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081216                                                 #  47

Hallo Forum gewiss ist es nicht leicht,  die anfangs gestellte Frage in Kurzform zu beantworten. Ich versuchte die nötige Minimalausstattung so kurz, als gleichzeitig  auch  so umfassend wie möglich  zu behandeln,  dass es auch ein nicht eingeweihter Dritter nachvollziehen kann.   Als erstes kümmerte uns die Frage, ob denn überhaupt  die Rohstoffe zur Verfügung standen. Wenn ja, konnten die Temperaturen zur Weiterverarbeitung erzielt werden. Gibt es Anhaltspunkte um das Wissen der Existenz der Eisenmineralien und um dessen Nutzbarkeit. Wie hätte eine Evolution dieses Metalls vonstatten gehen können. Sind Hinweise bekannt, bzw. überlieferten uns die Alten Ägypter in Wort, Schrift und Bild gewichtige Vorkommnisse.  Konnten verwertbar-umsetzbare  praktische Argumente zum Ansatz kommen. Sind archäologische Funde des Metalls oder dessen Bearbeitungsspuren vorhanden.

Was leisten die Alternativwerkzeuge ? Gibt es Wissenschaftler, die das Eisen als Kuriosität = etwas, was merkwürdig ist, vom normalen abweicht und besonderes Aufsehen erregt, bestätigen ?   Alle Indizien konnten Erkenntnisrelevant zugunsten des Eisens bewertet werden.  

Wir haben festgestellt, dass die Natursteinbearbeitung mit den bisher alternativ dargelegten Werkzeugen an den vorgefundenen verbauten Massen – von Snofru bis zu Mykerinos sind in ca. einhundert Jahren ca. Zehn Millionen Kubikmeter Steinfertigmaterial, teils millimetergenau hergestellt – nicht realisierbar waren, sie dementieren sich selbstredend.  Das Vorhandensein von harten Erzen, der Werkzeuge, sowie der Gegenwärtigkeit des Eisens,  sind in Wort, Schrift und Bild von den alten Ägyptern eindeutig überliefert. Die physische Erzeugung des Eisens wird uns von “berufenen Spezialforschern“ erklärt und für die Zeit der Reichseinigung bestätigt. Die Rohstoffe des Eisens waren den alten Ägyptern näher als Kupfer, Zinn und Feuerstein, welches weiterhin begründet, dass sie sich ausschließlich und eher mit dem Eisen beschäftigen mussten. Die nachweislich mit Eisenwerkzeugen hergestellten Obelisken des Neuen Reiches, sowie die Skulpturenherstellung unterscheiden sich nicht in der Ausführung und in der Präsentation derer des  Alten Reiches.    Im nachfolgenden liefert uns Herr Moesta nicht nur Beweise für weitere Eisenfunde, er beweist uns auch, wie die ersten Fe-Manipulationen vonstatten gingen: --------------  

Erze und Metalle, Prof. Dr. H. Moesta, zweite korrigierte Auflage 1986,  ab Seite 150  :   “Die ältesten bekantgewordenen Reste von “menschen gemachten“ Eisen stammen aus dem Zweistromland. In einenm Grab von Tell Chagar Bazar ( am nördlichen Ende des Belich, Nebenstrom des Euphrat) und in einem Präsargonidischen Tempel in Mari am mittleren Euphrat wurden Eisenbruchstücke gefunden, die laut Untersuchung von Desch eindeutig nicht meteoritischen Ursprungs sind. Die Reste werden auf 3000 bis 2700 v. Chr. Datiert. In Tell Asmar fand sich aus der gleichen Zeit die erste eiserne Waffe...... . Wir haben gesehen, dass es am Anfang des dritten Jahrtausends an zahlreichen Stellen der damaligen Welt schon eine recht gut entwickelte Metallurgie gab.   ....., Besonders die Tatsache, dass in Timna, Sinai ( chalkolithische Hüttenleute im vierten Jahrtausend v. Chr. Seite 19 ) schon seit langer Zeit Kupfer unter Zuhilfenahme einer aus Eisenoxiden ( Hämatit ) und Sand künstlich hergestellten Schlacke erschmolzen wurde, lässt das Auftreten von ersten Eisengegenständen schon zu dieser Zeit förmlich erwarten. Es ist völlig außer Zweifel, dass bei der Verhüttung von Kupfererzen mit fayalitischen Schlacken hin und wieder auch metallisches Eisen entstanden sein muss.

Eisenerz, Reduktionsmittel und Temperaturen kamen in der richtigen Weise schon in diesen alten Öfen zusammen.   Eisen als solches bedurfte gar keiner “neuen“ Technik, es war als zufälliges Nebenprodukt der bereits bekannten Technik durchaus zu erwarten.“   Weiter schreibt er auf Seite 152: Erst auf die lange Lernperiode kann dann die eigentliche “Eisenzeit“ folgen, für die Sir Childe als Kennzeichen fordert :  “Die Eisenzeit bricht an, wenn Eisen für große und schwere Werkzeuge verwendet wird, wenn es also Bronze und Stein für schwere Arbeiten zu verdrängen beginnt. Dabei werden noch die Formen der Bronze- und Steinzeit imitiert, spezielle, in der Formgebung dem Eisen angepasste Geräte treten zunächst nur selten auf“. Diese Definition einer Eisenzeit setzt die Beherrschung der gezielten Produktion als etwas in der Geschichte früher liegendes voraus, eben unsere “Lernperiode“.   ------------------  

Also, war das Wissen um das Hämatit ( bj3 ) welches wir im Beitrag # 30 und 34 besprochen haben, schon im 4. Jahrtausend v.Chr. bekannt.  

Unser Anliegen will auch die Maßstäbe von Childe nicht übertreffen, die größten Gegenstände sind manche Hämmer und eine Art des Pickels ähnlich des heute noch gebräuchlichen Zweispitz, alles innerhalb des Gewichtes bis ca. 1,5 Kilogramm. Das hauptsächlich gebrauchte Kleinmaterial waren Spitzeisen und in der nötigen Menge die Bildhauereisen.  

Fazit: Die bislang dargelegten Nachforschungen werden so manchen schmerzlich klarmachen, dass man zukünftig genauer hinsehen sollte.   Aufgrund dieser Tatsachen haben wir nun die Chance, ein Bewusstsein zu entwickeln, welches die Vergangenheit besser begreifen wird.    

Die Beiträge # 16 – 30, die seit ca. 15.10.08, aufgrund eines Serverfehlers nicht mehr einsehbar sind, habe ich vorübergehend auf http://cheops-insider.homepage.t-online.de zur Einsicht, kopiert. Viele Grüße von mir, und schöne Weihnachtsfeiertage wünsche ich Euch, cq.       Ab Juni 09  




090609    von LS                                 #  48  

Hallo Forum und hallo cq,
ich weiß jetzt nicht, ob meine Gedanken sinnvoll sind, aber ich versuche mal dem Ganzen langsam näher zu kommen.
Im Buch von F. Deichmann: Ägypten, der Mensch und sein Tempel steht, dass im Monthtempel des Amenophis III ( 1413 – 1375 v. Chr. ) viele Edelsteine, Gold, Weißgold, 1310 kg Bronze, 9460 kg Kupfer und 425 kg schwarzes Kupfer eingelegt wurden. Wenn nun das Eisen als schwarzes Kupfer bezeichnet wurde, so ist es in der Tat ein nicht ungewichtiger Befund für den hervorragenden Kenntnisstand um des Eisens und der zu damaliger Zeit bereits beherrschten Kunst der Erzeugung.      




091115     Antwort auf Gast und beginn P. A. Knauth       #  49  

Hallo LS, ein wahrlich guter Fund, imponierend ist vor allem die unüblich große Masse der eisernen Grabbeigabe.   Ich hab jetzt zwar auch keine neuen umwerfenden Erkenntnisse  und schreibe mal aus dem dann u.a. Buch, was uns später zu eisernen Gebrauchswerkzeugen in die Zeit um ca. –2000 führen wird.  

Die Frühzeit des Menschen – Die Entdeckung des Metalls,  von  Percy Knauth, auf Grundlage des Werkes von Prof. Cyril Stanley Smith – Historiker der Metallurgie.   Hierin sind mir einige Sätze aufgefallen, wie z.B. in der Einleitung Seite 16 - 17:  ... und manche Fachleute sind sogar der Meinung, in jedem Teil der Erde habe es Eisen eher gegeben als Bronze.  .... und gegen 2700 v. Chr. hatten Schmiede  Temperaturen erreicht, die hoch genug waren, um Eisen auf wirkungsvolle Weise zu verhütten.  

4. Eisen, Seite 79 : Die Hethiter fielen um 2000 v. Chr. in Anatolien ein. Die Eisenvorkommen Anatoliens ausnutzend, taten sie, wie die Wissenschaftler heute glauben, einen der ersten Schritte auf dem weiten Weg der Verhüttung von Eisenerzen zu Eisen.  

Die Funde, Seite 83: Die Königsgräber von Ur enthielten einige rostige Eisenfragmente..., < Moesta datiert Ur auf –2600> Bei Alaca Hüyük in Anatolien, einem in das dritte vorchristliche Jahrtausend zurückdatierten Fundort, entdeckten Archäologen eine Eisennadel und das Fragment einer sichelförmigen Platte.

In Ägypten gaben zwei etwa 6000 Jahre alte Fundorte am Nil Eisenperlen, ein Eisenamulett und eine eiserne Messerklinge frei. Und ein um –1800, ein minoisches Grab bei Knossos auf Kreta enthielt einen geheimnisvollen Eisenwürfel.  

S. 84:  Der genaue Ort, an dem man zum erstenmal Eisen verhüttete, ist ebenso schwer zu bestimmen wie die erste Kupferschmelze. Gegenstände aus verhüttetem Eisen, die Anfang des dritten Jahrtausends  entstanden, tauchen überall von Syrien bis nach Aserbeidschan auf. Doch trotz dieser großen Verbreitung der Artefakte hat man in den betreffenden Gebieten weder Schmelzöfen noch Schlackenhaufen entdeckt.   Soweit erst mal, viele Grüße, cq.      




091124      Antwort auf Fragender                       #  51  

Hallo Fragender,
es ist zwar eine leichte Frage, aber schweere Kost zum Beantworten.
... weniger bunt gemischt, ich bin der Meinung, der Sachverhalt sollte eher katalogisierend und mit allen dazugehörigen Puzzlesteinen incl. aller relevanten Völker- und geschichtlichen Leistungen ergänzt werden ( aber natürlich nicht bis zu den Römern ). Dazu gehört natürlich auch ein Exponat von 425 Kilogramm Eisen, separiert als glücklicher Ausnahmefund, da es in situ vorgefunden wurde. Er erhärtet zugleich die Beweislage der thebanischen Schlagspuren ( mit eisernen Werkzeugen ) an Skulpturen und Werksteinen, die sich nicht von denen des AR unterscheiden. Da Cu dieses Verhalten nicht leistet müssen wir bei den Bearbeitungsspuren der Mykerinos-Triaden von Eisen ausgehen.
Somit sind wir dann bei Cheops angelangt.

Entscheidend sind nicht die Kriege der Hethiter, sondern dass sie eine Institution, welche bereits vierhundert Jahre zuvor eine hochstehende Metallurgie betreibt absorbiert, und man im Nachhinein den gewaltsamen Usurpator als die Quelle ethnologischer Errungenschaften tituliert.

Wir wissen nicht, ob sich bereits das anatolische Bergvolk oder die bis zu diesem Zeitpunkt noch geschichtlich unbekannten Hethiter mit der Verhüttung von Eisenerzen verstanden. Inspiriert wurden die Letztgenannten jedenfalls vom örtlichen Kupfervorkommen. Erst mit der scheinbar zwangsläufigen Erscheinung des Eisens konnte die Bergfestung Hattussa entstehen, und siehe da, erstmals aus zugeschlagenen Werksteinen / rechteckigen Quadern in dieser Region, was auch zum heutigen Erhaltungszustand beigetragen hat.
Betrachtet man weiter die noch sehr unbeholfene, einfache Bildhauerarbeit des Löwentores in ihrer Darstellung sowie in der Ausarbeitung, so erkennt man unwillkürlich die Anfänge eines zaghaften Umganges mit den ersten gröberen Spitzeisen, eine Neigung, die sich erst mit einer langen Erfahrung der Materialien Eisen und Stein zu wahren Formen und schließlich zur individuellen Kunst entwickelt.
Eindeutige Parallelen zur Kunst ( und damit in der Anwendung des Eisens ) des Löwentores ergeben sich, wenn man vergleichend die altägyptische Bildhauerei ab der Reicheinigungszeit ( -3000 ) betrachtet - jedoch vorwiegend in Hartgestein ausgeführt wurde – und von mir als alleiniger Aspekt im Umgang mit Eisen zu erwarten war. Siehe Beitrag # 23, letztes Viertel.
Hierin wird vergegenwärtigt, dass bei allen skulpturellen Anfängen teils plumpe, rundlich weiche fließende Konturen ineinander übergehen, ohne Hinterschneidungen, die sich dann mit der Technik und der weiteren Erfahrung lösen, bis man dann eigenständig proportionierte Objekte wie z. B. in der 4. Dyn. herausgelöst hat.

Mit dieser Meinung bin ich allerdings nicht alleine. Wir bleiben die nächsten Beiträge noch beim o.g. Buch von P. Knauth, auf Grundlage von Prof. Smith.
Smith in der original Einleitung: „...Menschen waren damit zufrieden, die Metalle einfach zu bewundern und zu benutzen, und durch diese Benutzung förderten sie das, was man Zivilisation nennt. ..... Die Zeugnisse der technischen Leistungen des Menschen sind nicht niedergeschrieben worden, sondern verbergen sich gewöhnlich in Objekten ....., Ich stellte bald fest, dass die frühesten Zeugnisse trotz der viele Jahrhunderte alten Geschichte nicht in Büchern, sondern nur in Museen zu finden sind - in Form von Kunstgegenständen.“


Eine kleine Gegenfrage, wer könnte nach deiner Meinung die Dolche von Alaca Hüyük und Ur ( -2700 ) , sowie die Fragmente aus Beitrag 47:

Erze und Metalle, Prof. Dr. H. Moesta, zweite korrigierte Auflage 1986, ab Seite 150 :

“Die ältesten bekantgewordenen Reste von “menschen gemachten“ Eisen stammen aus dem Zweistromland. In einenm Grab von Tell Chagar Bazar ( am nördlichen Ende des Belich, Nebenstrom des Euphrat) und in einem Präsargonidischen Tempel in Mari am mittleren Euphrat wurden Eisenbruchstücke gefunden, die laut Untersuchung von Desch eindeutig nicht meteoritischen Ursprungs sind. Die Reste werden auf 3000 bis 2700 v. Chr. Datiert. In Tell Asmar fand sich aus der gleichen Zeit die erste eiserne Waffe......
geschmiedet haben ?
Viele Grüße, cq.        




091204   Dolche schmieden                            #  52


Hallo Forum, ich versuche jetzt mal die Gegenfrage vorsichtig zu beantworten.   Um einen eisernen Dolch in vorzeigbarer Qualität zu schmieden bedurfte es einen vorausgegangenen Lernprozess von weit mehr als ca. 1000 Jahre. Eine Zeit, in der man grobe, unansehliche handwerkliche Gerätschaften für arbeitende Hände produzierte. Dies könnten u. a . Sicheln, Hacken, kleinere Äxte, Dechsel und Meißel gewesen sein.   Erst mit der Zeit der Erfahrung und dem Austausch von praxisorientierten Informationen konnten nahezu fehlerfreie Rohlinge, ohne markante Einschlüsse von Verunreinigungen und Fehlstellen, sowie zum schleifen geeignete Unikate zwischendurch erwartet werden.  Seit diesen Zeiten - einer solchen postulierten “Mittleren Eisenverwendungszeit“ -  benötigte der Schmied wesentlich verbesserte Werkzeuge wie z.B. verschiedene Hämmer, Zangen und zum ausziehen der Ware einen Amboss mit halbwegs gerader Bahn sowie verbesserter der Feuerung. Diese Grundlagen waren unumgänglich, weil nach den viele Minuten andauernden Aufheizperioden das glühende Eisen flugs herausgenommen wird, um es dann in wenigen Sekunden präzise zu Hämmern und zu Wenden. Anders konnte ein derartiges Prunkstück nicht realisiert werden.   Bei diesen von mir angenommenen Zeitablauf wären wir dann, wie bereits in Beitrag # 30 berichtet, wiederum in der vordynastischen Zeit für das ägyptische Eisen angelangt.  

Untermauert wird das Vorgetragene von weiteren massiven Funden aus dem Buch  “Lexikon des alten Ägypten“ von Guy Rachet, französische Originalausgabe 1998, Metall, Seite 228: „ In einigen Gräbern des Alten Reiches fand man Barren aus Meteoreisen. Im NR war dieses Metall besser bekannt, ....“   Wieso nun aber Meteoreisen ?

1. Falsch übersetzt, oder vorsätzlich geändert ? Einen Hinweis liefert das Vorwort zur deutschen Übersetzung: „Für die deutsche Ausgabe wurden geringfügige Änderungen vorgenommen. ....“

2. Rachet kann nur Eisen geschrieben haben, denn im Folgesatz verweist er auf das NR, wo er dann nur tellurisches Eisen meinen kann.

3. Zur Negade II-Kultur schreibt er auf S. 246, zu den gefundenen Perlen: „.... Eisen, was jetzt zum ersten Mal auftaucht.“

4. Meteoreisen wäre auch unlogisch; wenn es von den Göttern kommt, wieso wollte man es wieder mit ins Jenseits nehmen.

5. Barren aus M. hätte man gießen müssen, was eine Schmelztemperatur von mehr als 1500° C bedeutet, und was man zu dieser Zeit noch nicht erreicht hat. ( siehe auch zweite Hälfte # 23 )

6. Wenn man es trotzdem hätte mitnehmen wollen, gäbe es keine plausiblen Gründe, dies dann aufwendig umzuarbeiten ( was ja nicht möglich war ).

6.1. ..., und auch unnötig gewesen wäre, denn diese Aufgabe hätte man den Uschebti’s im ewigen Reich übertragen,  und man hätte es in seiner ursprünglichen Erscheinung lassen können.  

Fazit: Wer zur Zeit des Alten Reiches Eisenbarren schmieden kann, die folglich eine bestimmte Güte aufwiesen, der hat den Grundstoff und die Fähigkeiten einen Dolch zu schmieden. Wer Dolche schmiedet, der konnte Jahrhunderte vorher hemmungslos Spitzeisen zur Hartgesteinsbearbeitung oder Beile und Schnitzmesser für den hochseetauglichen Schiffsbau herstellen. Viele Grüße, cq.       




091219   Geologie und Bodenschätze Ägyptens      #  53


Hallo Forum, in einer Gegenüberstellung von drei wissenschaftlichen Abhandlungen sehen wir nachfolgend die vorhandenen Bodenschätze in Ägypten und die Möglichkeiten der Verwendung.   1.) Deutsche Forschungsgemeinschaft, Nordost-Afrika: Strukturen und Ressourcen, ab Seite 250 : Verwitterungsbedingte Lagerstättenbildung in Sedimentbecken Nordost-Afrikas. Ergebnisse aus dem Sonderforschungsbereich „Geowissenschaftliche Probleme in ariden und semiariden Gebieten“   Ich schreibe aus den nächstfolgenden ca. 50 Seiten im Buch, einige für uns interessante mineralogische und geochemische Merkmale fossiler Verwitterungskrusten, als Resultat der physikochemischen Adaption ..., in Stichpunkten heraus:   Geologischer Rahmen: Das nordost-afrikanische Untersuchungsgebiet umfasst Ägypten und die nördliche Hälfte des Sudans. Die vorkommenden Erzlagerstätten der geologischen Sub-Formation der Kreide werden als Kreideerze bezeichnet.   S. 253, Residuale Lagerstätten: Überlagernde Fe-reiche lateritische Bildungen, Eisenkrusten. S. 257, Wadi Kalabsha, Oberägypten, etwa 120 km südwestlich von Assuan, enthält das Mineralprofil der Eisenkruste Goethit ( Nadeleisenerz ) und bis zu 40% Hämatit. S. 261, Eisenkrusten, Eisenbänder, Krusten mit Absolutanreicherung von Fe, für den Bereich der Westwüste Bahariya,  Karte S. 252. S. 263, In der Eastern Desert Ägyptens treten Eiserne Hüte auf vulkanosedimentären Massivsulfidvererzungen auf. S. 271, Kontinentale oolithische Eisenerze, Hämatit, marine Oolithe, Lagerstätten nördlich und um Assuan und entlang des Flusstales auf einer Länge von ca. 300 km nilaufwärts.    S. 274,  Oolithische Eisenerze: In der Region zwischen Wadi Halfa im Nordsudan und Assuan; in Südägypten finden sich weitverbreitet Vorkommen oolithischer Eisenerze in oberkretazischen ( Kreide ) marinen Sedimenten. Weitere Vorkommen sind aus Ägypten im Wadi Qena und auf dem Sinai bekannt. Die meisten Erze bestehen überwiegend aus Goethit ( Nadeleisenerz ), vorwiegend die Oolithe aus Assuan enthalten Hämatit als Hauptbestandteil.   S. 294, Eisenerze: Marine oolithische Eisenerze sind in Oberägypten schon zu pharaonischen Zeiten abgebaut worden. Nach einer Abbauperiode von 1580 –1350 v. Chr. wurden die Lagerstätten östlich von Assuan erst 1917 wiederentdeckt. Der 1955 begonnene Abbau wurde dann 1974 zugunsten der Lagerstätte in Bahariya in der Western Desert, wegen ökonomischer Gewinnungsaspekte, eingestellt.   ------------------  

Auf der perspektivischen Karte S. 297, sind die Lagerstättenbildungen des Eisernen Hutes, der Eisenkrusten und der Eisenoolithen in der Art schematisch dargestellt, als dass sie an den Erdoberflächen sowie an tektonischen Verschiebungen direkt zugänglich und abbaubar sind. Die Lagerstätten der Eisernen Hüte und die der Eisenkrusten mit mehreren Metern Mächtigkeit befinden sich teils auf dem Top von Hügellandschaften, hauptsächlich als horizontale Schichten in unterschiedlichen Höhen von inzwischen erosionsbedingt freigelegten Berghängen. Die Kennzeichen der weit verbreiteten Eisenoolithen sind trichterartige, linsen-,  oder teichförmige Vorkommen in den Flusstälern, Tallandschaften und bis zu den Berghängen.  

Zusammenfassend kann gesagt werden, das sich die genannten Eisenerze auf einer Länge von mehr als ca. 600 Kilometer entlang des Nils von Wadi Halfa bis in den Norden von Qena  ( Wadi Quena ),  sowie auf die Seitentäler der Wüsten im Osten und im Westen erstrecken. Nördlich davon, bildet Bahariya in der Westwüste ein lokales Erzzentrum.     Vergleichend beschreibe ich nun die Erzlagerstätten aus denen ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. in Südost- Deutschland die Bajuwaren, Illyrer, Kelten und alle später angesiedelten Stämme die europäische Eisenverhüttung - archäologisch nachgewiesen -  vorantrieben   ---------------

 2.) Die Oberpfalz ein europäisches Eisenzentrum, Bergbau und Industriemuseum Ostbayern Band 12/1, Seite 15 – 59:   Die Kreideerzlagerstätten: Rucksacklagerstätten als auch oberflächennahe Vorkommen größerer Ausdehnung. Hauptbestandteil der Kreideerze ist  Brauneisenerz ( = marin oolithisches Eisenerz ), im wesentlichen Nadeleisenerz  ( Goethit ) die Gehalte liegen bei 45 % Eisen. Neben Brauneisenerzlinsen kommen auch Geröll- und Bohnerze vor, die ebenfalls lokal abgebaut wurden.   Kretazischen ( Kreide ) Alberz , ( Bohnerz ): flächige Brauneisenerzkruste, 40 – 55 Gew.% Fe, Mangan 5 – 11 Gew.%. Durch das händische Auflesen von Eisenschwarten und – konkretionen entstanden keine Abbaugebiete.    Durch die Untersuchung ließen sich Verhüttungs- und Schmiedeschlacken nachweisen. Die Schmelztemperatur bei der Verhüttung und Bearbeitung dürften bei 1200° C gelegen haben. S. 57, Erhitzungsproben an Polantener Schlacken ergaben, dass sie bei 1060° C vollständig schmelzen.  

Die im Schnitt 1 bis 2 m mächtigen hämatitisch-goethitischen Erze aus feinoolithischer Grundmasse weisen Eisengehalte zwischen 34 und 44 % auf.   Eiserner Hut: Mit den Erzmineralien Hämatit und Siderit, Brauneisen-Oberflächenvererzungen vorwiegend als Oolithe.   In den Jahren von 1000 – 1800 wurden ca. 10 Mio. t der Kreideerze im Raum Amberg – Sulzbach – Rosenberg und Auerbach abgebaut.        ------------------------------------

3.) Die Oberpfalz ein europäisches Eisenzentrum, Bergbau und Industriemuseum Ostbayern Band 12/2, Seite 11 – 17:   Die größte Bedeutung kommt den Kreideerzen zu, von denen rund 60 Mio. t abgebaut wurden, der durchschnittliche Eisengehalt beträgt ca. 40 Gew. %. Es sind Lagerstätten unterschiedlicher Genese, die von kleinen Vorkommen ( Rucksacklagerst. ) bis hin zu Lagerstätten mit mehreren Millionen t Erzinhalt reichen. ..., ein weiterer Lagerstättentyp, sind die oolithischen Brauneisenerbildungen in der Oxidationszone von Sulfiderzkörpern.

Bedeutendstes Vorkommen ist der „Eiserne Hut“... Außer diesen Hauptlagerstätten standen Zeitweise die Siderit- und Brauneisenerze des südlichen Fichtelgebirges und der nördlichen Oberpfalz im Abbau, die Hämatitgänge bei Fichtelberg ....   Die Datierung solcher Grubenanlagen ist oft problematisch, da diese Art des Erzabbaus seine Fortsetzung bis in die frühe Neuzeit findet.   Kennzeichen dieser Lagerstätten waren die infolge der Oberflächennähe leichte bergmännische Gewinnung, der hohe Eisengehalt und die Tatsache, dass es sich vorwiegend um oxidische Eisenerze handelte, die ohne Röstung und Aufbereitung zu verhütten waren. Es ist deshalb verständlich, dass die Alten sehr früh diesen Rohstoff zu nutzen begannen und durch eine primitive Verhüttungstechnik schmiedbares Eisen herstellten. --------------------------------------  


Eigentlich ist es dann so, wie ich es bereits in Beitrag # 11 und 12 beschrieben hab, fachtechnisch absolut richtig, nun zusätzlich geowissenschaftlich bewiesen. Wer beim oben geschriebenen mal den Faden verloren hat, dem sei ganz einfach gesagt: ES IST ALLES DAS GLEICHE MATERIAL.   Mit der Entstehung von Zivilisation hatten die damaligen Menschen des Niltales die gleichen Bodenschätze und sogar bessere Voraussetzungen als die ersten Völkergemeinschaften die dann wesentlich später die europäische Eisenzeit begründeten.    Noch ein Wort zum Heizprozess:  Zitat:   Durch die Untersuchung ließen sich Verhüttungs- und Schmiedeschlacken nachweisen.

Die Schmelztemperatur bei der Verhüttung und Bearbeitung dürften bei 1200° C gelegen haben. S. 57, Erhitzungsproben an Polantener Schlacken ergaben, dass sie bei 1060° C vollständig schmelzen.   D. h. für uns, die “Öfen“ der alten Ägypter hatten durchaus diese Temperaturen erreicht um obige Proben zum Verflüssigen zu animieren ( Schmelzpunkt ! ). Dies bräuchten wir aber noch lange nicht, denn wie wir wissen und auch S. 56 steht: Ab 800° C wir der Reduktionsvorgang beschleunigt ...., genügen Temperaturen von ca. 900 - 1000° C, unter Einwirkung von ca. 15 Stunden Heizdauer, um aus den Erzen die Nebenbestandteile als Schlacke ablaufen zu lassen.
Es entstehen krusten- oder schwammartige Massen die durch nachfolgendes erhitzen und zusammenhämmern ihre gebrauchsfähigen Eigenschaften erhalten ( je nach Erztyp oder Mischungen daraus ) .  


Fazit: Die verbreitet vorkommenden Eisenerze in Oberägypten und in Bahariya, vielseitige Funde, die schriftlichen Überlieferungen zum bjA (bj3), sowie der alleinige Besitz von Eisenerzen im gesamten alten Orient erhärten die Annahme, dass nur die Ägypter am Übergang zur geschichtlichen Zeit, ca. 3000 v. Chr. in der Lage waren unser Dolch- und Barren-Problem zu lösen. Der aktuelle Forschungsstand bietet uns keine andere Alternative. Viele Grüße, cq.