteren Vordringens in den Fels .

Die Pharaonen wollten sich nicht nur mit den höherwertigen Eigenschaften und insbesondere der Farbenprächtigkeit des Granits die Sedimentgesteine übertreffen, sondern auch in der Blockgröße - die von der Königskammer des Cheops und den darüber liegenden Großblöcken der Entlastungskammern gefordert waren.

Für die Ausführungsphase des Alten Reiches konnten an den Experimenten als auch im Steinbruch zwei unterschiedliche Taschentypen identifiziert werden, wobei der Typ ARI wegen unsicherer Ergebnisse durch dem späteren Typ ARII bevorzugt wurde. Diese Keiltaschentypen finden sich analog an den Pyramiden des Mykerinos und des Djedefre.  
Das unermüdliche Bestreben und mit dem Ehrgeiz der Maxime “Nichts ist unmöglich“, entwickelte man im Neuen Reich die perfekte Keilspalttechnik, um riesige Monolithen und bis zu 30 m lange Obelisken aus dem Granit zu lösen.
Die darauf nachfolgenden Epochen verwalten lediglich das Wissen der Vorfahren.  

Der Rosengranit-Steinbruch von Assuan belegt in aller Deutlichkeit, dass die Anfänge des Steinabbaus mit Meißeln und Keiltaschen erfolgten. Alles Vordringen in den Fels und das Abspalten von Blöcken wurde mit der Keilspalttechnik ausgeführt. Es gibt dort keinen Ort, wo diese Technik fehlt.  

Nur an Intrusionskörpern, wo natürliche Risse und Klüfte fehlen, mussten künstliche Gassen mit dem Schrämverfahren angelegt werden. Diese sekundäre Arbeitsweise erfolgte mit denselben Meißeln, die zur Herstellung der Keiltaschen und der gespitzten Schrote (Nuten) bereits Verwendung fanden. Dafür spricht, dass die Vorarbeit zum Erreichen der  Gassenoberkante durch die Keilspaltung und Meißelspuren erfolgte, dass alle drei Arbeitsweisen zur gleichen Zeit angewendet wurden, weil sie sich gemeinsam an gleicher Arbeitsstelle abzeichnen.   
Zweitens, weil alle Schrotflächen gespitzte Oberflächen aufweisen, deren Struktur eindeutig nicht von der Arbeitsweise des Dolerithammers stammt (siehe Experiment).  
Schon allein durch die Aussage von R. u. D. Klemm, dass alle Spaltkeiltaschen römisch sein sollen, weil die Römer die ersten gewesen seien, die mit Eisenwerkzeugen arbeiteten, müssen die zeitgleich ausgeführten Schrotflächen auch mit Eisenmeißeln gespitzt sein. Die Nutzung des Eisens erklärt sich also aus den Arbeitsspuren am Granit. Nur die Römer waren es nicht, die Pyramidenbausteine und Obelisken aus dem Assuan Steinbruch abbauten.  


Die Chronik des in Granit gemeißelten “genetischen Fingerabdrucks“ der Keilspalttaschen führt uns in die altägyptische Frühzeit, wo die Wurzeln ablesbar sind, und sich die Entwicklung der Spaltsysteme über Jahrtausende nachprüfbar überliefert hat.     Bei dieser Dokumentation wurde Wert auf Nachvollziehbarkeit gelegt. 





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