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Inhaltsangabe:

# 73     100831    Gewinnung von Granit mit dem Brennstrahlverfahren  
# 74     100909   Beweise, Bilder von punktgespitzten                          
                          Granitoberflächen im Alten Reich
# 75     101003   Bild: gespitzte Rosengranit-Fundamentsteine
                                 der Mykerinos-Pyramide     


01.12.2018   Neu eingestellt, siehe unten:
              
       170925   # 88  Sokar im Alten Reich als personifizierter Schmied
                                    und der Wind  (Sokar im Sänftenied)

       181020   Die Schmiede der Masai - eine Geschichtsforschung -
   



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100830  
     # 73  Die Gewinnung von Granit mit dem Brennstrahlverfahren         

siehe auch : http://www.hude-tetik.de/begriffsbestimmung.htm  


Die Geländebeschaffenheit und die Art und Lagerung der Gesteine bestimmen die Abbaumethode. Je wertvoller das Gestein, desto sorgfältiger der Abbau. Ursprünglich horizontal gelagerte Schichten wurden durch Hebung und Senkung der Erdkruste zerbrochen und gegeneinander verschoben. Dadurch wird der Abbau des Gesteins schwieriger und kostenträchtiger. Bei der Gewinnung macht man sich natürliche Klüfte zunutze. Zunächst werden Großblöcke mittels des »Brennstrahlverfahrens« herausgearbeitet..
Hierbei wird eine Raketenflamme mit Ultraschallgeschwindigkeit und einer Temperatur von 1200° C auf das Hartgestein gerichtet. Durch die thermische Ausdehnung an der Oberfläche platzt jeweils eine dünne Gesteinsschicht ab. Die Flammgase entfernen das lose Material, wodurch sich dem Brennstrahl eine stets frische Oberfläche bietet. Direkt am dabei entstandenen Schlitz sind die Gesteinsoberflächen durch den Temperatureinfluß bis in eine Tiefe von ca. 10 cm verfärbt. Das daran angrenzende Material ist für die Weiterverarbeitung zu hochwertigem Werkstein geeignet. Anschließend erhalten die Großblöcke durch Schieß- oder Keilspaltung die gewünschte Größe.
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 Hallo Thomas,   das Brennstrahlverfahren funktioniert in der Tat zur Herstellung von Freischnitten zur Trennung von großen Massivblöcken im Granitsteinbruch. Ebenso eignet es sich zur rutschsicheren Oberflächenbearbeitung von z.B. Stufen oder Gehwegsplatten. Der Clou der ganzen Geschichte ist, dass die Materietemperatur in Sekundenbruchteilen auf ca. 1200° C erhöht wird. Die nun unterschiedliche, schlagartige Ausdehnung der vorwiegend fünf verschiedenen Mineralien des Granit`s bewirkt ein explosionsartiges schuppiges Abblättern mit der Folge von Substanzverlust. Erzeugt wird diese Hitze durch Hochleistungs-Dieseldüsen oder Acethylengas unter Zugabe von reinem Sauerstoff mit ca. 250 bar.   Hierzu ein kleines Experiment, wir nehmen Holzkohleglut mitsamt Blasebalgbetrieb oder einen Propangasbrenner und erhitzen eine beliebige Granitoberfläche auf ca. 900° C,, halt, was die Feuer hergeben; Was passiert ? Nichts !, wieso ?, weil der Stein langsam erwärmt wird und somit die Spannung aufnehmen kann. Dies ist auch den alten Ägyptern so geschehen und sie ersparten sich deshalb weitere Versuche mit nutzlosen verbrennen von Holzkohle.   Was ich damit sagen will, es funktioniert eben nur mit Zitat: Hierbei wird eine Raketenflamme mit Ultraschallgeschwindigkeit und einer Temperatur von 1200° C auf das Hartgestein gerichtet.    

Zur Bronzestatue Peters des Großen im Jahre 1777, in St. Petersburg:  
Wieso hat man 400 Tonnen Granit aus den Sümpfen von Finnland zuviel mit gebracht ?
Welcher Aufwand wurde mit Holzkohle und zwei riesigen Blasebälgen betrieben, um durch ständiges aufheizen und dann mit einfachen Schlägen mit einem harten Gegenstand, der genügte, um eine Schicht des Steines abzuhauen, um schließlich einen Schutthaufen von 400 Tonnen Granitscherben zu erzeugen ?  

Nein, nein, so kann es nicht gewesen sein. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um einen Sensationsbericht eines Reisenden, der Legenden, Mythen und Gerüchte vermischte.   Fakt ist, dass weder Feuersetzen noch Brennstrahlverfahren hier zur Anwendung kam, bzw. dessen Aufwand-Nutzungsfaktor eine Rolle spielen hätte können.

Fakt ist, dass man im 18. Jahrhundert überhängende Gesteinsteile oder zuviel an Masse mittels Keillöchern und Eisenkeilen abgesprengt hätte. Fakt ist, dass ein sehr heftiges Holzkohlenfeuer, das durch zwei große Schmiedebälge angefacht wurde, zum Guss der ca. 8 Tonnen schweren Bronzefigur benötigt wurde, was dann eher den Sachverhalt erhellt.  

Fazit: Für die altägyptische Zeit erfuhr der Dolerithammer keinen Vorteil durch Feuersetzen oder durch das Raketenbrennstrahlverfahren. Die Funde von Dolerithämmern und Feuerstellen an den Pyramidenbaustellen könnten darauf hindeuten, dass eiserne Halbfertigprodukte für Werkzeuge vorbereitet, bzw. wie von mir angenommen geschmiedet und nachgeschärft wurden.   Was dazu Anlass gibt, dass die Alten Ägypter ein Verfahren kannten, wie man Granit oder Hartgestein sachlich bearbeitet. 

 Armin Wirsching in “ Obelisken transportieren und aufrichten in Ägypten und in Rom “ hat sich sehr eingehend mit dem Thema beschäftigt. Er kann sich in keinster Weise mit den Dolerithammerspuren und dessen Benutzung am unvollendeten Obelisken anfreunden. Viele Grüße, cq.      





100909  Bilder Punktgespitzte Oberflächen im Alten
             Reich                                          # 74  

Hallo Thomas, befassen wir uns mal mit folgender Frage : Was leistet der Dolerithammer und welche Spuren sind uns aus dem Alten Reich überliefert ?  
Bild 1:   aus  http://www.benben.de/Kern/Kern5.html    


Bild “Bohrung in Rosengranit“ für eine Türangel im Pyramidenkomplex der Königinnen von Pepi II. in Sakkara-Süd , 6. Dynastie. Man sieht unverkennbar die gespitzten Oberflächen in der Wannenauskleidung und im Umgebungsbereich.   Grafikadresse Bild  http://1.2.3.10/bmi/www.benben.de/Kern/Kern/pepi2.jpg     





 Bild 2:    Aus dem Thread:   http://www.aegyptologie.com/forum/cgi-bin/YaBB/YaBB.pl?ac=0&board=kua&action=display&num=1001596917                            

Grafikadresse  http://1.2.3.12/bmi/www.aegyptologie.com/forum/attachments/kernbohrung.jpg


Auch dieses Bild bezieht sich auf Kernbohrungen in der 5. Dynastie. Wichtig für uns ist die Detailaufnahme der steinbearbeiteten Oberfläche in Granit, charakteristisch sind Netzgespitzte Strukturen zu erkennen.        


Bild 3 :  Thread    
http://www.faszination-aegypten.de/forum/pyramidenbau-ohne-rampen-e-unterberger-2008-t-4314.html      
aus Beitrag # 5,  Bild von E. Unterberger                                        
Detailaufnahme der Außenverkleidung aus Rosengranit an der Mykerinos Pyramide aus der 4. Dynastie.  Bild vergrößern und vorspringende Unterseiten genau betrachten. Aufgrund der exponierten Lage der Schrägsichtsflächen sind die Spitzspuren weitgehend zurückgewittert und kaum mehr nachvollziehbar. An den beschatteten Unterseiten sind jedoch akribische Spitzhiebe deutlich erkennbar.    


Grafikadresse   http://www.faszination-aegypten.de/forum/attachment.php?aid=172      

Bei genauer Betrachtung der drei Bilder stellen wir körnige, vertieft-erhaben narbige Oberflächen fest. Im Fachjargon wird es als Punkt- oder Netzgespitzt bezeichnet.   Gleiche Muster sind auch am Boden und in den Ecken des Cheops Sarkophag sowie an der Plinthe der Chephren Statuen leicht erkennbar, u.v.m.  


Weiter mit Bild 4: aus homepage :
http://www.steingestalter.de/Harlacher/html/steinbearbeitung__4.html                

Grafikadresse  http://1.2.3.9/bmi/www.steingestalter.de/Harlacher/assets/images/db_images/db_Kalkstein-punktgespitzt-ueberschliffen-2503.jpg  

Hier sehen wir eine aktuelle punktgespitzte Oberfläche, welche aus gestalterischen Gründen angeschliffen wurde. Der Anschliff übernimmt nun für uns den Abrieb, die Nutzung oder die viertausendfünfhundertjährige Erosion (wobei sich der Granit nicht sonderlich beeindrucken ließ).    

Als Ergebnis dieser Betrachtung stellen wir fest, die Oberflächenerscheinungen sind annähernd identisch. Das heißt, die Granitoberflächen der Verwendungssteine im Alten Reich wurden mit Spitzmeißeln bearbeitet und nicht mit dem Dolerithammer.  
Sollte der Dolerithammer nach Meinung mancher “Forscher“ solche Spuren gemacht haben, beweisen wir das Gegenteil:  


Versuch Nr.1: Wir überarbeiten diese gespitzten Oberflächen mit einem scharfkantigen Dolerithammer. Was passiert ?  Durch das schlagen mit einem scharfkantigen Dh. auf die besagten Oberflächen würden sich die Erhebungen bis auf das Niveau der vertieften Spitzhiebe einebnen. Es entsteht eine raue relativ gleichmäßige Ebene.  Die von den alten Ägyptern gespitzten punktförmigen Vertiefungen gehen dabei bis auf den Grund verloren.


Das heißt erstens, der Dh. macht keine punktgespitzten Oberflächen, zweitens, für sekundär zu schleifende Arbeiten könnte der Dolerithammer dazu eingesetzt werden um die vorausgegangene Formgebung mit dem Spitzeisen auf ein gewünschtes Schleifmaß einzuglätten.

Die dritte Erkenntnis ist, dass eben die Dolerithämmer nur bei den ersten Schlägen scharfkantig waren und den größten Teil ihres Daseins als verrundete Pounder verbrachten, was dann nicht mal Kratzer geschweige denn punktförmige Vertiefungen erzeugen konnte.  

Die rechtwinkelig eingesetzten schwalbenschwanzförmigen Aussparungen am Taltempel des Chephren können wohl ebenso wenig mit Steinhämmern hergestellt worden sein.   Letztendlich geben uns die unfertigen Statuen des Mykerinos  (Diorit und roter Granit) Einblick in die damals verwendeten Steinmetzgeräte.

Die geführten Werkzeuge überliefern uns unverkennbar typische Spitz- und Breitmeißelspuren. Bildquelle: Reisner, Mycerinus, Beschreibung der Statuen ab Seite 112, die Bilder sind auf Tafel 62 – 63  zu finden.  ( Download  170 MB ) http://www.gizapyramids.org/pdf%20library/reisner_gn_books/mycerinus/reisner_mycerinus.pdf  

Ergänzend beschreibt Karin Dohrmann, Eine Analyse der Sitzstatuen Sesostris I aus Lischt, Seite 145 – 146 die von mir angedeuteten Werkzugspuren.    

Fazit: Die überlieferte Charakteristik der Bearbeitungsspuren an Granitbausteinen zur Zeit der Pyramidenbauer zeichnet sich durch Spuren von Spitzmeißeln aus, welche auch nur mit gehärteten Eisenmeißeln zu bewerkstelligen waren.

Das Arrangement des Dolerithammers reicht nicht aus um punktgespitzte Oberflächen herzustellen, er hat aber seine Berechtigung zur Einebnung für anschließende Schleifarbeiten.   Beidhändig geführte Spitzhacken, Zweispitz oder Dechsel sowie Hammer und Spitzeisen gaben dem Granit die Form und das Profil, zur abschließenden Glättung kam der Dolerithammer zum Einsatz.  

Archäologische Befunde von Holzkohlefeuern und Steinhämmern an Pyramidenbaustellen und in Stein- bzw. Granitsteinbrüchen lassen darauf schließen, dass die Luppen aus den Verhüttungsstellen der Rennöfen zur Herstellung von eisernen Halberzeugnissen mit solchen Steinhämmern aus Dolerit verdichtet und gehämmert wurden.  

Für die Feinbearbeitung der Spitzeisen ist anzunehmen, dass bereits eiserne Hämmer zur Anwendung kamen.  Soweit von mir, cq.          





101003   Bild gespitzte Rosengranit-Fundamentsteine der 
              Mykerinos  Pyramide                     # 75  

Hallo alle zusammen, als Ergänzung zu Beitrag # 74, zeigt und ein Foto aus Wikipedia / Mykerinos Pyramide / Wikimedia Commons,,

Originalbild: http://1.2.3.9/bmi/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5b/Menkaura_piramyd_casing_badly_levelled.jpg/800px-Menkaura_piramyd_casing_badly_levelled.jpg  

sehr schön erhalten gespitzte Granitoberflächen der Fundamentierungssteine an der Umfassung der Mykerinos Pyramide. Der Umstand, dass diese zugerichteten Steinblöcke lange Zeit durch die Umgebungssteine geschützt waren – Verwitterungsmechanismen die Spuren kaum verwischten -  überliefern sie uns eindeutige fein gespitzte Oberflächen. Eines der wichtigsten Beweise für den Einsatz von Spitzeisen im Alten Reich.       Gruß, cq. 


Neuer Absatz



















Bild zu  # 75 



Gespitzte Rosengranit-Fundamentsteine der Mykerinos-Pyramide









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170925   # 88  Sokar im Sänftenlied

Sokar als personifizierter Schmied und als Schutzpatron der Schmiede und der Erzarbeiter.

Zitiert wird im folgendem aus dem Sänftenlied des Alten Reiches,

          - Sokar im Alten Reich und der Wind -  von Hartwig Altenmüller
W. Westendorf zum 60. Geburtstag
Originalveröffentlichung in: Göttinger Miszellen 78, Göttingen 1984, S. 7-13

Originaltext Seite 7 bis Seite 13:


Seite 7

Im Sänftenlied des Alten Reiches wird Sokar unter dem sonst nicht belegten Namen Dcw aufgerufen. Der Kontext des Liedes legt nahe, dass dieser Name speziell auf den Handwerkergott Sokar verweist.
Die engen Beziehungen des Sokar zum altägyptischen Handwerk sind hinreichend bekannt. Sein besonderes Ressort ist das Metallhandwerk. Dies gilt nicht nur für den profanen, sondern auch für den religiösen Bereich.


Nach Aussage der Pyramidentexte (Pyr. 1968 a.b; vgl. CT VII, 198e) stellt Sokar von Pdw-s Harpunenspitzen aus Metall und Fischspeerspitzen aus Holz her, damit der verstorbene König mit ihrer Hilfe bei seiner Wiedergeburt aus dem Ei ausbrechen kann.

Auch in den Sargtexten wird auf die Handwerkertätigkeit des Sokar verwiesen.

An einer Stelle (CT VII, 283s-284b) wird ein siebartiger Korb, mit dessen Hilfe durch den Wind geschrotetes von ungeschrotetem Korn getrennt wird, mit dem “Fell“ (h3jjt) des Sokar verglichen, das Sokar benützt, wenn er ohne Unterstützung durch Mitarbeiter Metall schmilzt.   Da das Korn beim Sieben durch den Wind gereinigt wird, könnte das mit dem Korb verglichene  “Fell“ des Sokar ebenfalls etwas mit dem Wind zu tun haben. Vielleicht verwendet Sokar das “Fell“ für das Anfachen des Schmelzfeuers. (3)

Der in Pyramidentexten 1968a (CT VII, 198e) und CT VI, 284a-b für die Tätigkeit des Sokar verwendete Fachausdruck lautet nbj  und dieses nbj  bedeutet nach Wb II, 236 “eigentlich das Feuer durch Blasen anfachen“.

Wenn Sokar als Handwerkergott der Pyramiden- und Sargtexte mit        


(3) Beim „“Fell“ des Sokar würde man daher gerne an einen frühen Beleg für den aus Leder hergestellten Blasebalg denken. Blasebalge sind in Ägypten jedoch erst im NR durch bildliche Darstellungen belegt; R. Drenkhahn, Die Handwerker und ihre Tätigkeiten, 1976, 18ff.

(6) Bernd Scheel, Studien zu den Darstellungen des Metallhandwerks in den Bildprogrammen der Gräber des Alten Ägypten, ungedr. Magisterarbeit, Hamburg 1983.      


Seite 8

der Luftzufuhr beim Anfachen des Schmelzfeuers zu tun hat, könnte der im Sänftenlied für Sokar benutzte Name Dcw von dc “Sturmwind“ (Wb V, 533) abgeleitet werden. Der Name würde dann den Gott als “Stürmischen“ bzw. “Windigen“ bezeichnen. Sokar könnte dem entsprechend ein Gott sein, der für die Luftzufuhr bei der Metallschmelze verantwortlich ist und der sich den Metallhandwerkern in der heißen Luft des Schmelzfeuers offenbart.
Die Bedeutung von dc als stürmische, besonders aber als heiße Luft wird vor allem durch späte Wortverbindungen aus dem Koptischen deutlich, die speziell auf den “Gluthauch“ oder den “dörrenden Wind“ verweisen.   Auf die Funktion des Sokar als Windgott bei der Metallschmelze scheinen sich mehrere Beischriften zu Darstellungen des Metallhandwerks zu beziehen (6). Sie sollen im folgenden kurz behandelt werden.



Dok. 1:  Beischrift zur Schmelzszene in der Mastaba des D3d3-m-anh (Djadjaemanch) aus Saqqara:

1.a.)   B. Scheel, a.a.O., 165, 194 schlägt als Übersetzung vor: “Ach, gäbe es doch Faulheit für/beim Sokar, o, dieses Handwerk (diese Künste)“ mit der Erklärung: “Der Ausspruch ist demnach als Beschwerde eines Metallhandwerkers anzusehen, der sich darüber beklagt, dass es für/beim Sokar kein Ausruhen bzw. keine Faulheit geben darf.“

Wird Sokar, wie soeben ausgeführt, als ein Gott verstanden, der in seiner Eigenschaft als Handwerkergott das Schmelzfeuer anfacht, so dass heiße Luft entsteht, ergibt sich für die Beischrift ein neuer Übersetzungsvorschlag: 1.b.)     “Ach! Ich möchte mich setzen (d.h. ausruhen) weil Sokar der Handwerker ist“.

Die Abbildung zeigt zwei Handwerker mit ihren Blasrohren vor der Feuerstelle. Aus der Feuerstelle unter dem Schmelztiegel schlagen ungewöhnlich hohe Flammen empor. Sokar, der Handwerkergott, ist es, der das Feuer anfacht. Dadurch entsteht eine für die Schmelzer kaum zu ertragende Hitze, die bei ihnen den Wunsch nach einer Ruhepause aufkommen lässt.



Seite 9

Dok.  2 :   Beischrift zur Schmelzszene in der Mastaba des K3-m-rhw (Kaemrehu) aus Saqqara:    

2.a.)  Erman übersetzt  (a) mit „“… Luft wegen (?) seinem Bruder“
und (b) mit „“Bier für (?) Sokaris, o König“ und fügt als Erklärung hinzu: (Man) könnte u. a. auf eine Klage über zu schwaches Blasen des anderen raten, worauf dann als Antwort ein Wunsch nach Bier folgen würde.“



2.b.)  B. Begelsbacher-Fischer beschreibt die Szene:   In einer Gruppe von Handwerkern, die mit Schmiedearbeiten beschäftigt sind, ruft ein Mann seinen Kollegen zu: “Die Luft wird heiß wegen seines Bruders“, worauf sich jener mit den Worten wehrt: “Bier für Sokaris, oh König!“

Es beklagt sich hier der Eine über zu schwaches Blasen des anderen, worauf als Antwort der Wunsch nach Bier ertönt!

2.c.)   B. Scheel, a.a.O., 36-37 übersetzt: (a) “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle)“ und (b) “Sokarisbier, Fürst/Patron!“ Auf S. 192 bemerkt er dazu: “Wegen der starken Hitze beim Schmelzen fordern die Handwerker offenbar in scherzhaftem Ton Bier zu Erfrischung von ihrem Aufseher bzw. Patron“.

Wird im “Bruder der Luft“ nicht, wie B. Scheel, Studien, 192, vorschlägt, “eine Metapher für den aufsteigenden Rauch, der aus der Feuerstelle bei der Verbrennung des Brennmaterials entsteht“, gesehen, sondern eine Bezeichnung für den als Windgott wirkenden Sokar, der das Feuer zur höchsten Glut anfacht, kann übersetzt werden:
2.d.)   „Die Luft wird heiß wegen ihres Bruders (d.h. Sokar). Ein Bier!, weil Sokar der Patron ist“

Der Sinn der Beischrift ergibt sich aus dem Text zur Schmelzszene bei D3d3-m-anh(Dok.  1). Sokar, der Windgott, hat das Schmelzfeuer dermaßen angefacht, dass die am Feuer arbeitenden Handwerker in der Hitze des Gluthauchs Durst verspüren und eine Pause einlegen wollen, um Bier zu trinken. Sokar ist der Patron der Handwerker, der oberste Metallschmelzer.  



Seite 10

Dok.  3:             Beischrift zur Schmelzszene in der Grabanlage der beiden Nagelpfleger Nj-anh-Hnmw und Hnmw-thepw in Saqqara   (A. Moussa – H. Altenmüller, Das Grab des Nianchchnum und Chnumhotep, AV, 1977, 135, Tf. 64).
 3.a.)   R. Drenkhahn übersetzt den zweiten Teil der Beischrift mit: „“Fern ist das Ausgußloch dort; faßt zu!“ Für das problematische mnd.t (“Wange“) schlägt sie als Übersetzung “Ausgußloch bzw. Tigelwand“ des Schmelztiegels vor.

3.b.)   Bei Moussa-Altenmüller, hatte ich eine Übersetzung vorgeschlagen, die nicht zu halten ist: “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders. Der Schmelzbrei (?) bildet sich dort. Packt an!“


3.c.)   B. Scheel gibt folgenden Übersetzungsvorschlag: “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle); die Tiegelwandung glüht, faß nicht an!“

Die Beischrift zur Schmelzszene im Grab des Nianchchnum und Chnumhotep ist vermutlich ähnlich zu interpretieren wie die beiden Beischriften in den Gräbern des Djadjaemanch (Dok.  1) und des Kaemrehu  (Dok.  2). Dort wurde wegen der übermäßigen Hitze des Schmelzfeuers bei den Arbeitern der Wunsch nach einer Ruhepause laut. Ausgehend von der Annahme, dass der heiße Wind des Sokars, des „Bruders der Luft“, die Schmelzer in Bedrängnis bringt, kann folgende Übersetzung vorgeschlagen werden:

3.d.)   “Die Luft wird heiß wegen ihres Bruders. (Meine) ‘Tiegelwand‘ (d.h. meine Haut) wird gedörrt. (Ich wünschte,) ich bräuchte nicht zuzupacken (d.h.  zu arbeiten)“.

3.e.)   Wegen der hohen Hitze, die durch den von Sokar ausgesandten starken Wind in der Nähe des Schmelzofens entsteht, befürchtet der mit dem Blasrohr vor dem Schmelzfeuer arbeitende Handwerker zu verbrennen. Seine “Haut“ , weniger wahrscheinlich nur seine “Wange“ wird geröstet/gedörrt und droht in der Glut aufzugehen. Die “Haut“ des Schmelzers wird dabei mit einem Wort (mndt) bezeichnet, das der Fachsprache der Schmelzer entnommen ist und dort als Fachausdruck für die “Tiegelwand“ des im Schmelzfeuer stehenden Schmelztiegels dient. Eine ähnliche Entlehnung aus der Fachsprache der Schmelzer zur Verdeutlichung des körperlichen Zustands der Handwerker findet sich in Dok.  4 (s.u.), wo der am Schmelzfeuer sitzende Handwerker ebenfalls befürchtet zu verbrennen und von sich sagt, er werde “zur Schmelze“ (hr nfr). Der durch die Hitze in Bedrängnis geratene Schmelzer des Nianchchnum und des Chnumhotep wünscht sich eine Pause bei seiner Arbeit und äußert seinen Wunsch durch die Rede:   “Ach bräuchte ich nicht zuzupacken, d.h. zu arbeiten!“  


Seite 11

Dok.  4:  Beischrift zur Schmelzszene in der Mastaba des Pth-spss in Abusir (M. Verner, Excavations in the Mastaba of Ptahshepses at Abusir, Prag 1976, Abb. 29).

Die Beischrift zur Schmelzszene ist bisher weitgehend unübersetzt geblieben. B. Scheel, 82, 165, versuchte eine erste Übersetzung:

4.a.) “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle). Du sollst bringen (bringe Atemluft), (damit es) zum schönen Gesicht wird. (Zustand der Schmelze)!“ Ab Seite 183 erklärt er den auch sonst in Schmelzszenen vorkommenden Ausdruck hr nfr als „Metapher für die rotglühende, flüssige Metallschmelze. Genauer gesagt, ist für den Ägypter mit hr nfr wohl das Antlitz bzw. das Aussehen der Metallmasse im Tiegel gemeint.“

Unter dem Vorverständnis, dass mit “Bruder der Luft“ der heiß wehende Luftzug des Handwerkergottes Sokar bezeichnet wird, ist auch für diese Szene ein hell aufloderndes Schmelzfeuer zu vermuten. Das Feuer entwickelt eine sengende Hitze, die bei den Arbeitern den Wunsch aufkommen läßt, eine Pause einzulegen (vgl. Dok.  1,  2,  3).
Daher kann übersetzt werden:
4.b.)  “Die Luft wird heiß wegen ihres Bruders. Könnte ich doch für mich meinen Ka herholen (d.h. Pausieren). Ich werde zum ‘schönen Gesicht‘ (d.h. zur Schmelze)“. Der mit dem Blasrohr am Feuer arbeitende Schmelzer droht durch die aus dem Schmelzfeuer aufsteigende heiße Luft zu verbrennen und befürchtet selbst zur Schmelze zu werden. Der Handwerker äußert daher den Wunsch, seinen Ka herbeizuholen und seine Person durch seinen körperlosen Doppelgänger zu ersetzen. Er wünscht sich also eine Pause für seine Person. Sein Wunsch nach einer Pause deckt sich mit den Wünschen der Schmelzer von Dok.  1 bis  3.

Die hier aufgeführten Beischriften zu den Schmelzszenen des Alten Reiches bezeichnen den Gott Sokar als “Bruder des Windes“ (vgl. Dok.  2) Sokar äußert sich dabei sowohl im Wind, der das Feuer unter dem Schmelztiegel anfacht, als auch im Gluthauch des Schmelzfeuers, der den Handwerkern entgegenschlägt. In der Hitze des Feuerwindes wünschen die Arbeiter bei ihrem Werk eine Pause einzulegen, sich auszuruhen (Dok.  1), Bier zu trinken (Dok.  2), die Arbeit abzubrechen (Dok.  3) oder zur Stellvertretung für ihre Person ihren Ka herbeizuholen. Der Wind in der Umgebung der Schmelzer wird durch Sokar bewirkt. Seine sonst wenig bekannten Eigenschaften als Windgott, die auch in seinem Namen Dcw zum Ausdruck kommen, scheinen durch die angeführten Stellen außer Zweifel zu stehen. Sie werden durch eine, in einen anderen Kontext verweisende Beischrift noch weiter verdeutlicht.

Soweit, der Inhalt von H. Altenmüller bis zu Seite 13, was die Metallverarbeitung betrifft.

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    ANMERKUNGEN UND BESPRECHUNG DES INHALTES


A.1.0)           Sokar und seine Eigenschaften im Alten Reich
                    (lt. Pyramiden- und Sargtexte)
 Sokar wird genannt als Gott, Handwerkergott, Windgott, König, Fürst, Patron, Bruder, Bruder der Luft, oberster Metallschmelzer und als Schutzpatron der Metallarbeiter.
Sokar könnte ein Gott sein, der für die Luftzufuhr bei der Metallschmelze verantwortlich ist und der sich den Metallhandwerkern in der heißen Luft des Schmelzfeuers (auch “Gluthauch oder dörrender Wind“) offenbart (S. 8). Als personifizierter Erzarbeiter siebt er ein Mineralisches Korn mit Körben um ein gebrauchsfertiges Mineral/Pulver vorzubereiten, das anschließend in einem Schmelzofen, der mit dem Fell des Sokar (man könnte an einem Blasebalg denken) angefacht und unterhalten wird. Nach dem Abkühlen ergibt die Arbeit ein Gebrauchsmetall, welches von ihm als Schmied zu Harpunenspitzen geformt wird.



A.1.1.)    Beschreibung des Rennofens und die Verhüttung des Erzes   

Um die Tätigkeiten des Sokar besser zu verstehen, beschreibe ich
im nachfolgenden das sehr detailreich überlieferte Relief des Kaemrehu (Dok.  2):   

Zwei Erzschmelzer mit Blasrohren hocken vor einem zylindrischen etwa 70cm hohen Ofen. Der rechts sitzende scheint mit seinem Blasrohr an einer Ausbuchtung (Verbreiterung) am Fußpunkt des Ofens, welche eine Öffnung darstellt, das Feuer anzufachen bzw. aufrecht zu halten. An der gegenüberliegenden Ofensohle lehnt eine hochgestellte Steinplatte, die evtl. durch verschieben oder wegnehmen dazu dienen könnte, die Schmelzschlacke abfließen zu lassen. Wie es aus dem Dialog „Der Schmelzbrei bildet sich dort. Packt an!“(3.b.) und “(Fern/weit), es weitet sich auf das Ausgussloch, die Tiegelwand/Wange; faßt zu!“ (3.a.), hervorgeht.      

Der hier sitzende, also der linke Schmelzer, hebt sein Blasrohr – eher wie eine Flöte haltend – zur Oberkante des Ofens. Aus seiner entspannten Haltung, und da es hier auch keinen Sinn macht zu blasen, scheint er eine Ruhe-/Pausenposition eingenommen zu haben.  
Der hochgebaute rohrähnliche Verhüttungsofen (Schacht- oder Rennofen) wird im Wechsel mit Schichten aus Holzkohle und Eisenerz befüllt.   
Je nach Erz ist eine vorherige Reinigung, bzw. Trennung des “Tauben Gesteins“ vom Eisenoxid nötig. Diese bezeichnende Tätigkeit wird von Sokar, “mittels eines siebartigen Korbs, mit dessen Hilfe er durch den Wind geschrotetes von ungeschrotetem Korn/Mineral trennt, bevor er Metall schmilzt“ (Altenmüller Seite 7).    

Die Reduktion des Eisenoxides kann 10 bis 20 Stunden in Anspruch nehmen, deshalb sind auch nur zwei Männer mit Blasrohren erforderlich, deren Aufgabe es ist, die Temperatur in der Glut des Schmelzofens auf ca. 900° C zu halten. Ist die optimale Schmelztemperatur erreicht, was die Handwerker an der Farbe und Art der austretenden Hitze oder des Rauches erkennen, können sie pausieren, da sich der Abbrannt durch die Kamin-/Schlotwirkung (dies bewirkt derweil Sokar als Bruder der Luft) selbst aufrecht erhält. Dies wäre dann der Moment, bei den Nachwuchskräften Bier zu bestellen und demnach auch zu genießen.


A.1.2.)    Die Anzahl der erforderlichen Metallarbeiter zum Schmelzen.
Aus überlieferten Reliefs und Malereien ist hinreichend bekannt, dass beim Schmelzen von Gold und Silber in kleinen hornförmigen Tiegeln über offener Feuerstelle manchmal aus Platzgründen nur vier, ansonsten oft sechs Schmelzer mit Blasrohren die Glut antreiben, da hier Temperaturen um 1100 Grad Celsius über längere Zeit erreicht werden müssen. Das verarbeitende Metall wird grundsätzlich immer angegeben.
Bei Darstellungen von Schmelzarbeiten mit Rohröfen (Schacht- bzw. Rennöfen) wo manchmal nur ein, meist zwei Schmelzer mit Blasrohren am Werke sind, wird gelegentlich das Metall bjA (bj3) angegeben. Des Öfteren fehlt die Angabe des Werkstoffes, weil die Tätigkeit hinreichend bekannt ist und deshalb auch nicht besonders erwähnenswert erscheint. Je nach Erz werden Ofentemperaturen von etwa über 900 Grad Celsius benötigt.

Dem Anschein nach tritt Sokar im Speziellen für den hier genannten Verarbeitungsprozess auf, “wenn er mit dem Fell (Blasebalg?) ohne Unterstützung durch Mitarbeiter Metall schmilzt“ (Altenmüller Seite 7).
Die gleiche Arbeit verrichten ebenso bei den Quellen Dok. 3 und 4 jeweils nur ein Schmelzer mit Blasrohr, bei Dok. 1 und 2 sind jeweils zwei Blasrohrleute beteiligt. Die hier genannten haben während der Arbeit genügend Zeit für Zwiegespräche, Reden und Rufe, Bier zu bestellen und dementsprechend auch zu verzehren. Obwohl bei der Edelmetallschmelze bis zu sechs Mann die Glut anfachen, bleibt ihnen nicht die Zeit Dialoge zu führen, geschweige Bier zu bestellen.   



A.1.3.)       Wieso Schmelzen die Arbeiter kein Kupfer?  

Zwar sind die Kupferschmelzöfen ähnlich gebaut, jedoch wird die Schlacke wesentlich höher abgestochen als wie es beim Relief des Kaemrehu explizit dargestellt ist. Das flüssige Kupfer setzt sich beim Verhütten in der Ofensohle ab, und wird nach dem Erstarren (Erkalten) als “Kupferkuchen“ entnommen. Die hierbei benötigten Schmelztemperaturen bewegen sich bei weit über 1100 Grad Celsius, was wiederum eine Mannschaft von mindestens vier bis sechs Bläser mit guter Kondition im Dauereinsatz erfordert. Weiter wird im Relief des Kaemrehu das Aufglühen und Schmieden von Brocken gezeigt. Bei Kupfer wäre die Weiterverarbeitung z.B. als Dolch oder Speerspitze im Gießverfahren gezeigt worden, genauso wie es bei den Reliefs für Gold und Silber überliefert ist (Aufschmelzen in Tiegeln und Gießen in Formen), dies ist hier nicht der Fall.  

Gold und Silber gehörte den Pharaonen, Kupfer war sehr rar und wurde gelegentlich hochrangigen Beamten als Schein-, Ritual- und/oder Miniaturwerkzeuge mit ins Grab gegeben. Von daher ist es nicht logisch, dass Schmiede und Erzarbeiter aus der untersten sozialen Schicht das Kupfer als Massenware hätten herstellen und besitzen können. Gleiches gilt für die Werkzeuge der Handwerker und Bauern, die sich das Kupfer nicht hätten leisten können, und zweitens da es für ihre Zwecke nicht getaugt hätte und deshalb sowieso entbehrlich gewesen wäre.  

Hätte das mächtige Ägypten eigene Kupfervorkommen, hätten sie, wie es im Relief des Rekhmire (Rechmire) detaileiert hervorgeht, die Lieferung von kupfernen Ochsenhautbarren aus “Asien“ nicht so offensichtlich dargestellt.
Es wird also auf einen Kupfermangel im eigenen Land hingewiesen, der nur durch Importe ausgeglichen werden konnte. Man konnte also bis zum Neuen Reich sowohl auf Kupfer als auch auf Bronze gänzlich verzichten, nicht jedoch auf ein Metall namens bjA (bj3), das seit dem Alten Reich hergestellt, benutzt und im Handwerk wie auch in der Landwirtschaft das Gebrauchsmetall war.  

(Siehe hierzu den Beitrag 170506   Ägypten und das Kupfer auf Seite XVII      http://www.cheops-insider.homepage.t-online.de/42850.html  
und Q1, # 78.1 Die soziale Stellung der Schmiede und Erzarbeiter im Alten Reich auf Seite XIII http://www.cheops-insider.homepage.t-online.de/41004.html)
 

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B.0.)         Die Reden und Rufe der Metallarbeiter

B.1.)     Dok. 1:  Beischrift zur Schmelzszene in der Mastaba des D3d3-m-anh                  (Djadjaemanch) aus Saqqara: 

1.a.)   B. Scheel Übersetzt: “Ach, gäbe es doch Faulheit für/beim Sokar, o, dieses Handwerk (diese Künste)“ mit der Erklärung: “Der Ausspruch ist demnach als Beschwerde eines Metallhandwerkers anzusehen, der sich darüber beklagt, dass es für/beim Sokar kein Ausruhen bzw. keine Faulheit geben darf.“

1.b.) Altenmüller übersetzt:   “Ach! Ich möchte mich setzen (d.h. ausruhen)          
                                            weil Sokar der Handwerker ist“. Als Handwerkergott facht Sokar das Schmelzfeuer an, so dass heiße Luft entsteht.  

Bewertung:  Scheels Erklärung kann so nicht stimmen, denn der Schmelzer lobt eigentlich sein Handwerk “o, diese Künste!“. Altenmüllers Übersetzung geht den richtigen Weg, der Arbeiter möchte sich ausruhen, weil Sokar nun der Handwerker ist.
Aus dem heiß aufsteigenden Rauch bzw. dem Gluthauch erkennt der Schmelzer, dass die Hitze groß genug ist, um eine kleine Pause einzulegen. “Der Handwerker Sokar“ übernimmt derweil das weitere Anfachen (Schlot-/Kaminwirkung). Aus der Arbeitsabfolge geht dann hervor: “Ach! Ich möchte mich setzen (d.h. ausruhen) weil Sokar der Handwerker ist, der für mich einstweilen das Feuer übernimmt“.

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B.2.)     Dok.  2 :   Beischrift zur Schmelzszene in der Mastaba des K3-m-rhw 
                            (Kaemrehu) aus Saqqara:  
2.a.)  Erman übersetzt mit “… Luft wegen (?) seinem Bruder“ und “Bier für (?) Sokaris, o König“.
Anmerkung: Dass es sich hier über eine Klage über zu schwaches Blasen des anderen handeln könnte, wie Erman es deutet, geht aus dem Inhalt nicht hervor!
2.b.)  B. Begelsbacher-Fischer übersetzt: “Die Luft wird heiß wegen seines Bruders“, “Bier für Sokaris, oh König!“
Anmerkung: Da ja die Luft heiß wird, kann es - laut Auslegung der Übersetzter - keine Klage über den anderen wegen zu schwaches Blasen gemeint sein.  

2.c.)   B. Scheel übersetzt: “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle)“ und “Sokarisbier, Fürst/Patron!“

Auf S. 192 bemerkt er dazu: „“Wegen der starken Hitze beim Schmelzen fordern die Handwerker offenbar in scherzhaftem Ton Bier zu Erfrischung von ihrem Aufseher bzw. Patron“.

Anmerkung: Nicht weil es den Arbeitern zu heiß ist, sondern der aufsteigende Rauch aus dem Schmelzofen zeigt ihnen an, dass die Glut ausreichend ist, eine Pause einzulegen und Bier zu trinken. Weil Sokar der wirkende Windgott das Feuer zur höchsten Glut anfacht, ist vorerst nichts mehr für sie zu tun. Siehe 2.d.)

2.d.)  Altenmüller fasst zusammen:

„Die Luft wird heiß wegen ihres Bruders (d.h. Sokar). Ein Bier!, weil Sokar der Patron ist“

Anmerkung: Dies ist richtig. Sokar, der Windgott, hat das Schmelzfeuer dermaßen angefacht, dass die am Feuer arbeitenden Handwerker - nicht in der Hitze des Gluthauchs Durst verspüren, sondern - vorerst nichts mehr zu tun haben, und darum eine Pause einlegen können, um Bier zu trinken. Sokar ist der Patron der Handwerker, der oberste Metallschmelzer.


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B.3.)     Dok.  3:  Beischrift zur Schmelzszene in der Grabanlage der beiden 
                           Nagelpfleger Nj-anh-Hnmw und Hnmw-thepw in Saqqara
                           (Grab des Nianchchnum und Chnumhotep).

3.a.)   R. Drenkhahn übersetzt: “Fern ist das Ausgußloch dort; faßt zu!“ Für das problematische mnd.t (“Wange“) schlägt sie als Übersetzung “Ausgußloch bzw. Tigelwand“ des Schmelztiegels vor.  


3.b.)   Moussa-Altenmüller übersetzen:
“Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders. Der Schmelzbrei (?) bildet sich dort. Packt an!“

3.c.)   B. Scheel übersetzt: “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle); die Tiegelwandung glüht, fass nicht an!“


Anmerkung: Obwohl wir für dieselbe Inschrift drei verschiedene Übersetzungen haben, ergibt dies im Ganzen gesehen einen logischen Handlungsablauf:  

1.) “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle)“(3.b., 3.c. und 3.d.) Die Metallschmelzer erkennen aus der Qualität des aufsteigenden Rauches aus der Feuerstelle, dass das Schmelzverfahren erfolgreich war, die Glut neigt sich dem Ende zu.  

2.)   “die Tiegelwandung glüht, fass nicht an!“ (3.c.).  Bedeutet womöglich, dass wenn die Tiegelwandung glüht, der Zeitpunkt zum Abstich der Schlacke gekommen ist. Hierzu ist der Verschlussstein des Ausgussloches wegzuschieben, aber Vorsicht!, fass nicht an! (… sondern nimm zum Entfernen des Verschlusses einen Haken).  

3.) “Der Schmelzbrei (?) bildet sich dort. Packt an!“(3.b.). Mit gleicher Bedeutung wie vor, es ist höchste Zeit, die Schmelzschlacke ablaufen zu lassen. “Packt an!“, lasst die Schmelzschlacke herausrinnen.
4.)  “(Fern/weit), es weitet sich auf, das Ausgussloch der Tiegelwand/Wange des Schmelzofens; fasst zu!“ (3.a.).  Mit gleicher Bedeutung wie vor, das Ausgussloch der Tiegelwand/Wange des Schmelzofens ist offen, die Schlacke rinnt heraus. Fasst zu!, (… bildet einen Graben oder eine Mulde, wo der Abstich erstarren kann).

Es kann mit dem Ausdruck “Ausgussloch“ kein Schmelztiegel gemeint sein, da der typische Schmelztiegel, wie wir es von der altägyptischen Edelmetallverarbeitung kennen, ein hornförmiger Becher mit schnabelförmigem Ausguss ist, um das flüssige Metall portioniert in Formen einzugießen. Beim Schmelzofen zum Verhütten von Eisenerzen (Rennofen, kommt vom “rinnen“, die Schlacke “ablaufen“ lassen) ist das Ausgussloch unbedingt erforderlich.      


3.d.)    Altenmüller ergänzt:
“Die Luft wird heiß wegen ihres Bruders“. “(Meine) ‘Tiegelwand‘ (d.h. meine Haut) wird gedörrt. (Ich wünschte,) ich bräuchte nicht zuzupacken (d.h.  zu arbeiten)“.  

3.e.)   Altenmüller ergänzt: “Ach bräuchte ich nicht zuzupacken, d.h. zu arbeiten!“
Anmerkung zu 3.d. und 3.e.: Hier ist eine Anlehnung an Doc. 1 und Doc. 2 unverkennbar, dass Altenmüller auf die Faulheit der Handwerker am Schmelzofen hinzielt. Unwissend, dass die Arbeiter womöglich ca. 10 bis 20 Stunden am Schmelzofen verharren, jedoch bei entsprechend heißer Glut, sich und dem Ofen oftmals einige Pausen gönnen. Auf die Bestellung einiger Krüge Bier wurde bereits mehrfach hingewiesen. Solche Verhaltensmuster sind bei den Edelmetallschmelzern mit bis zu sechs Schmelzer nicht anzutreffen.  


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B.4.)  Doc. 4  Beischrift zur Schmelzszene in der Mastaba des Pth-spss in Abusir (M. Verner, Excavations in the Mastaba of Ptahshepses at Abusir, Prag 1976, Abb. 29).

4.a.)  B. Scheel übersetzt: “Die Luft ist heiß wegen ihres Bruders (der aufsteigende Rauch aus der Feuerstelle). Du sollst bringen (bringe Atemluft), (damit es) zum schönen Gesicht wird. (Zustand der Schmelze)!“

4.b.)  Altenmüller übersetzt: “Die Luft wird heiß wegen ihres Bruders. Könnte ich doch für mich meinen Ka herholen (d.h. Pausieren). Ich werde zum ‘schönen Gesicht‘ (d.h. zur Schmelze)“.

Anmerkung. “damit sie zum schönen Gesicht wird, die Schmelze, der Zustand der Schmelze (der Schmelzbrei)“, wird das Ziel des Schmelzvorgangs erreicht, der es den Schmelzern erlaubt, die Schlacke ablaufen zulassen. Das Groß der Arbeit ist getan. Nach dem Abkühlen des Tonofens wird dieser zertrümmert und die noch glühenden Eisenluppen aus der restlichen Glut genommen. Der Schmied, der ebenso auch der Schmelzer war, oder zumindest die gesamte Tätigkeit überwachte, übernimmt zur weiteren Aufbereitung das Rohmaterial, und wird daraus eiserne Geräte, Werkzeuge oder Waffen schmieden. Wie es auch im Relief des Kaemrehu dokumentiert ist.


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Q1    Bernd Scheel, Studien zum Metallhandwerk im Alten Ägypten I 
Handlungen und Beischriften in den Bildprogrammen der Gräber des Alten Reiches. SAK 12, 1985,
Siehe hierzu meinen Beitrag   # 78   110208     Der Schmied und die Erzarbeiter des Alten Reiches auf Seite XIII,
sowie Anhang # 78.1 Die soziale Stellung der Schmiede und Erzarbeiter im Alten Reich http://www.cheops-insider.homepage.t-online.de/41004.html auf Seite XII

Q2     Bernd Scheel, Studien zum Metallhandwerk im Alten Ägypten II
Handlungen und Beischriften in den Bildprogrammen der Gräber des 
Mittleren Reiches.    SAK 13, 1986, Bernd Scheel. Siehe hierzu meinen Beitrag auf Seite XIV
http://www.cheops-insider.homepage.t-online.de/41372.html







C.0.) Beischriften die im Sänftenlied nicht enthalten sind (Quelle: B. Scheel, Q1)  

C.1.) In den Beischriften des Ij-mrjj wird bjA (bj3) gewogen und geschmolzen. Der Ruf, bzw. die Rede und die Gegenrede zum Schmelzen lauten wie folgt:
„Gib an seine Sohle, es ist ein neuer Krug!“           und die Gegenrede: „Eile du sehr zu dem schönen Gesicht, he, wende gut im Schmelztiegel um!“  

C.2.) Die Rede bei Wp-m-n-nfr.t, wo bjA geschmolzen wird lautet:
„Eile sehr, gib an seine Sohle“  

C.3.) In der Wiegeszene des Wesirs Mereruka (Mrr-wj-k3=j) in Saqqara wird bjA gewogen, die Rede zum Schmelzen lautet:
„Es ist ein neuer Krug, komm an seine Wandung Kamerad“  

C.4.) Für das Grab des Ibi (Ibj) übersetzt Forbes, Studies in Ancient Technology IX, 153:
„Das bjA ist geschmolzen (nbj.t bj3), schlage hart auf seine Unterseite (Sohle), hier ist ein neuer Krug“,
mit der Erklärung, dass der Tonverschluss (Stopfen) an der Sohle des Schmelzofens hart ausgeschlagen werden soll, damit die Schmelze entweichen kann.    

C.5.) Im Grab des Ibi lauten die Reden:
„Schmelzen des bjA-Metalls für den Bereich der Werkstatt“  und „Ihr werdet (etwas) Gutes sehen!“  

C.6.) Im Grab des Ppj-cnh lautet der Ruf und die Gegenrede:
„Gib, dass die Schmelze (die Breie) herabsteigt (herabsteigen) zum Abkühlen!“ und „Ich handle zu deinem Lob ( wie du befohlen hast).“  


Vorbemerkung:
Laut R. Drenkhahns Ansicht könnte die Bezeichnung “Krug“ eine Anspielung auf das Endprodukt sein. (Q1, 157)

Laut B. Scheel ist die “Ofensohle“ eine Bezeichnung des Bodens von Schmelzöfen (157 „103)  


C.0.1.)    Besprechung:
Die Zusammenfassung in den Rufen der Schmelzer bereitet für C.1. bis C.6. keine Schwierigkeit:
„Eile sehr Kamerad, komm an die Wandung des Schmelzofens und zerschlage den Tonverschluss an der Ofensohle, damit die Schmelze herauslaufen kann, die Breie sollen herabsteigen und Abkühlen“.  

Wie bereits oben besprochen, entsprechen die Reden der Arbeitsabfolge eines Rennofens zur Verhüttung von Eisen. Es ist der Zeitpunkt eingetreten an dem die Schlacke am Ofenboden abgelassen wird. Zu den Aussagen der Schmelzer ist nichts hinzuzufügen.    



C.0.2.) Der Krug 

„Komm an seine Wandung Kamerad, es ist ein neuer Krug,“ C.3.)  

„Gib an seine Sohle, es ist ein neuer Krug!“   C.1.)  

„Schlage hart auf seine Unterseite (Sohle), hier ist ein neuer Krug“,  C.4.)  

„Ihr werdet (etwas) Gutes sehen!“  C.5.)  

Mit “Krug“ kann hier nur der Schmelzofen gemeint sein (siehe auch oben Vorbemerkung). Für Schmelztiegel machen die Reden der Metallarbeiter keinen Sinn, ein Kamerad müsste nicht hinzugerufen werden, die kleinen Schmelztiegel sind nicht mit “Wandung“ zu erklären, und das Zerschlagen eines mit flüssigem Metall gefüllten Tiegels wäre nicht von Vorteil. Dies zeigt, dass alle Übersetzer mit der Meinung, es würde “Kupfer“ in Tiegeln geschmolzen, sowohl in der Auslegung der Texte, als auch im angedachten metallurgischen Herstellungsprozess im Irrtum sind.  Somit ergibt sich:

“Komm an die Wandung des Schmelzofens Kamerad und zerschlage die Sohle, ihr werdet gutes sehen!“  

Die Arbeitsabfolge ist ähnlich wie C.0.1), jedoch sind wir hier einen Schritt weiter. Wenn die Glut zusammensackt und das Ablaufen lassen der Schlacke beendet ist, wird der aus  Lehm gebaute Rohrofen (Rennofen, Schachtofen) zerschlagen und abgeräumt. Dabei zeigt sich der Tagesslohn in Form von unterschiedlich großer porösen Eisenbrocken, Schwammeisen, Luppen, bei besonders großen Stücken auch “Ofensau“ genannt. Dies wird mit “ihr werdet gutes sehen!“ nach dem zerschlagen des Ofens unmissverständlich ausgedrückt.          



C.0.3.)
„Eile du sehr zu dem schönen Gesicht, he, wende gut im Schmelztiegel um!“  C.1.)  
Wie bereits oben besprochen handelt es sich nicht um einen Schmelztiegel, was wiederum bekräftigt wird, indem es weder Sinn machte, noch dass es technisch möglich war, eine flüssige Metallmasse von ca. 1100 Grad Celsius gut umzuwenden bzw. zu rühren.  

Hier wird auf die Arbeitsabfolge von C.0.2.) aufgebaut. Dem Anschein nach sind nur zwei Schmelzer anwesend, wobei einer dem anderen auffordert das Arbeitsergebnis, also das erzeugte Metall, eiligst zu bestaunen
„Eile du sehr zu dem schönen Gesicht,“, da er sich wieder einmal vom Arbeitsplatz entfernt hatte. Anschließend soll der Herbeigerufene die restliche Glut gut umwenden, um nach kleineren Eisenluppen zu stochern damit kein Metall verloren geht, bzw. es sofort gesichert wird “he, (suche und) wende gut in der verbliebenen Schmelzglut um!“   

Auch hier wird am Arbeitsablauf ersichtlich, dass es sich nicht um die Verhüttung von Kupfer handeln kann, da sich das erzeugte schwerere Kupfer im Gegensatz zur leichteren Schlacke in der Bodenmulde des Schmelzofens absetzt und nach dem Abkühlen des Ofens als Gesamtmasse (“Kupferkuchen“) entnommen wird.
“Gib an seine Sohle“ oder “zerschlage die Ofenwandung“ vor dem Abkühlprozess würde das Kupfer wesentlich verunreinigen.   



“Hier ist ein neuer Krug!“

Der Verhüttungsofen in Form eines großen Krugs, der den gesamten Arbeitsaufwand der Schmiedesippe (Clan, Stammesverband) bis zum fertigen Rohprodukt, also dem erzielten Metall beinhaltet, wird in höchsten Tönen gelobt. (siehe oben, die Bezeichnung “Krug“ könnte eine Anspielung auf das Endprodukt sein.) Der “Krug“ versinnbildlicht die Arbeitsleistung und das gelungene Arbeitsergebnis.  

Mit diesen Worten enden die Szenen der bjA-Metallschmelzer. Im Relief des Kaemrehu folgen die Tätigkeiten des Aufglühens und des Schmiedens von bjA-Metall.
Sokar reinigt das Erz, er schmilzt es und schmiedet anschließend Harpunenspitzen daraus, um es selbst, oder wie es die Fischer tun, zum Fischfang zu benützen. Es ist somit das Gebrauchsmetall im Alten Reich.
Hierzu passt der Fund einer dreiflügeligen Pfeilspitze aus Eisen in der Mastaba des nj-cnh-re aus der 4. Dynastie (2550 v. Chr.), Hermann Junker, Fund-Nr. 32, siehe Quelle 60, Seite I.

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Sonderfall: Laut Verzeichnis von B. Scheel (Q1) ist folgende Inschrift einzigartig: C.6.) Im Grab des Wp-m-nfr.t (C.2.) lauten die Rufe zum Blechtreiben: „Glühe dies aus, es ist spröde, es ist hell (farbig)es bjA-Metall“  und
„Es gibt keinen Hohlraum (?), wenn sein Ausglühen vortrefflich ist!“  

Diese Rufe passen vortrefflich zu der bildlichen Darstellung im Relief des Kaemrehu, wo Nachwuchskräfte auf einer primitiven Schmiedeesse über Kohlenglut unförmige Eisenbrocken erhitzen. Während der Schmied am Amboss mit einem Stein auf einen massiven Stück Metall einschlägt, erteilt er den Auftrag an die Betreiber der Esse:
„Glühe dies aus, es ist spröde, es ist hell (farbig)es bjA-Metall“.

Das glühende Eisen verfärbt sich beim Abkühlen während des Schmiedens vom hellen Rotglühen zu dunkelrot und schließlich zum hellen silbern schimmernden Eisenglanz, wo es dann nicht mehr schmiedbar ist und spröde wird.  


Zur weiteren Erklärung, hier ein Auszug aus Wikipedia: Als Eisenschwamm (Eisenluppe, Schwammeisen, oft auch DRI für „direct reduced iron“) versteht man heute überwiegend ein Produkt der Direktreduktion von Eisenerz. Die Reduktion des Eisenerzes ergibt ein „teigiges“, schwammartig-poriges Produkt mit einem Gehalt an Eisen von 92–95 %. Eisenschwamm ist keine durch einen Schmelzprozess entstandene Legierung; es entsteht bei der Erzeugung kein flüssiges Roheisen. Aufgrund seiner Porosität (daher die Bezeichnung „…schwamm“) muss der Eisenschwamm zur Weiterverarbeitung verdichtet oder auch – neuzeitlich – geschmolzen werden, da nicht erwünschte Unreinheiten (v. a. Schlacke) enthalten sind.  

Poröse Eisenluppen oder auch lockere Brocken von Schwammeisen sind das direkte Roheisenprodukt, welches unmittelbar aus dem Rennofen anfällt. Um daraus ein massives Stück Eisen herzustellen, die Brocken also zu Formen, sollten sie je nach Beschaffenheit ca. 40 bis 50 mal aufgeglüht und ausgehämmert werden.  

„Es gibt keinen Hohlraum (?), wenn sein Ausglühen vortrefflich ist!“

Versteht sich dann von selbst, dass die Männer an der Esse aufgefordert sind, die Eisenstücke hell glühend an den Schmied zu übergeben, damit sie bei höchster Temperatur leicht verdichtet werden können.    

Kupferprodukte wurden grundsätzlich als Formstücke gegossen. Eine Pfeilspitze, wenn diese  jemals zum ernsthaften verschießen gedacht gewesen wäre, hätte man entgradet und evtl. angeschliffen, sie wäre nicht nachgeschmiedet worden. Wenn, dann hätte man eine verbogene Klinge im kalten Zustand mit einem Stein begradigt.
Da beim Kupferguss reines Metall ohne Poren und Einschlüsse entsteht, kann es sich nicht bei der zuletzt genannten Rede 
„Es gibt keinen Hohlraum (?), wenn sein Ausglühen vortrefflich ist!“ um Kupfer handeln. Dies fiel auch dem Übersetzter auf, weswegen diese untypische Eigenschaft für Kupfer mit einem Fragezeichen versehen wurde.
Die richtige Übersetzung von “Hohlraum“ (schwammartiges Produkt) im Metall trifft ausschließlich auf die Verarbeitung von Eisenluppen zu.        

Zum Kupfer schmelzen siehe auch unter H. Föll,
https://www.tf.uni-kiel.de/matwis/amat/iss/kap_a/backbone/ra_1_3.html#_dum_9  
   
Q1    Bernd Scheel, Studien zum Metallhandwerk im Alten Ägypten I  Handlungen und Beischriften in den Bildprogrammen der Gräber des Alten Reiches. SAK 12, 1985.
Siehe hierzu meinen Beitrag   # 78        110208  Der Schmied und die Erzarbeiter des Alten Reiches auf Seite XIII, sowie Anhang
# 78.1 Die soziale Stellung der Schmiede und Erzarbeiter im Alten Reich http://www.cheops-insider.homepage.t-online.de/41004.html         


Q2     Bernd Scheel, Studien zum Metallhandwerk im Alten Ägypten II Handlungen und Beischriften in den Bildprogrammen der Gräber des Mittleren Reiches. SAK 13, 1986, Bernd Scheel. Siehe hierzu meinen Beitrag auf Seite XIV http://www.cheops-insider.homepage.t-online.de/41372.html  













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 181020    Die Schmiede der Masai


Geschichtsforschung zum Volk der Masai und dessen Verwendung des Eisens.

Abschrift von:
M. Merker, Die Masai, Ethnographische Monographie eines ostafrikanischen Semitenvolkes, Berlin 1904.

Originaltext von Seite 3 und Seite 307-311
Abschrift von Seite 3:

... Später als die Tatoga sind, meines Erachtens, die Masai, deren Schilderung die vorliegende Studie gewidmet ist, nach Afrika eingewandert. Ich komme im zweiten Kapitel des vierten Abschnitts zu der Annahme, dass die Einwanderung der Masai nicht nach der Zeit der vierten Pharaonendynastie stattgefunden haben dürfte.
Aus dem Absatz "die Keniter der Bibel - die Schmiede der Masai" desselben Kapitels geht hervor, dass die Masai bereits bei ihrer Einwanderung im Besitz des Eisens und der Schmiedekunst waren.


Das Ende der Steinzeit in Ägypten setzt die Forschung jetzt, meines Wissens, um das Jahr 5000 vor Christi. Da nicht anzunehmen ist, dass die Ägypter noch in der Steinzeit verharrten, nachdem Eisen besitzende Völker durch ihr Land oder nahe daran vorbei gewandert sind, wird man vermuten dürfen, dass der Einzug der Masai nach Afrika kaum vor jenem Jahr 5000 vor Christi erfolgte, vorausgesetzt, dass diese Zeitbestimmung des ägyptischen Steinzeitendes richtig ist.

Eine der letzten semitischen Einwanderungen auf dem Weg über die Landenge von Suez ist im Altertum die derjenigen Ägypter, welche dort die Begründer jener hohen Kultur wurden. Sie verschlossen das Tor Afrikas für weitere Einwanderungen großer Volksmassen. Von nun an ging daher der Völkerstrom aus Arabien im wesentlichen nach Norden. Wohl hat es nicht an Versuchen später aus Arabien gedrängter Semiten gefehlt, der alten Straße folgend, nach Afrika einzudringen.  
- Doch das mächtige Ägypten verhinderte dies -

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Abschrift ab Seite 307 bis Seite 311:

307

… Ich vermute hiernach, dass die biblischen Keniter nicht als ein besonderer Volksstamm angesehen werden können, sondern dass sie vielmehr die Nachkommen der Schmiede aus der Zeit sind, als die Israeliten noch unkultivierte Nomaden waren, und dass damals die Schmiede in Israel dieselbe tiefe soziale Stellung hatten wie heute bei den Masai und den oben genannten, wie auch noch anderen Semitenvölkern.

Warum nennt nun aber die Bibel die Keniter einen besonderen Stamm, warum nennt sie sie nicht ein Volk von Schmieden und warum spricht sie nirgends aus, dass die Schmiede Israels einst eine tiefe soziale Stellung einnehmen? Auf diese Fragen gibt zum Teil die Bibel selbst, zum Teil auch die Beobachtung, welche man noch heute an den Masai machen kann, Auskunft.

Betrachten wir zunächst die erste Frage. Ebenso wie die Masai hatten auch die nomadisierenden Israeliten bestimmte Weidegründe, innerhalb deren Grenzen sie umherwanderten. War das Gras auf dem einen Fleck abgeweidet, so wurden die mit Rinderhauten eingedeckten Hütten abgebrochen und man zog auf eine nicht weit entfernte Stelle. Im Gegensatz hierzu bleiben die Schmiede längere Zeit, oft auch dauernd, solange nicht kriegerische Ereignisse sie zu Flucht zwingen, an einem Ort wohnen. Ihr Viehbesitz ist meist gering, denn, sobald er grösser wird, nehmen dem Schmied die Nichtschmiede nach Recht und Brauch mit Gewalt den Hauptteil davon ab. Die Weide im Umkreis ihres Kraals wird ihnen, den Gemiedenen, von niemanden streitig gemacht und genügt daher für ihre wenigen Stücke Vieh das ganze Jahr hindurch.
Dann aber sind die Schmiede auch an bestimmte Plätze gebunden, nämlich an solche, wo sich eisenhaltiger Sand und Holz, letzteres zu Herstellung von Holzkohlen, vorfindet. Da diese Bedingungen nur an verhältnismäßig wenigen Stellen vorhanden sind, entstehen Kolonien von Schmieden. Ihr meist geringer Viehbesitz macht sie bald abhängig von Ackerbauern, bei denen sie Vegetabilien kaufen müssen. Sind solche aber nicht in erreichbarer Nähe oder verhindern die eigenen Volksgenossen den Verkauf von Schmiedeprodukten – Waffen – an ansässige Stämme, so beginnen die Schmiede notgedrungen selbst den Boden in geringem Umfang zu bepflanzen und werden dadurch auch zu Ackerbauern.

Diese halbe Ansässigkeit trennt sie noch mehr vom eigenem Volke, als sie durch die vorerwähnte Geringschätzung schon geschieden wurden. Kommt dann Krieg oder Hungersnot, z. B. durch Dürre oder Viehseuche, hinzu, so kann die Schmiedekolonie vollkommen vom eigenen Volk getrennt werden.
So geschah es auch wohl, als die Israeliten infolge von Hungersnot nach Ägypten gedrängt wurden, dass die halbansässig gewordenen Schmiede zurückblieben. Diese können sich nun durch engeren Anschluss an die Ackerbauer, etwa in Süd-Kanaan, oder dadurch, dass sie ein fremder Stamm durch Freundschaft oder Krieg zur Ansiedlung bei sich zwang, und infolge der dadurch ermöglichten Vermischung durch Zwischenheirat zu einem eignen Volk herausgebildet oder einem solchen eine für das Auge und Empfinden der nach rund 500 Jahren wieder mit ihnen

 
308

In Berührung kommenden Israeliten charakteristische Physiognomie gegeben haben, welche diese veranlasste, sie Keniter zu nennen.

Diese Vermutung hätte aber nur dann eine Berechtigung, wenn man annehmen dürfte, dass die Israeliten schon bei ihrer Rückkehr aus Ägypten „“das Volk der Keniter“ kannten und – was hier zu demselben Ende führt – die ehemaligen Schmiede bei Völkern aufgenommen waren, welche ihnen, den Schmieden, ihre Töchter zu Frauen gaben. Letzteres möchte ich nach meinen Beobachtungen an den aus Arabien stammenden afrikanischen Völkern bezweifeln.

Dass aber auch erstere Annahme kaum haltbar ist, scheint aus dem lebendigen Zorn des Jahwisten gegen die Keniter hervorzugehen, denn sie sind es, die er vor allen Heiden ganz besonders mit beredten Worten verurteilt. Man käme so zu der Annahme, dass „“das Volk der Keniter“ er später, und zwar nicht lange vor der Abfassung der Jahwe-Schrift entstanden sein mag, und dass ferner die ehemaligen Schmiede der Israeliten sich von fremder Blutmischung ziemlich frei erhalten haben mögen. Dann könnte man, um zu erklären, dass die Bibel die Keniter als ein anderes Volk hinstellt, vermuten, dass die Israeliten zur Zeit der Entstehung der Jahve-Schrift bereits stark vermischt waren.

Diese Vermutung würde im Einklang mit den biblischen Mitteilungen stehen und dadurch weiter unterstützt werden, dass der Autor so eindringlich gegen eine Vermischung mit den Töchtern der Heiden redet und diesen Umstand sogar als Veranlassung zur Sintflut hinstellt. Aber wir brauchen auch wohl diese Annahme nicht, denn die Bibel versteht unter einem fremden Volk doch in allererster Linie nicht ein anderes politisches Gemeinwesen oder eine Gemeinschaft somatisch anders gearteter Mensch, sondern Leute, deren Kultus in Widerspruch zu dem der Israeliten stand.

Die zweite Frage, warum die Bibel die Keniter nicht als ein Schmiedevolk bezeichnet, erklärt sich zum Teil schon aus dem geben Gesagten: Durch ihre Ansässigwerdung hatten sie eben im allgemeinen das Handwerk mit dem Ackerbau vertauscht, und sie ergibt sich zum andern Teil aus dem Folgenden:

Warum spricht nun die Bibel nirgends direkt aus, dass die Schmiede als eine niedrige Kaste galten? Wenn es nach dem Obigen auch nicht wahrscheinlich ist, dass ein Teil der Schmiede mit Israel nach Ägypten zog, so soll die Möglichkeit, dass dies doch der Fall gewesen sein könnte, nicht ausgeschlossen werden. Wie würde es diesen Schmiden nun ergangen sein?

Nehmen wir mit der Bibel an, dass die Israeliten damals ein frommes Volk waren und von den Ägyptern geknechtet wurden, so dürfte jeder dieser Umstände im Laufe der langen Gefangenschaft genügt haben, das alte Vorurteil gegen die Schmiede in der Praxis zu beseitigen und sowohl die Glaubens- als auch die Stammesgenossen fest zusammenzuschließen. Es bleibt aber noch eine andere Möglichkeit. Nehmen wir an, dass letzteres nicht gelang und dass wie es entsprechend noch heute bei den Semitenvölkern Innerafrikas der Fall ist, damals eine Ehe zwischen Angehörigen von Schmieden und Nichtschmieden


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Unerlaubt war, so ergab sich für die ob ihrer Kunst in der Herstellung von Waffen an den verschiedenen Orten verwendeten und zur Beschleunigung der dauernden Seßhaftwerdung im Land von einander getrennten Schmiede die Notwendigkeit, durch Vermischung mit Ägyptern in diesen aufzugehen.

Entstand dadurch für die Esraeliten ein Mangel an Schmieden, so konnte dem abgeholfen werden, indem Leute aus Familien, die nicht ursprünglich zu der Schmiedekaste gehörten, das Handwerk in Ägypten erlernten und dort wie auch später ausübten. Nach  Analogie der Masai wurden solche Leute durch Ausübung des Schmiedeberufs in der allgemeinen Achtung des Volkes nicht sinken.
Aber auch wenn ich annehme, dass ein Teil der Schmiede mit Israel von Ägypten zurück kam, so musste, bedingt durch die Ausgestaltung des religiösen Kultus, in dessen Dienst der Schmied sein Handwerk zur Verfertigung von Gefäßen und andern Gerätschaften stellte, seine soziale Stellung eine bessere werden. Er, dem die Ausstattung der Tempel oblag, konnte länger nicht ein verachteter, gemiedener, unreiner Mann bleiben.
Spricht das Alte Testament also nirgends direkt aus, dass die Schmiede eine niedrigere, eine verachtete Kaste bildeten, so enthält es meines Erachtens in seinem ältesten Teil doch noch Reminiszenzen daran, dass der Schmied auch den Israeliten in der Vorzeit als unrein galt.

Ist der Schmied unrein, so werden es auch die Gegenstände, welche er berührt, insonderheit diejenigen, welche als Produkte seiner Kunst aus seiner Hand hervorgehen. Da nun im alltäglichen Leben die Schmiedeprodukte unentbehrlich sind, hilft man sich durch eine Reinigungszeremonie. Der Tatoga ebenso wie der Irakumann taucht einen aus der Schmiedewerkstatt abgeholten neuen Gegenstand in das Wasser eines entfernten Baches und wäscht sich dabei gleichzeitig die Hände. Die Masai bestreichen die aus der Hand des Schmiedes kommenden Sachen – Speer (Blatt und Schuh), Schwert, Messer, Rasiermesser, Axt, Nähale, Pinzette, Pfeilspitzen, Brenneisen, Kuhglocken, große und kleine Beinschellen sowie verschiedene Schmuckgegenstände – und ebenso ihre Hände welche diese Sachen berührten, mit Fett, um ihnen die vom Schmied her anhaftende Unreinheit zu nehmen. Ob die alten Israeliten einen ähnlichen Brauch hatten, ist mir unbekannt, doch halte ich es für wahrscheinlich.

Was für das profane Leben ausreihend erscheint, braucht nicht auch dem religiösen Kultus zu genügen; im Gegenteil, man wird von vornherein annehmen können, dass man da empfindlicher ist. So bedienten sich die Masai an Stelle des eisernen Messers eines Rohrsplitters zur Durchschneidung der Nabelschnur des Neugeborenen, gemäß ihres achten Gebots. Nun berichten auch einige biblische Stellen, welche aus der ältesten Zeit Israels, aus der Zeit des Nomadentums, erzählen, vom Gebrauch des Steinmessers und andere vom Verbot des eisernen Messers für Zwecke des Kultes.

So lesen wir im 4. Kapitel des 2. Buches Mose im 25. Vers: „Da nahm Zippora einen scharfen Stein und beschnitt die Vorhaut ihres Sohnes“. Und in 5. Kapitel des


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Buches Josua befiehlt Jahwe diesem: „Mache dir Steinmesser und beschneide wiederum die Söhne Israels zum zweiten Male. Da machte sich Josua Steinmesser und beschnitt die Löhne Israels am Hügel Araloth“.

Das Verbot für den Gebrauch des eisernen Werkzeugs finden wir im 20. Kapitel des 2. Buches Mose: „Und wenn due mir einen Altar vom Stein machest, so baue sie nicht behauen, denn eisernes Werkzeug hast du darüber geschwungen und sie entweiht“.

Hier wird also direkt gesagt, dass die Steine durch das Behauen mit eisernem Werkzeug entweiht werden. Beschneidung und Altar sind aber die ältesten und zugleich auch die wichtigsten Einrichtungen des israelitischen Kultes. Wie die Steine des Altars nicht durch die Berührung mit dem durch den Schmied unrein gewordenen Meißel unrein gemacht werden sollten, so musste auch die Benutzung des eisernen Messers zur Beschneidung, durch welche der Israelit ja gerade religiös gereinigt werden sollte, verpönt sein.


Besonders zu beachten ist hier, dass von den angezogenen drei Bibelstellen die ersten beiden dem Jahwisten, die letzte einer Verarbeitung von Jahwist und Elohist angehört. Der Jahwist ist aber- wie ich schon oben erwähnte – diejenige Quellenschrift, welche allein den Kain und die Keniter sowie die Verbindung beider kennt und welche auch als die älteste der im Pentateuch zusammengearbeiteten gilt. Ich glaube hieraus folgern zu dürfen, dass die der Jahwe-Schrift zu Grunde liegenden Quellen noch von der Unreinheit der Schmiede gewusst haben, wodurch der Beweis für das Bestehen dieser Anschauung im ältesten Israel erbracht wäre.

Dass sie später verloren ging, erklärt sich zur Genüge auch daraus, dass die Israeliten zwischen nichtsemitischen Völkern ansässig wurden, denen die Schmiede nicht als unrein galten, und zwischen semitischen, welche durch die Einwirkung der andern sie wahrscheinlich ebenfalls nicht mehr kannten, sowie weiter durch die Beeinflussung, welche ihre Psyche durch die sofortige und in der Folge dauernde Vermischung mit diesen Völkern erlitt.

Mit dem Verlust jener Auffassung verlor sich auch die Scheu vor der Verwendung des eisernen Messers zu Beschneidung, wogegen man den Altar noch in der Makkabäerzeit (1. Makk. 4-47) aus unbehauenen Steinen errichtete, aber nur, weil dies ausdrücklich im mosaischen Gesetz (2. Moses 20,25) geboten war, während über den Gebrauch des Steinmessers zur Beschneidung nichts darin enthalten ist.

Sind nun die Keniter die Nachkommen der Schmiede der Israeliten aus vorägyptischer Zeit, d. h. aus der Nomadenzeit Israels, so erklärt sich ihre Zerstreuung am Sinai, in Kanaan, unter den Amalekitern und Midianitern aus der Tatsache, dass sie, wie heue noch bei Naturvölkern, so damals auch bei Kulturvölkern, als Verfertiger von Waffen immer die wertvollsten Kriegsgefangenen sind und waren.


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Auch die Bibel gibt Kunde, dass dies in den Kriegen gegen Israel galt. Nach 2.Kön. 24,14 wurden von Nebukadnezar alle Schmiede Jerusalems gefangen genommen, und nach 1. Sam. 13-19 waren alle Schmiede Israels von den Philistern weggeführt worden.

Da die andern Pentateuchquellen ebenso wenig wie der Mythus der Masai den Kain bzw. eine ihm entsprechende Persönlichkeit als den ersten Mörder kennen, und da es ferner ganz und gar nicht in den Gedankenkreis eines Naturvolkes passt, sich schon dem ältesten Sohn des ersten Menschenpaares als Mörder seines Bruders und dadurch als Hindernis zur schnellen Vermehrung der Menschen auf der Erde vorzustellen, vermute ich, dass die Legende des Jahwisten von Kains Brudermord erst in einer späteren Zeit entstand. Für die traditionelle Verachtung der Keniter konnte im fortgeschrittenen Israel mit seinen höher geachteten Schmieden kein Raum mehr sein.

Man brauchte einen anderen Grund, um die im Heidentum aufgegangenen Stammesgenossen, die eben durch ihre Stammeszugehörigkeit ganz besonders geeignet waren, durch Zwischenheirat heidnischen Einfluss und heidnische Untugenden nach Israel hineinzutragen, als verächtlich und schlecht hinzustellen. Hierzu scheint es natürlich, wenn sich bei einem Volke, welches schon im Zustand des kulturarmen Nomadentums ein tieferes Religionsgefühl hatte, eine Legende bildete, die geeignet war, die Keniter als Nachkommen eines wegen des schwersten Verbrechens von Gott verfluchten Stammvaters aufzufassen. Eine solche Legende konnte umso eher entstehen, als – wie ich schon oben erwähnte – den Ursemiten die Schmiede als Verführer zur Übertretung des göttlichen Befehls gegen das Blutvergießen, als von Gott nicht geliebt und ihnen daher als verachtungswürdig und unrein galten. In der ursemitischen Anschauung sind die Schmiede als Verführer zum Mord verurteilt, in der Bibel wird Kain als Mörder selbst verdammt.

 
M. Merker, Die Masai, Ethnographische Monogrphie eines ostafrikanischen Semitenvolkes. Berlin 1904,

Originaltext von Seite 3 und 307-311      

ENDE DES BUCHABSCHNITTES.